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Lösungsferne Ideologien

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publiziert in der Basler Zeitung vom 15. April 2016

Ideologien sind zur Lösung globaler Herausforderungen ungeeignet. Leider scheinen aber gerade beim Thema Klimawandel Ideologen das Sagen zu haben. Alarmisten von Meter hohen Meeres­spiegelhebungen und unkontrollierbaren Stürmen geben immer noch den Ton an. Forderungen auf asketischen Verzicht bis zu Geo-Engineering- ­Fantasien sind das Resultat. Geo-Engineering bezeichnet das aktive Eingreifen in das Klima­geschehen, um eine Erwärmung zu stoppen. Wer von der Grössenordnung und Komplexität von Kreisläufen der Natur einigermassen Ahnung hat, muss solche Versuche als gefährlichen Grössenwahnsinn ablehnen. Ein bisschen mehr Bescheidenheit über die Fähigkeiten, den Planeten zu steuern, wäre angebracht.

Tatsächlich gibt es ein Geo-Engineering-Experiment, das seit vielen Jahrzehnten läuft, dessen Auswirkung bis heute aber mehr Fragen als Antworten aufwirft: das weltweite Verfeuern fossiler Brennstoffe. Mit Beginn der Industrialisierung vor über hundert Jahren hat der Ausstoss von Kohlendioxid sukzessive zugenommen und sich mit der Globalisierung in den letzten vier Jahrzehnten rapide beschleunigt. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat sich in den letzten sechzig Jahren von 0,03 Prozent auf 0,04 Prozent erhöht. Die ­Klimaerwärmung hat allerdings schon einiges ­früher begonnen. Einen verstärkenden Einfluss der menschengemachten Emissionen muss man nicht abstreiten, auch wenn man ihn schwerlich quantifizieren kann. Es ist aber mehr als fraglich, wie weit sich mit einer CO2-Reduktion das Klima tatsächlich steuern lässt. Der Umkehrschluss, dass es ohne CO2-Emissionen nicht mehr wärmer wird, ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Was zur Frage führt, ob man denn einfach aus allen Rohren weiter feuern kann. Natürlich nicht. Es macht überaus Sinn, Energie immer noch ­effizienter zu nutzen und nachhaltige Systeme zu entwickeln. Erstens wird der Energiebedarf weltweit zunehmen und zweitens sind die fossilen Rohstoffe endlich, auch wenn noch sehr lange ­verfügbar. Nachhaltige Energiesysteme kommen zum Einsatz sobald sie ökonomisch Sinn machen, oder einen messbaren ökologischen Nutzen bringen. Peking hat zum Beispiel kein Problem mit CO2, sondern mit ernsthafter Luftverschmutzung. Also ersetzt man Kohle, wo es geht mit Wind-, Gas- oder Kernkraftwerken. Das sind pragmatische, keine ideologischen Lösungen.

CO2 ist eine Messgrösse, wie effizient mit fossilen Energien gewirtschaftet wird. Da ist weltweit noch ein riesiges Reduktionspotenzial vorhanden. Wind- und Solarstrom werden einen Beitrag leisten, aber nie zu einer massiven Dekarbonisierung führen. Es wäre ein Fehlschluss zu meinen, dass die rückläufigen CO2-Emissionen in industrialisierten Ländern das Ende von Kohle und Öl eingeläutet haben. Ein Teil ist den neuen erneuerbaren Energien zuzurechnen, die wesentlichen ­Faktoren sind jedoch Effizienzsteigerungen, der Umstieg von Kohle auf Gas, das gebremste Wirtschaftswachstum und, bei uns, die Auslagerung energie­intensiver Produktion in Billigländer. Ob die letzten Faktoren wünschenswert sind, bleibt jedem selbst zu beurteilen.

Anstrengungen, die Welt mit Energie zu ­versorgen, ohne die Umwelt zu zerstören, sind eine Daueraufgabe. Die ganze Angstmacherei mit einer davonrennenden Klimaerwärmung sind hin­gegen Exzesse einer Ideologie, die man als Klimatismus bezeichnen darf. Zur Erfindung effizienter und nachhaltiger Energietechniken braucht es keine ideologischen Drohfinger.

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How to Kill an Industry

by Gilbert Kreijger, Stefan Theil ans Allison Williams in the Global Edition of the Handelsblatt 24. March 2016

Germany’s massive push into renewable energy has a dark side. As green policies drive up the cost of power, entire industries are shrinking.

read more: https://global.handelsblatt.com/edition/396/ressort/companies-markets/article/how-to-kill-an-industryA worker disassembles a nuclear power plant in Greifswald, Germany. The last eight reactors will be shut down by 2022.

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von | 12. April 2016 · 16:04

Deutschland: Mit Vollgas in die Steinzeit

Ohne Energie keine Zivilisation

Gastbeitrag von Fred F. Mueller

FlintstoneAnscheinend will Deutschland seinen Hang, dubiosen Propheten bis ganz zum bitteren Ende hinterherzulaufen, wieder einmal unter Beweis stellen. Man bekommt zunehmend den Eindruck, dass die derzeitige Regierung dabei ist, der Nation auf nahezu allen wesentlichen Gebieten wie „Energiewende“, Euro, europäische Einheit, Flüchtlinge, Verwicklung in postkoloniale Kriege sowie beim Verhältnis zum wichtigen Nachbarland Russland den jeweils maximal möglichen Schaden zuzufügen. Jetzt macht sich eine als ziemlich resolut bekannte SPD-Ministerin daran, all diese Schäden noch zu toppen, weil ihr eine imaginäre „Klimarettung“ wichtiger ist als die industrielle Existenzgrundlage der Nation.

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von | 10. April 2016 · 1:37

Mehr Düsentriebe braucht das Land

Kontraproduktive Klimapolitik

1459924466339publiziert in der Basler Zeitung vom 6. 4. 16

Der Bundesrat hat beschlossen, seine in Paris vorgestellten Klimaziele mit weiteren Regulierungsmassnahmen umzusetzen. Die Schweiz soll so ihren Beitrag leisten die globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf weniger als zwei Grad zu beschränken. Die Krux dieses Ziels liegt darin, dass sich die Wirksamkeit der Massnahmen nie wird überprüfen lassen. Auch wenn man sich über den Realitätssinn der Ziel vorgabe streiten kann, gibt es gute Gründe, einen nachhaltigen und sauberen Energieverbrauch anzustreben. Die Schweiz hat in dieser Beziehung international bereits einen beachtlichen Leistungsausweis und soll hier selbstverständlich ihre Vorreiterrolle bei behalten. Der Bundesrat will, dass die CO2 Emissionen gegenüber dem Stand von 1990 bis 2030 in absoluten Werten um 50 Prozent reduziert werden. Das ist von allen 164 Ländern, welche überhaupt Klimaziele formuliert haben, das bei Weitem ambitionierteste. Ohne einen Blick über die Grenzen zu werfen und ohne sich Rechenschaft darüber zu geben, worauf man hier eingeht, ist das nicht ambitioniert, sondern bestenfalls blauäugig.

Die Schweiz hat mit sechs Tonnen CO2 pro Kopf einen der tiefsten Emissions werte aller Industrieländer, ungefähr gleich wie Frankreich, das jedoch eine geringere Wirtschaftsleistung pro Kopf aufweist. Deutschland liegt mit 9,2 Tonnen CO2 pro Kopf über 50 Prozent höher, trotz einer seit Jahren hoch subventionierten Energiewende. Dänemark, das Pionier- und Vorzeigeland für Windkraft schlechthin, liegt bei 8,4 Tonnen pro Kopf.

Wie erklären sich diese Unterschiede? Einerseits in der Wirtschaftsleistung, dann aber im effizienten Gebrauch von Energie und ganz wesentlich in der Art und Weise, wie Strom generiert wird. Die Schweiz produziert ihren Strom nahezu CO2-frei aus Wasser- und Kernkraft. Frankreich versorgt sich zu 80 Prozent mit Strom aus Kernenergie. Deutschland hat selbst nach über zehn Jahren stetig steigender Subventionen von Wind- und Solaranlagen erst einen Anteil von 30 Prozent erneuerbarem Strom – und das bei gleichbleibend hohen CO2 Emissionen. Der Grund liegt darin, dass die Stillstandszeiten der Wind- und Solaranlagen mit Braunkohlekraft werken überbrückt werden müssen. Die Grundlast der deutschen Strom versorgung wird durch Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke gedeckt. Wenn Letztere noch abgeschaltet werden, ist die einzige CO2-arme Grundlastproduktion auch weg. Mit seiner Energiepolitik wird Deutschland die EU-Ziele von 40 Prozent CO2-Reduktion nicht erreichen können. Auch Dänemark wird für die windstillen Zeiten dauerhaft auf Kohlekraftwerke angewiesen sein. Es ist höchst fraglich ob die EU ihr Klimaziel erreichen kann, das notabene den CO2-Emissionen entspricht, welche die Schweiz bereits heute kennt. Bei den ganz grossen Emittenten, den USA, China und Indien, die zusammen beinahe die Hälfte des globalen CO2-Ausstosses verursachen, sehen die Verpflichtungen noch viel bescheidener aus. Die USA haben es relativ leicht, ihre unmässigen Emissionen von über 16 Tonnen pro Kopf um 25 Prozent zu reduzieren.

Erreicht wird das vornehmlich durch die Umstellung von Kohle- auf Schiefergas-Kraftwerke. China hat sich bloss verpflichtet, ab 2030 seine Emissionen nicht mehr weiterzusteigern, ohne Angabe wie hoch der Spitzenwert dannzumal sein wird. Indien verzichtet auf jegliche Begrenzung. Es verpflichtet sich nur, seine Energieeffizienz zu verbessern, eigentlich eine ökonomische Selbstverständlichkeit. Man kann es den aufstrebenden Ländern nicht verübeln, den wirtschaftlichen Fortschritt höher zu werten als globale Klimaziele. Doch wer wären diese Länder, die messbaren Einfluss haben könnten? Die Schweiz leistet mit einer Senkung ihrer Emissionen von 0,1 Prozent auf 0,05 Prozent aller menschengemachten CO2-Emissionen keinen messbaren Beitrag zu einer ohnehin schwer fassbaren Klimarettung. Solange das nur mit Massnahmen zu erreichen ist, die so teuer sind, dass sie von keinem anderen Land übernommen oder kopiert werden, und wir uns damit nur einseitige Wettbewerbsnachteile einhandeln, muss das Parlament noch einmal dringend über die Bücher, ob das zielführend sei. Wie die Werte zeigen, hat unsere Wirtschaft ja bereits bewiesen, dass man Energieeffizienz mit Innovationen, freiem Unternehmergeist und Wettbewerb weiter bringt als mit Subventionen und Regulierungswut. Unser Land braucht Daniel Düsentriebe, keine staatlich verordneten Einschränkungen.

 

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Bandlast-Kraftwerke bleiben wichtig

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Der  Strombedarf wird zunehmen, und er wird ausgeglichener sein als bisher. Es leuchtet deshalb nicht ein, weshalb man auf  zuverlässige Bandlast-Kraftwerke verzichten will.

Gastkommentar von Markus Häring in der NZZ vom 30.3.2016

Wind- und Solarstrom sind auf dem Wachstumspfad. Wo sie genügend subventioniert sind, stellen sie bereits einen substanziellen Anteil der Stromversorgung. Ideologen einer vollständig auf Sonne und Wind basierten Energiezukunft streiten sogar die Notwendigkeit von Bandlast-Kraftwerken ab. In Zukunft könne das Stromnetz alleine mit erneuerbaren Quellen stabil gehalten werden: Wind und Sonne lieferten, wenn es gehe; die Tages- und saisonalen Lücken würden mit Strom aus Speicherseen und Batterien ausgeglichen. Allfällige Versorgungslücken würden mit einer intelligenten Steuerung des Bedarfs vermieden – und überhaupt werde durch Effizienzsteigerung der Strombedarf gar nicht weiter zunehmen. Die Entwicklung aber läuft anders: Erstens haben rund zwei Milliarden Menschen auf dieser Erde bis heute keinen Zugang zu einem Stromnetz – und wie viele an einem unzuverlässigen Netz hängen, weiss niemand. Aber alle möchten gerne unseren Wohlstand erreichen. Wohlstandswachstum ist nur mit einem höheren Energieverbrauch zu erreichen. Zusammen mit dem Bevölkerungswachstum wird sich der Energiebedarf der Welt bis Ende des Jahrhunderts also verdoppeln.

Dieser Bedarf wird mit grosser Sicherheit mit den billigsten verfügbaren Ressourcen gedeckt. Deutschland zeigt vor, welches die billigste Ressource dort ist: Braunkohle. Die missratene deutsche Energiewende ist der lebhafte Beweis, dass sich auch mit Planwirtschaft der Markt nicht ausschalten lässt. Sonne und Wind werden weltweit einen wichtigen Beitrag leisten, aber keinen dominierenden. Bandlast-Kraftwerke werden auch in Zukunft das Rückgrat jedes zuverlässigen Stromnetzes bleiben. Nicht einmal Deutschland wird sich auf die Dauer eine Energieversorgung mit parallelen Systemen, die sich wechselseitig ablösen, leisten können. Irgendwie wird übersehen, dass wir in der Schweiz eine beinahe ideal ausgewogene Stromversorgung haben. Da wären zunächst die Laufwasser- und Kernkraftwerke, die zuverlässig Bandlast liefern, und dann die Speicherkraftwerke, welche die Bedarfsspitzen decken (und nicht etwa Versorgungslücken). Durch den Ausstieg aus der Kernenergie wird dieses System auf unverantwortliche Weise aus dem Gleichgewicht gebracht und die Versorgungssicherheit der Zukunft fahrlässig infrage gestellt. Abgesehen davon ist es vermutlich das CO2-ärmste Stromnetz, das möglich ist. Schon aufgrund der ehrgeizigen Klimaziele des Bundes ist der Drang nach einem Umbau unverständlich. Intelligente Steuerungen werden den Bedarf in den Haushalten etwas glätten können. Auch technische Entwicklungen und Effizienzsteigerungen gehen in Richtung eines ausgeglicheneren Bedarfs. Das spricht aber für mehr Bandlast-Kapazität, nicht etwa für weniger.

Eine Elektrifizierung der Mobilität wird stattfinden. Das Laden von Fahrzeugbatterien wird auch in Zukunft deutlich länger dauern als das Füllen eines Benzintanks. Geladen werden die Fahrzeuge deshalb in Stillstandszeiten, das ist vornehmlich nachts. Da entsteht ein ganz neuer Bedarf an Nachtstrom. Ein gleichfalls zunehmender Strombedarf ist bei den Wärmepumpen zu orten. Dieser wird sich auf die kalten Jahreszeiten konzentrieren, hingegen keine grossen Tagesspitzen generieren. Im Sommer werden dafür Kühlsysteme mehr Strom benötigen (dies allerdings mit Tagesspitzen, die mit Solarstrom einigermassen synchron laufen). Und schliesslich wäre da noch die vierte industrielle Revolution: Wenn wir in diesem Land noch eine produzierende Industrie erhalten wollen, muss sie aus Effizienzgründen immer mehr automatisiert werden. Roboter haben keinen Achtstundentag, sie werden rund um die Uhr laufen. Dasselbe gilt für sämtliche IT-Systeme, die rund um die Uhr Strom benötigen. Der Strombedarf wird also eher zu- als abnehmen. Und der Bedarf wird wahrscheinlich ausgeglichener sein als bisher. Es leuchtet deshalb überhaupt nicht ein, weshalb man mit solchen Perspektiven auf zuverlässige Bandlast-Kraftwerke verzichten will.

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Ökonom in Havanna

Die westliche Welt erwartet mit Spannung 
die Öffnung von Fidel Castros karibischem Inselstaat. Ein Besuch 
jedoch stimmt skeptisch.
(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 12/16 vom 24. März 2016, S. 22, publiziert.)

Lohnpolizei gegen vermeintliche Diskri­minierung der Frauen oder 2000-Watt-Gesellschaft: Die Schweiz kultiviert ihre Luxusprobleme. Um diesen für ein paar Wochen zu enteilen, reist dieser Kolumnist regelmässig in ferne Gebiete dieser Welt, die existenziellere Probleme haben.

Trotz Präferenzen für Lateinamerika blieb Kuba bei diesen Reisen aus politischen Gründen bislang immer links liegen. Doch der sich abzeichnende Übergang in Richtung wirtschaftlicher und politischer Öffnung schien Grund genug, um neben den landschaftlichen und kulturellen Reizen den politökonomischen Wandel mitzuerleben. Und er findet – wenn auch nur sehr zögerlich – mit positiven und negativen Vorzeichen statt.
Scheinparadies
Die Wende beim Tourismus zu beginnen, ist von vornherein gefährlich, weil durch die Flut von Besuchern die Infrastruktur überlastet wird. Mehr noch: Die Einheimischen werden verunsichert. Es entsteht eine Zweiteilung der Gesellschaft: eine sozialromantisch verklärte Scheinwelt für die Touristen und eine Gefangenschaft der meisten Kubaner im sozialistischen Scheinparadies mit staatlicher Bevormundung und Rationierung der Nahrungsmittel.
Havanna ist ein lebendiges architektonisches Museum. Wie im Osten Europas hat der wachstumslose Sozialismus vor allem die Zerstörung historischer Bauten verhindert, allerdings um den hohen Preis einer kriegsähnlichen Verwüstung durch Verwahrlosung. In der Altstadt sieht man die neueren Rettungsanstrengungen, doch insgesamt ­dominieren Ruinen das Bild. Die Aussicht von der Terrasse eines privaten Luxusrestaurants lässt eher an Aleppo denken als an eine karibische Hauptstadt. Ökonomisch und ökologisch ist Kuba deutlich rückständiger und gelähmter als die meisten anderen lateinamerikanischen Länder.
Ein Besuch in der Zigarrenfabrik, die für weltbekannte Marken produziert, zeigt erschreckend, wie hier wie vor mehr als hundert Jahren sklavenähnlich gearbeitet wird. Die Monatslöhne liegen bei etwa sechzig Schweizer Franken. Männer und Frauen krampfen gleichberechtigt unter härtesten Akkord- und Aufsichtszwängen. Kein Wunder, dass Fotografieren verboten ist. Und das alles nach der Überwindung des Kapitalismus vor mehr als fünfzig Jahren!
Die Touristen ärgern sich höchstens über das Schlangestehen vor Bankschaltern, um ihr westliches Geld in eine inkonvertible Parallel-Lokalwährung zu wechseln, die ihnen – wie auch wohlhabenden Kubanern – freie Konsumwahl eröffnet. Seit Moskau in den achtziger Jahren habe ich so etwas nicht mehr gesehen.
Und dann die Verschmutzung der Luft durch Raffinerien und Autos, die wirklich zum Himmel stinken. Dieses schöne Land benötigt endlich echtes Wirtschaftswachstum mit einem grösseren menschlichen, aber kleineren politischen Fussabdruck. Kuba braucht dringend technische Innovationen (angefangen mit dem Internet) und mehr allgemeinen Handlungsspielraum für die Bevölkerung. Bereits heute werden die wenigen Freiräume, die der kleinlich überwachende kubanische Staat den Menschen überlässt, kreativ und aktiv genutzt. Aber diese sind noch zu sehr auf Nischen wie Restaurants oder Kleinhandwerk beschränkt.
Für eine Reform braucht es mehr
Um diese einzigartige Insel zu retten, braucht es internationale Investitionen, aber für diese wiederum braucht es eine echte liberale Revolution. Die Menschen hier spüren das, auch wenn sie einem vordergründig mit Stolz das Museum von Che Guevara und die «Gratis­ausbildung» vorführen. Kuba ist nicht ­Nordkorea, aber es bleibt ein abschreckendes Beispiel für gescheiterte sozialistische Ex­perimente. Und es gibt, anders als in der DDR, kein Westkuba, das Hunderte von Milliarden als Geschenk überweist. Die Amerikaner ­werden diese Rolle sicher nicht übernehmen, und das kubanische Regime wird ebenso sicher nicht freiwillig seine Macht abgeben. Für eine Reform braucht es wesentlich mehr als naive Papstbesuche und exotischen Massentourismus.

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Macht die EU der Energiewende ein Ende?

Der grüne Alptraum scheint zu platzen

Gastbeitrag von Fred F. Mueller

Die gerade in den letzten Tagen von den deutschen Medien sowie „Kulturschaffenden“ wie Doris Dorrie wieder aufgewärmten Horrorgeschichten und geschickten Lügen im Zusammenhang mit dem Tsunami in Japan, der einen Gau in mehreren Kraftwerksblöcken verursachte, scheinen inzwischen nicht mehr so zu wirken wie früher. Für Mycle Schneider, den hochdekorierten Veteranen der Anti-Kernkraft-Fronde, könnten sich ebenso wie für zahlreiche andere Mitstreiter aus dem grünroten Lager bittere Zeiten abzeichnen. Während Deutschland unter Führung einer ebenso bekannten wie beliebten höheren Pfarrerstochter weiter eisern an der Vernichtung der eigenen industriellen Infrastruktur werkelt, scheinen manche Politiker in Brüssel inzwischen erkannt zu haben, dass der aktuelle Anti-Kernkraft-Kurs ins Desaster führt.

Feuer Windmühle

Ist bei der Windenergie bereits Feuer unter dem Dach?

Einem Artikel im Handelsblatt vom 14.3.2016 zufolge [HAND] scheint man nämlich im Rahmen der EU-Kommission an Planungen zu arbeiten, die – so die Meldung zutrifft – eine Neuausrichtung der Energielandschaft Europas zur Folge haben dürften. Einem der Redaktion zugespielten Dokument zufolge vertritt man in dem Gremien die Ansicht, dass Europa angesichts eines wachsenden Stromverbrauchs in Zukunft nicht ohne Nuklearenergie auskommen werde. Angesichts der begrenzten Lebensdauer der bestehenden Kernkraft-Kapazitäten sollten Europas Energieversorger daher massiv in deren Erneuerung investieren. Bis zum Jahr 2050 seien hierfür Investitionen in Höhe von 450 bis 500 Milliarden € erforderlich. Da die Kernenergie international auf dem Vormarsch ist, müsse die EU angesichts der Entwicklung in China und Indien alles tun, um ihre Technologieführerschaft im Nuklearbereich zu erhalten.

Neuorientierung durch Leidensdruck?

Mit dieser Stellungnahme zeichnet sich ab, dass es innerhalb der EU zu einem erheblichen Dissens über den künftigen Kurs in der Energiepolitik kommen könnte. Entschieden ist natürlich nichts, aber die Auseinandersetzungen könnten merklich an Schärfe zunehmen. Viele europäische Staaten werden vermutlich die Option nutzen, ihre laut der Handelsblatt-Meldung aktuell 131 derzeit noch am Netz befindlichen Anlagen durch Ertüchtigung länger in Betrieb zu halten. Deutschland wird dagegen aller Voraussicht nach die bisher noch laufenden Anlagen wie geplant bis 2022 abschalten. Die Zahl der seit 2011 vorzeitig stillgelegten Kernkraftwerke liegt dann bei 17. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm: Für die Errichtung von Ersatzkraftwerken wäre bei angenommenen 8 Mrd. € Stückkosten ein Kapitalbedarf in einer Größenordnung von 135 Mrd. € zu veranschlagen.

Leave it in the air…

Interessant ist die Reaktion der Finanzmärkte. Bisher war viel von der Ausbreitung „grüner“ Fonds die Rede, welche die ungeheuren Kapitalbeträge bereitstellen sollen, die zur weiteren Errichtung von Wind- und Solargeneratoren erforderlich wären. Dennoch mussten wichtige Fonds wie der iShares Total return Global Clean Energy ETF innerhalb des letzten Jahres teils deutliche Rückgänge hinnehmen. Im von den Finanzmärkten lange vernachlässigten Bereich der Nukleartechnologie zeichnen sich dagegen konträre Bewegungen ab. Dies scheint darauf hinzuweisen, dass sich große Kapitalströme neu in Richtung Uranbergbau orientieren. Dabei sind gegenläufige Trends zu erkennen: Aufgrund der aktuellen Überversorgung der Märkte mit Uranbrennstoff (U3O8) ist dessen Preis in den letzten Wochen erheblich gefallen. Dazu dürfte nicht zuletzt der Beschluss eines japanischen Gerichts beigetragen haben, das die erneute Stilllegung von zwei gerade wieder angefahrenen Reaktoren verordnet hat.

…and take it from the ground?

Auf der anderen Seite zeichnet sich jedoch aufgrund des massiven Ausbaus der Kernkraft in Russland, China und Indien auf längere Sicht eine erhebliche Unterversorgung des Marktes ab. Als Folge hiervon – und möglicherweise auch beflügelt von den Meldungen aus Brüssel – sind die Aktienkurse von Uranminen geradezu explodiert. Allein am Donnerstag, den 17.3. schoss der Solactive Global Uranium Performance Index um 6 % nach oben. Manche vielversprechende Minentitel aus dem sogenannten Juniorenbereich zogen innerhalb weniger Tage um mittlere zweistellige Prozentbeträge an. Bei manchen kapitalstarken Investoren scheint die Bereitschaft zu wachsen, mit großen Beträgen wieder auf diesen Markt zurückkehren. Man sollte ein Auge hierauf haben.

Wann kommt die grüne Kernspaltung?

Die sich hier abzeichnende Entwicklung dürfte interessante Auswirkungen auf die „grüne Weltbewegung“ haben. Nach den Ergebnissen der COP 21-Konfernez in Paris wähnt sich diese kurz vor ihrem endgültigen Sieg über alle Gegner und „Skeptiker“. Die Grünen vergessen hierbei jedoch, dass jede Sumpfblüte gerade dann am intensivsten stinkt, wenn ihr Verwelken unmittelbar bevorsteht. Dies könnte auf die aktuelle Situation bei der grünen Bewegung übertragbar sein: Es steht zu erwarten, dass diese angesichts der von ihr selbst angestoßenen Anti-CO2-Kampagne an der Realität zerschellen wird, weil sich Kernkraft und fossile Brennstoffe nicht gleichzeitig abschaffen lassen. Die dann eintretende „Kernspaltung“ wird voraussichtlich drei unterschiedliche Teilchen hervorbringen: #1 Eine Minderheit fanatischer Kernkraftgegner, die man ganz kühl aus dem Weg räumen wird (zumindest auf internationaler Ebene), weil sie die Zivilisation behindert. # 2 Eine Mehrheitsfraktion, die gerne weiter das große Geld machen will und sich „CO2-Freiheit und Klimarettung dank Kernkraft“ auf die Fahnen schreiben wird, und #3 die relativ kleine Minderheit derjenigen, denen es tatsächlich um den Naturschutz gegangen ist.

Fraktion #2 wird allerdings feststellen, dass sie in einer Welt landet, in der die ganz großen Jungs den ganz großen Reibach machen wollen und keinen Bedarf an Trittbrettfahrern haben. Und Länder wie Deutschland, die ihre Kernkraft sowie ihre energetische Infrastruktur ohne Not in die Tonne getreten haben, werden sich vermutlich am Katzentisch wiederfinden und per Münzwurf entscheiden dürfen, ob sie Kernkraftstrom lieber im Westen oder im Osten kaufen sollten.

Quellen

[HAND] http://www.handelsblatt.com/politik/international/500-milliarden-fuer-alternde-reaktoren-eu-fordert-massive-investitionen-in-atomkraft/13320036.html

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von | 21. März 2016 · 9:36

Von Obama lernen

In der Energiestrategie des Bundesrates wird die Atomkraft abgeschrieben. Zu Unrecht: Sie ist sauberer als die fälschlicherweise als «erneuerbar» angepriesenen Alternativen.
(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 11/16 vom 17. März 2016, S. 22, publiziert.)

Erneuerbar und sauber soll die Energie der Zukunft sein. Strom aus Sonne, Wind und Wasser erfüllt zumindest auf den ersten Blick diese Anforderungen. Diese strahlen, wehen oder fallen einfach vom Himmel, ohne eine Rechnung zu stellen. Demgegenüber buddeln wir Kohle, Uran, Erdöl oder Erdgas als absolut ­begrenzte Ressourcen aus dem Boden. Schwieriger einzuordnen sind Biomasse und Geothermie, weil auch sie begrenzte Landressourcen beanspruchen oder nicht erneuerbare Wärmespeicher anzapfen.

Wenn wir «sauber» als «CO2-frei» definieren, dann ist die Cleantech-Rangliste klar: Bei Kernenergie und Wasserkraft beträgt der CO2-Ausstoss ­etwa 6 Gramm pro Kilowattstunde, bei Windkraft sind es 17 Gramm, bei Sonnenenergie schon 62 Gramm, bei anderen Energieträgern wie Erdgas 430 Gramm, bei Erdöl 800 Gramm und bei Kohle mit 910 Gramm fast ein Kilo. China rechnet daher die Nuklearproduktion konsequent der Cleantech zu. Aber auch Obama sieht das neuerdings so. Wenn also die USA von Kohle auf Gas umsteigen, dann können sie ohne Verzicht auf fossile Energie die Emissionen dramatisch senken. Dasselbe gilt natürlich auch für China, wo vor allem in neue Nuklearreaktoren investiert wird. Zudem springt ins Auge, dass die Schweizer Stromversorgung bereits auf dem absoluten CO2-Minimum angelangt ist, so dass jegliche Änderung im Mix eine Verschlechterung mit sich bringt. Doch jetzt zum Gegensatz von «erneuerbar» und «nicht erneuerbar»: Bei näherer Betrachtung ist diese Dichotomie falsch. Erstens kann Energie physikalisch weder «produziert» noch «konsumiert», sondern nur umgewandelt werden. Sonne, Wind und Regen ermöglichen die natürliche Fotosynthese und erzeugen so Biomasse, die wir in Wärme umwandeln oder Nutztieren verfüttern.

Zivilisatorischer Rückschritt

Aber wer aus Wasser, Wind oder Sonne Strom gewinnen will, muss leider dafür sehr viele Ressourcen einsetzen. Die entsprechenden Rechnungen kommen dann nicht vom Himmel, sondern rühren von den Staudämmen, den Generatoren, den Solarzellen, Windturbinen, Batterien, Netzinvestitionen und so weiter her. Ob wir einen Atom-Kühlturm bauen oder reihenweise 150 Meter hohe Windturbinen, kommt aufs Gleiche heraus: Wir brauchen nicht erneuerbare Ressourcen wie Sand, Zement, Stahl, Metalle, seltene Erden und so weiter. Dabei spielt die Energiedichte eine entscheidende Rolle. Aus einem Kilogramm Uran (ein Würfel von 3,74 Zentimeter Kantenlänge) gewinnt man gleich viel Strom wie aus Abermillionen von Litern Wasser, beispielsweise beim Grande-Dixence-Staudamm – ein statt­licher, wenngleich CO2-freier Fussabdruck. ­Fotovoltaik und Windkraft beanspruchen gerade in der wind- und sonnenarmen Schweiz viel Platz, der uns jetzt schon fehlt. Die für 2050 in der Schweiz geplanten 4,26 Terawattstunden aus Windstrom würden eine Kette von Windmühlen vom Bodensee bis zum Genfersee und retour bedingen, die geplanten gut 14 Terawattstunden aus Solarenergie eine Panelfläche von 10 000 bis 20 000 Fussballfeldern.

Historisch hatte der Übergang von Biomasse, insbesondere von Holz, zu fossilen und nuklearen Energieträgern eine enorme Einsparung des Landverbrauchs zugunsten der Nahrungsmittelproduktion zur Folge. Eine Rückkehr zu Biomasse als Energieträger durch Anbau von Monokulturen wäre ein ökonomischer, ökologischer und zivilisatorischer Rückschritt. Oder betrachten wir die Batteriespeicherung im Gigawatt-Bereich. Im Gegensatz zur Wasserspeicherung benötigen wir dafür Unmengen von nicht erneuerbarem Lithium. Sofort sagen die Energiewender, davon habe es genug auf dieser Erde. Das gilt aber auch für Uran oder Thorium, Gas, Öl und vor allem Kohle. Entscheidend sind aus ökonomischer Sicht nicht die momentan bekannten Reserven und jährlichen Verbrauchsmengen, sondern die Preise dieser Ressourcen.

Alle Stimmen, die ein Ende dieser oder jener Ressource prophezeien – sogenannte Peak-Vorhersagen – übersehen die Rolle des Preises und des technischen Fortschritts. Wenn ein allfälliger Peak sich am Horizont abzeichnet, investieren die (profitgierigen) Rohstoff- und Energiefirmen in Exploration und Innovation. Über die letzten 150 Jahre hinweg sind die Preise für fossile Energieträger, Metalle, Mineralien und Nahrung tendenziell konstant geblieben oder gesunken. Nicht Erneuerbare mögen physikalisch absolut limitiert sein, aber ökonomisch ist das weitestgehend irrelevant, weil steigende Preise und menschlicher Erfindergeist früh genug Alternativen bereitstellen.

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Eingeordnet unter Energie, Politikversagen, Umweltpolitik

Einspruch: Kernkraft – sicher und schonend

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Eingeordnet unter Energie, Umweltpolitik

Windenergie: Unreif für die Insel

Millionengrab El Hierro

Gastbeitrag von Fred F. Mueller

Am Montag, dem 23. November 2015 zeigte Arte zur besten Sendezeit um 19.30 einen mit wunderschönen Kameraeinstellungen auf der Kanareninsel El Hierro aufgenommenen Dokumentarfilm über das dort realisierte Projekt einer autarken „grünen“ Energieversorgung für die kleine Insel mit ihren etwa 7.000 Einwohnern unter dem reißerischen Titel „Inseln der Zukunft – Visionäre am Ende der Welt“. Im Begleittext des Arte TV-Guide ist zu lesen, dass es dort gelungen sei, eine komplett autarke ökologische Stromerzeugung zu installieren, die auch dem Erhalt des Naturparadieses für die Zukunft dienen könne. Auch zahlreiche andere Medien verfielen bei diesem Thema geradezu ins Schwärmen. Ein nach anderthalb Betriebsjahren durchgeführter Faktencheck löst allerdings Ernüchterung aus.

Laden Sie hier den gesamten Beitrag herunter (PDF).

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von | 13. März 2016 · 17:13

Der 97 Prozent Betrug

Fraud

John Cook, Doktorand in kognitiver Psychologie, hat 2013 eine Analyse wissenschaftlicher ­Publikationen zum Klimawandel gemacht und seine Schlussfolgerungen in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters publiziert. Seine Kernaussage, dass 97 Prozent der Wissenschaftler einig seien, der Klimawandel sei menschen­gemacht, hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Es wird bis heute von Politikern als Beweis des ­wissenschaftlichen Konsenses aufgetischt. ­Unterdessen wurde die Studie wiederholt als falsch entlarvt. Cook hatte nämlich sämtliche Arbeiten, die den anthropogenen Anteil an CO2 erwähnten, als Zustimmung zum menschen­gemachten Klimawandel gewertet. Obwohl die Publikation von Cook nachweislicher Unsinn ist und nicht den simpelsten Regeln einer seriösen Erhebung standhält, wird sie bis heute von ­Klima-Alarmisten immer wieder zitiert.

Gemäss der Definition von Cook gehöre ich auch zu den 97 Prozent. Ich anerkenne nämlich, dass sich das Klima erwärmt. Und ich sehe auch, dass die Menschheit Kohlendioxid in noch nie da gewesenen Mengen in die Luft bläst. Und ich ­anerkenne, dass dieses Gas die Eigenschaft hat, bestimmte Wellenlängen der Wärmestrahlung zu absorbieren. Und deshalb vermute ich, dass das menschengemachte CO2 einen Beitrag an die bereits natürlich stattfindende Klimaerwärmung leistet. Das ergibt dann leicht 97 Prozent. Aber das ist kein Konsens über eine menschengemachte Katastrophe. Solch perfid konstruierte Dogmen verunmöglichen eine sachliche Diskussion.

Kollektive Dämonisierung

Sie fokussieren alleine auf den Bösewicht CO2 und leiten die ganze Energiepolitik fehl. Es gibt tatsächlich dringende Gründe, den Gebrauch ­fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Russ, Schwefel und Stickoxide ersticken ganze Städte Asiens im Smog. Gemäss Washington Post sterben alleine in China jährlich 1,6 Millionen Menschen frühzeitig an Folgen der Luftverschmutzung. Die europäischen Industriestädte kannten das Problem im letzten Jahrhundert, als Kohle noch die Grundlage der Energieversorgung war. Die Ablösung durch Öl und Gas hat die notwendige Erleichterung gebracht. Gegenwärtig sind die USA das einzige Land, das seine CO2-Emissionen senkt, weil es seine Stromproduktion von Kohle auf Schiefergas umstellt.

Die kollektive Dämonisierung von CO2 ist nachvollziehbar, wenn man erkennt, dass ­unterschiedlichste Zielgruppen daraus einen ­Nutzen ziehen: die Gasproduzenten, wie das ­Beispiel der USA zeigt, die Kernkraftbefürworter, die für CO2-armen Atomstrom werben, und ­selbstverständlich alle Subventionsbezüger für Solar-, Windkraft- und seit Jüngstem auch ­Wasserkraftanlagen.

Dass die Ozeane 50-mal mehr CO2 ­enthalten als die Atmosphäre und es dort wie auch an Land ein wichtiger Bestandteil der ­Nahrungskette ist und die komplexen ­Wechselwirkungen noch lange nicht alle ­verstanden sind, scheint nicht zu ­kümmern.

Dass die Erkenntnisse eines übereifrigen ­Doktoranden in der Politik mehr Gewicht erhalten als wissenschaftlich relevante Fakten, macht ­deutlich, dass hinter all den Forderungen gar nicht die Sorge um die Natur, sondern knallharte Partikularinteressen stehen. Wenn es um die Natur ginge, müssten wir uns wirklich dringenden globalen Herausforderungen stellen, wie ­Ressourcenverbrauch, Gewässerverschmutzung, die bereits erwähnte Luftverschmutzung, ­Abfallentsorgung, Überfischung und so weiter. Aber das ist alles viel schwieriger, als vor einer möglichen Klimakatastrophe zu warnen. Zur Meinungs­mache lassen sich immer unsinnige Studien finden.

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Lithium-Akkus wegen Feuergefahr verboten

Gefahren der E-Mobilität
Gastbeitrag von Fred F. Mueller

 

Luftverkehr: Lithium-Akkus wegen Feuergefahr verboten

gepaeckZurzeit tobt die Schlacht der deutschen Regierung gegen die Vernunft mal wieder besonders heftig. Mit aller Gewalt und mit der Brechstange will Madame Raute die untaugliche Elektromobilität gegen alle Gesetze des Marktes und die realen Bedürfnisse der Bevölkerung durchsetzen. Die Autokonzerne sollen gezwungen werden, Milliarden an Entwicklungskosten in Projekte zu investieren, die von vornherein sinnlos sind. Dabei ist das Urteil über die dabei favorisierte Lithium-Ionenen-Akkutechnologie längst gefällt: Die Luftfahrtbranche verbietet ab April die Mitnahme aller Geräte mit solchen Batterien im aufgegebenen Fluggepäck.

Egal ob Smartphone, Laptop oder auch Kamera: Einer Mitteilung des Online-Nachrichtendienstes Bluewin.ch zufolge dürfen aufgegebene Gepäckstücke ab dem 1. April keine Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus mehr enthalten. Urheber der Direktive ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), eine UN-Behörde. Da ein Großteil aller modernen elektronischen Geräte von Lithium-Ionen-Batterien angetrieben wird, kommt dies einem de facto-Verbot von z.B. Smartphones, Laptops etc. im Fluggepäck gleich.

Viele Fluggesellschaften untersagten schon bisher die Mitnahme von Lithium-Ionen-Batterien im aufgegebenen Gepäck. Nur im Handgepäck dürfen handelsübliche Batterien noch mitgeführt werden. Das Verbot ist zunächst bis 2018 wirksam. Lediglich in reinen Frachtmaschinen dürfen die Batterien unter Auflagen weiterhin transportiert werden. Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist die Entscheidung für die ICAO-Mitgliedstaaten, zu denen fast alle Länder der Welt gehören, verbindlich.

Grund für die Entscheidung ist die von den Akkus ausgehende Feuergefahr. Da Lithium-Ionen-Batterien viel Energie auf engsten Raum speichern, kann es „bei einem Kurzschluss im Extremfall zu einem thermischen Durchgehen mit anschließendem Feuer kommen“. Im Frachtraum eines Fliegers könnte so schnell ein unkontrollierbarer Brand entstehen. Besondere Sorge machen in diesem Zusammenhang auch die so genannten „Hoverboards“, von denen zahlreiche in Brand geraten sind, weshalb ihre Mitnahme von vielen Airlines untersagt wurde. In Flammen geratene Batterien werden bereits für mindestens einen Absturz verantwortlich gemacht: UPS-Airlines-Flug 6 war ein Frachtflug mit einer Boeing 747-400, der am 3. September 2010 auf dem Weg vom Dubai International Airport nach Köln-Bonn in der Nähe des Flughafens Dubai abstürzte, wobei die zwei Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Als primäre Absturzursache wurde schließlich ein massives Feuer in dem Bereich des Laderaums festgestellt, in dem sich die Lithium-Batterien befanden.

Aber auch manche Autos wie die von Tesla haben eine unrühmliche Feuerchronik aufzuweisen. So wurde am 4. Januar 2016 gemeldet, dass sich ein Tesla Modell S an einer norwegischen Supercharger-Station mit einer spektakulären Flammenshow in eine Rauchsäule verwandelte. Die Ursache konnte nicht ermittelt werden. Die Feuerwehr konnte nämlich den Brand wegen der von den Batterien ausgehenden Gefahr nicht löschen, sondern musste sich darauf beschränken, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Weiteres Beispiel für die Feuergefährlichkeit von Lithium-Akkumulatoren ist der kürzliche Brand in der Altstadt von Steckborn am Bodensee. Dort brannten wegen eines durchgegangenen Akkus gleich sechs Häuser aus, 30 Menschen wurden obdachlos.

Quellen

https://www.bluewin.ch/de/digital/redaktion/2016/16-02/smartphones-und-laptops-werden-im-fluggepaeck-verboten.html

https://de.wikipedia.org/wiki/UPS-Airlines-Flug_6

http://blog.caranddriver.com/tesla-model-s-catches-fire-at-supercharger-station-in-norway/

 

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von | 6. März 2016 · 23:38

Verfänglicher Mehrzweck-Tunnel

Borner abgeschnNoch vor der Abstimmung über die zweite ­Gotthard-Röhre wird schon das nächste Bohrprojekt lanciert: Auch Strom soll durch die Furka fliessen!
«Cui bono?», fragt der Ökonom.

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 08/16 vom 25. Februar 2016, S. 22, publiziert.)

Die Schweizer Alpen verstellen uns manchmal den Blick hinaus in die grosse, weite Welt. Doch sie bringen sicher sicheres Tunnelglück, für die Tunnelbauer zumindest, aber auch für die mit Tunneln gesegneten Bergregionen. So haben wir neben dem Guinnessbuch-würdigen Gotthard-Basistunnel auch noch eine Röhre durch den Lötschberg ins Wallis gebohrt, was zumindest Bundesrat Ogi aus Kandersteg und die Walliser beglückt hat. Auch der Furkatunnel ist ein von Bundesrat Bonvin lanciertes regionalpolitisches Geschenk geblieben, was aber auch sein einziger Zweck war.

Mit dem Abschluss des Gotthard-Basistunnels und mit Blick auf die abstimmungspoli­tischen Risiken der zweiten Gotthard-Röhre wartete man gespannt auf neue Tunnelglücks­ideen. Und wurde nicht enttäuscht. So wurde kürzlich eine unterirdische Rohrpost für schwere Gütertransporte vorgestellt, was vorerst einmal vielversprechend klingt, aber leider wohl bald auch nach Subventionen stöhnt. Aber wenn schon ein Tunnel unter der Furka, dann kann auch die image_s8Grimsel sich nicht mehr weiter hinter einer Burka verstecken. Und früher oder später wird man auch noch am Susten anfangen, kräftig durchzupusten.

Also all die alpinen Benachteiligungen ­müssen durchbrochen und die Alpen deshalb überall durchstochen werden. Aber jetzt geht es nicht mehr nur um grosszügig geschätzte Personenquerungen von einer halben Million pro Jahr zwischen Innertkirchen und dem Wallis, sondern um Strom-Durchlass als Ablass für die Sünden der Energiewende. So kann man die Walliser Alpen statt mit Zweitwohnungen jetzt mit Windrädern und Solarparks vollstopfen und den Strom quasi per Bahn ins Mittelland leiten.

Der naive Ökonom fragt sich nur, weshalb bei all den neuen Tunnels am Gotthard oder am Lötschberg diese Stromkabel nicht einfach automatisch mit eingebaut worden sind. Es musste dafür technische und/oder finanzielle Gründe gegeben haben. Zudem führt über den Gemmipass, den man ja auch noch untertunneln könnte, bereits eine ausbaufähige Hochspannungsleitung. Deshalb die simple Frage: Soll der neue Grimseltunnel jetzt dem Personenverkehr oder dem Stromtransport dienen? Oberflächlich betrachtet, würde man denken, dass er beiden Zielen dienen sollte. Verschiedene Ziele intelligent zu kombinieren, ist doch vernünftig, nicht wahr?

Aber wie jeder private Konsument aus harter Erfahrung gelernt hat (hoffentlich), sind Multipacks immer nachteilig, weil man besser fahren würde, jedes einzelne Bedürfnis separat zu ­befriedigen, als im Multipack Sachen mitzuerwerben, die man eigentlich gar nicht braucht. Aber Bahnverkehr wie Netz-Dienstleistungen für Strom sind halt entweder subventioniert oder operieren in geschützten Monopolen. Also wenn der Personentransport durch den ­Grimseltunnel nicht rentiert, was eigentlich von vornherein klar ist, dann werden die Defizite irgendwie staatlich gedeckt. Und die Netz­gesellschaft Swissgrid überwälzt einfach alle Fehlinvestitionen der Energiewende auf die Endverbraucher. Schon heute betragen die nackten Produktionskosten in unserer Stromrechnung weniger als vierzig Prozent – Tendenz klar sinkend. Wir sind ja in entsprechenden Monopolen – wie es scheint – auf ewige Zeiten gefangen. Und gegen steigende Netzkosten wegen unnötiger Reserve- und Speicherkapazitäten sowie Subventionen für unrentable Wind- und Solaranlagen sind wir als Kunden machtlos. Der Tunnelblick ist nicht gut, aber das Tunnelglück ist definitiv und deutlich schlechter: ein Multipack mit lauter «bads».

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Energiestrategie 2050: Auf dem Weg in die Planwirtschaft – aber so oder so schon jetzt gescheitert

Lesen Sie die ausgezeichnete Zusammenfassung und Beurteilung des Stands der Energiepolitik von Peter Morf in der FuW (Klick auf Bild):

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Ergänzende Bemerkung CCN Blog
Aus dem Kommentar von Peter Morf geht hervor, dass das erste Massnahmenpaket aus Fördermassnahmen (KEV, Gebäudeprogramm), Verboten und Geboten die Ziele der Energie”strategie” 2050 bestenfalls zur Hälfte erreichen könnte – dies wird selbst von offizieller Stelle eingeräumt. Das zweite Massnahmenpaket mit geradezu exorbitanten Lenkungsabgaben ist kaum tragbar und wird deshalb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im demokratischen Prozess endgültig „versenkt“ werden.
Daraus kann nur der Schluss gezogen werden, dass bereits aus heutiger Sicht die Energie”strategie” 2050 bzw. die gesamte Energiepolitik des Bundesrats gescheitert ist.
Je später das Parlament (oder das Volk) dieser Politik ein Ende bereitet, desto grösser wird die Summe an fehlgeleiteten Investitionen sein. Leider scheinen das noch zu wenige Parlamentarier begriffen zu haben.

 

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Hinterzimmer des Öko-Klüngels

Borner abgeschnEin demokratisch nicht legitimiertes Gremium aus NGOs und Beamten formuliert die Grundzüge der wohlstandsfeindlichen Nachhaltigkeitsstrategie des Bundesrates.

(Dieser Beitrag erschien zuerst als Kolumne in der Weltwoche vom 18. Februar 2016, Seite 20.)

Mit seiner Strategie für eine nachhaltige Entwicklung will der Bundesrat die Schwerpunkte für die Legislaturperiode 2016/2017 setzen. Dabei sei seine Strategie als eine «regulative Idee» oder eine «übergeordnete Leitidee» zu verstehen. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann (FDP) hat in der für ihn typischen flexiblen Haltung nur noch von einer «Orientierungshilfe» gesprochen.

Inhaltlich orientiert sich diese Strategie an der Brundtland-Definition, gemäss der eine Entwicklung dann nachhaltig ist, wenn sie die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation befriedigt, ohne diejenigen der Zukunft zu gefährden. Das ist eine Leerformel, weil wir weder wissen können, welche Innovationen und wirtschaftlichen Entwicklungen sich durchsetzen, noch, was unsere Kinder oder Enkel für Bedürfnisse haben werden.

Dank Fortschritten in Wissenschaft und Technik und dem auch daraus resultierenden Wirtschaftswachstum konnte bislang fast jede Generation über mehr Wissen und höhere Einkommen verfügen als die vorhergehende. Wären die heutige Interpretation von Nachhaltigkeit und der Vorrang des Vorsichts- vor dem Fortschritts-
prinzip bereits früher praktiziert worden, wären wir alle eindeutig schlechter gefahren. Wachstum löst also mehr Probleme, als es schafft.

Koalition von Fortschrittsfeinden

Der Bundesrat sieht es offenbar anders. Konkret will er in der «Agenda 2030» die siebzehn Ziele der Uno als Leitlinien nehmen, obwohl kein vernünftiger Mensch dieses Wunschkonzert voller Illusionen und Widersprüche ernst nehmen kann. Ausser eben die Schweizer Regierung, die damit in den Strudel einer ökologistischen Planwirtschaft gerät, welche die individuelle und unternehmerische Freiheit und die marktwirtschaftliche Koordination über Bord wirft. Wie ist so etwas bei uns möglich?

Die Wurzeln der Strategie liegen in einem scheinbar wissenschaftlich geleiteten «Stakeholder-Dialog», bei dem die Interessen, Ziele und Perspektiven der wichtigsten Akteure ermittelt wurden. Vertreten waren primär Interessengruppen aus der Zivilgesellschaft und der öffentlichen Verwaltung. Für die Begleitstudie verantwortlich zeichnet der Fachbereich Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Basel. Die als extern bezeichneten Akteure sind: Alliance Sud, die Gesundheitsförderung Schweiz, die Konferenz kantonaler Energiedirektoren, der Schweizerische Gemeindeverband und Städteverband, die Stiftung «Education 21», die Stiftung Konsumentenschutz, Swisscleantech und WWF Schweiz. Aufgeführt sind auch Economiesuisse und Avenir Suisse, die sich aber zwischenzeitlich dezidiert distanziert haben.

Bundesintern wirkten massgeblich mit: die drei regulierungswütigen Bundesämter für ­Gesundheit, für Raumplanung, für Umwelt, die Bundeskanzlei und die Eidgenössische Finanzverwaltung, nicht aber das Seco. Das sind in der Tat «Stakeholder», aber primär für die Ausdehnung der staatlichen Interventionen und Subventionen.

Wie schon bei der Energiestrategie haben wir es hier mit einer Koalition aus dirigistischen Bürokraten, fortschrittsfeindlichen NGOs und Vertretern privater Sonderinteressen zu tun. Vertreter der Wirtschaft oder gar des Werkplatzes sucht man vergebens. Was dabei herauskommt, muss niemanden verwundern. Undemokratisch und daher völlig inakzeptabel ist die vorgeschlagene Umsetzung des «Stakeholder-Dialogs» im politischen Prozess. In einem pseudowissenschaftlichen Jargon der übelsten Sorte werden Empfehlungen formuliert, die letztlich allesamt diesem Stakeholder-Klüngel die politische Kontrolle über die Nachhaltigkeit übertragen sollen, um so das Parlament und seine Kommissionen auszuhebeln oder erst zum Zug kommen zu lassen, wenn die ­Weichen längst gestellt worden sind.

Ist mein Urteil zu hart? Hier eine Leseprobe: «Um den Mehrwert gegenüber anderen Bundesstrategien und -programmen zu erhöhen, können [. . .] die Diskussionen des Dialogs auf transversale Fragestellungen fokussiert werden. Das würde eine systematische, nicht sektorielle Herangehensweise bei der Klärung der Problem- und Ausgangslage sowie eine querschnittsorientierte Formulierung von Visionen und Zielen bedingen. [. . .] Die gesellschaftlichen Stakeholder stehen in der kritischen Rolle von Inputgebern und Advokaten, welche die Bundesvorlagen im Dialog untereinander prüfen und mit – wenn möglich gemeinsamen – Stellungnahmen kommentieren», weshalb die «dialogisch geführte Konsultation zu einem früheren Zeitpunkt als üblich angesetzt ist».

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Energie sparen, koste es was es wolle

Solarhaus

publiziert in der Basler Zeitung vom 12. 2. 16

Kürzlich war in Basel die Swissbau. Eindrücklich wurde diskutiert und gezeigt, wie das Haus der Zukunft aussehen soll. Es soll praktisch keine Energie mehr verbrauchen, oder noch besser sogar mehr produzieren als es verbraucht. Klingt gut. Man muss sich eigentlich fragen, weshalb man das nicht schon lange so macht. Schliesslich baut der Mensch Behausungen seit es ihn gibt. Die kurze Antwort: Weil es keinen Sinn machte. Für die lange Antwort müssen sie weiterlesen.

Das Blockhaus unserer Urahnen war zu hundert Prozent aus Holz, der Kamin aus Stein. Gefeuert wurde mit Holz. Der Energieverbrauch war mindestens zehnmal höher als bei einem Haus nach den neusten Bauvorschriften. Und trotzdem wies es eine einmalige Effizienz auf, die wir nie wieder erreichen werden. Es war vollständig erneuerbar und über alles hin erst noch vollständig CO2-neutral. Ein Ideal an Nachhaltigkeit.

Heute dämmen wir die Gebäudehülle soweit, dass kaum mehr Wärme verloren geht. Der spezifische Wärmebedarf des Hauses sinkt gegen Null. Energie gewinnen wir mit der Sonne, den Strom speichern wir in Batterien, die Wärme im Erdreich. Mit beidem versorgen wir das Haus im Winter. Die Stromspeichertechnik ist zwar noch nicht so weit. Als saisonalen Stromspeicher missbrauchen wir vorläufig noch das öffentliche Netz. Ohne staatlichen Eingriff rechnet sich das nicht.

Solange wir als Massstab der Effizienz nur die Energie bemessen, welche das Haus durch das Kamin und die Gebäudehülle verliert, oder diejenige welche das Solarpanel einsammelt, blenden wir eine ganze Reihe von Faktoren aus und denken die Sache nicht zu Ende.

Was in der Energiewende-Euphorie vergessen geht, ist die zunehmende Komplexität eines Gebäudes und der benötigten Infrastruktur. Solange wir unseren Fokus nur auf den Energieverbrauch des Hauses richten und meinen damit einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten, irren wir. Ein Fortschritt ist erst erreicht, wenn die Summe des Energieverbrauchs zur Gewinnung, Herstellung, Betrieb und Entsorgung sämtlicher Komponenten die über die Lebensdauer des Hauses gebraucht werden geringer ist, als die direkt im Gebäude erzielten Energieeinsparungen.

Wir können nicht mehr zur Blockhütte zurück. Auf den heutigen Komfort wird niemand verzichten. Die heutige Bevölkerungsdichte erlaubt keine Blockhütten mehr. Wir haben Grenzen überschritten, die aus damaliger Sicht unmöglich waren. Diese Grenzen konnten wir nur mit einem erhöhten Ressourcenverbrauch überschreiten. Jetzt wollen wir zwar Öl und Gas aus dem Haus verbannen. Für alle Geräte, Anlagen, Baustoffe, Dämmungen, Speicher und Steuerungen benötigen wir aber immer mehr und komplexere Materialien. Diese Komponenten werden unter Aufwand von Energie irgendwo hergestellt. Deren Lebensdauer ist ebenfalls beschränkt, was ein laufender Ersatz bedeutet. Unter dem Strich resultiert ein Mehraufwand an Rohstoffen, allerdings ausgelagert und nicht im Haus selbst. Das trifft übrigens nicht nur auf den Bau zu, sondern auf alle Produkte die wir konsumieren und anderswo herstellen lassen.

Das ist kein Plädoyer nichts zu tun, im Gegenteil. Es ist eine Aufforderung sich um echten Fortschritt zu bemühen. Das braucht Erfindergeist und den kann man staatlich nicht verordnen. Lösungen welche sich nur mit Subventionen rechnen sind halt kein echter Fortschritt, weil sie alles andere als nachhaltig sind.

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Yoram Bauman: Funny Papers

Etwas zum Wochenende…

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von | 12. Februar 2016 · 22:30

«Grün» ist nicht gleich ökologisch

MSa_FuWWer wirklich die Umwelt schützen will, sollte seine politischen Massnahmen darauf konzentrieren und nicht zugleich andere Ziele verfolgen. Und ohne Ökonomie funktioniert Ökologie nicht. 

(Dieser Beitrag erschien als Kommentar in der „Finanz und Wirtschaft“ vom 10. Februar 2016, S. 3.)

Die Grünen und die Grünliberalen haben in den eidgenössischen Wahlen vom vergangenen November massive Verluste erlitten. Dies sei darauf zurückzuführen, dass Umweltthemen gegenüber Wirtschafts- und Asylfragen an Bedeutung eingebüsst hätten, kommentierten Claude Longchamp, weitere Politologen und Medien unisono. Diese Erklärung scheint für die Verlierer irgendwie tröstlich zu sein: «Wir sind gut, aber die Umstände sind schlecht für uns.»

In einer schonungslosen Diagnose des Debakels sind aber kaum tröstliche Aspekte für die grünen Parteien zu erkennen: Sollten Umweltthemen im Volk effektiv stark an Bedeutung verloren haben, dann hätten ja die meisten Wählenden die grünen Parteien in anderen Themen als überflüssig oder inkompetent beurteilt. Und sollte ein nicht gar so starker Bedeutungsverlust der Umweltthemen eingetreten sein, dann sähen sich die grünen Parteien von den Wählenden sogar in ihrer selbsterklärten Kernkompetenz in Zweifel gezogen.

Während die Grünliberalen inzwischen etwas kleinlauter auftreten und hoffentlich ihr Wahlergebnis besser analysieren, wollen die Grünen mit Volksinitiativen unverzüglich auf die Pauke hauen. Damit riskieren sie ähnlich desaströse Niederlagen, wie sie die Grünliberalen im März vergangenen Jahres mit der Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» erlitten haben. Von den immerhin rund 42 der Stimmbürgerinnen und -bürger, die diese Initiative noch für bedeutungsvoll genug befanden, um überhaupt abzustimmen, legten rekordhohe 92 ein Nein ein. Der Ja-Anteil lag damit sogar unter der Summe der Stimmenanteile der grünen Partien in den Wahlen (7,1 Grüne bzw. 4,6 Grünliberale).

Ein Vorstoss der Grünliberalen im Bereich ihrer angeblichen Kernkompetenz wurde so mit niederschmetterndem Mehr als unnötig, untauglich, kontraproduktiv, schädlich oder sonst irgendwie negativ abgeurteilt. Klar, Mehrheiten liegen nicht automatisch richtig, doch wird hier kaum jemand behaupten wollen, dass sich 92 Stimmende verschiedenster politischer Herkunft schlicht geirrt hätten.

Umweltpolitik ohne grüne Parteien

Seit dem Tsunami und der Havarie von Fukushima vom 11. März 2011 und der vergangenen Legislaturperiode stehen geradezu monströse Vorhaben der Energie- und Klimapolitik zuoberst auf der politischen Agenda. Sie wurden aber nicht in erster Linie von den grünen Parteien, sondern vom Bundesrat und von der Bundesverwaltung initiiert. Das machen diese jedoch auch nicht besser, wie auch in «Finanz und Wirtschaft» schon mehrfach kritisiert wurde. Die aktuelle Energie- und Klimapolitik ist in der Tat höchst fragwürdig und wurde bisher – besonders brisant – noch in keiner Volksabstimmung richtig demokratisch legitimiert. Trotzdem will der Bundesrat schon mit weiteren Visionen für eine nachhaltige Entwicklung sorgen. Dies könnte die schon existenzbedrohlich angeschwollene umweltpolitische Regulierungswelle überschwappen lassen.

Wie auch immer – Umweltthemen haben wohl weniger an Bedeutung verloren als der Einfluss der grünen Parteien in diesen Debatten. Die Themenführerschaft wurde offensichtlich von der stark grün orientierten Bundesverwaltung sowie von Umweltpolitikern anderer Parteien übernommen. Die Grünen und die Grünliberalen versuchten, dies mit noch extremeren Positionen zu verhindern, scheinen damit aber erst recht Wählergunst verspielt und zu ihrer eigenen Marginalisierung beigetragen zu haben. Der Wahltag war aber jedenfalls kein «schwarzer Tag» für die grüne Politik, sondern nur ein solcher für die grünen Parteien.

Politische Ziele können mit mehr oder mit weniger Massnahmen verfolgt werden. Grundsätzlich ineffizient ist es aber, eine gewisse Zahl von Zielen mit einer kleineren Zahl von Massnahmen zu verfolgen. Für diese regulierungsökonomische Erkenntnis, die Tinbergen-Regel, wurde der niederländische Mathematiker und Ökonom Jan Tinbergen 1969 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Von dieser Regel scheinen die grünen Parteien nichts zu wissen.

Die Grünen sind grün und links orientiert. Sie verfolgen mit ihren Vorschlägen zum Schutz der Umwelt notorisch auch linke Anliegen. So setzen sie sich mit Linken und Regionalpolitikern seit langem für eine möglichst dichte Bahn- und Buserschliessung zu möglichst hoch subventionierten Tarifen ein. Die Folge davon ist unser übertrieben gutes, für die Kunden viel zu billiges, aber für den Steuerzahler viel zu teures öffentliches Verkehrssystem. Darauf beruht aber auch die ökologisch und ökonomisch ineffiziente Zersiedelung, die trotz einer gewissen Verkehrsverlagerung auf Bahn und Bus auch den Individualverkehr auf der Strasse hat anschwellen lassen. Die Grünen lassen sich für eine Verkehrspolitik einspannen, die die Umweltbelastung erhöht.

Grüne und Grünliberale kämpfen auch ständig für strengere Umweltnormen. Wir sollen eine Vorreiterrolle spielen – andere Länder würden nachziehen, woraus sich dann für die Schweiz Wettbewerbsvorteile ergäben, heisst es jeweils. Mit Umweltschutzmassnahmen sollen also auch industriepolitische Ziele verfolgt werden. Ökonomische Theorie und Praxis zeigen, dass dieser Traum der sogenannten doppelten Dividende (Gewinn für Umwelt und Wirtschaft) in kleinen, offenen Volkswirtschaften fast nie in Erfüllung geht. Von den strengeren Normen besonders betroffene Produktionsprozesse werden ins Ausland verlagert (Leakage-Effekt) oder erreichen mit Abwanderungsdrohungen Ausnahmeregelungen. Soweit andere Länder nachziehen, wandert rasch auch das Know-how dorthin, wo es am besten umgesetzt werden kann. Die Profite der Cleantech-Industrie, für die sich die Grünliberalen immer besonders einsetzen, sind nicht dauerhaft. Der Umweltnutzen droht sich durch den Leakage-Effekt zum Schaden zu wandeln. Die gesamtwirtschaftliche Bilanz ist über kurz oder lang höchstwahrscheinlich negativ. Andernfalls würden viel mehr Länder eine Vorreiterrolle spielen.

In der Klimapolitik sind Grüne und Grünliberale vehementeste Verfechter nationaler Alleingänge mit einschneidenden Lenkungsmassnahmen. Da aber die schweizerische CO2-Abgabe heute schon rekordverdächtig ist, sind die «schädlichsten» Prozesse bereits in günstigere Länder abgezogen, was dem globalen Klima bestenfalls nichts genützt, der Schweiz aber sicher geschadet hat. Mit weiter steigenden Abgaben würde der Leakage-Effekt immer mehr Bereiche erfassen und einer Deindustrialisierung der Schweiz Vorschub leisten. CO2-Prozesse, die nicht abwandern können, sind schon optimiert. Weitere Emissionsreduktionen sind nur noch zu hohen und steigenden Zusatzkosten möglich. Diese Mittel würden in weniger fortschrittlichen Ländern ein Mehrfaches an Reduktion generieren.

snip_20160210082706Unfähig oder unwillig?

Völlig unbestrittene, effiziente Lösungen wie der internationale Handel von Emissionsrechten (Cap and Trade) oder die Finanzierung von Reduktionsprojekten im Ausland (Joint Implementation) werden von den Grünen bekämpft. Die Grünliberalen wiederum scheinen hier zwar etwas differenzierter zu denken, wollen aber auch die Cleantech-Industrie im Inland nicht ganz leer ausgehen lassen.

Die Umweltökonomie hält seit langem sehr effiziente Instrumente bereit, mit denen die gegenwärtigen Umweltprobleme gelöst werden könnten. Die Grünen und die Grünliberalen scheinen diese Instrumente nicht zu kennen. Oder sie wollen sie nicht einsetzen, weil sie noch andere Ziele als den Umweltschutz ins Visier nehmen. Vielleicht wurden sie von den Bürgerinnen und Bürgern bei den Wahlen für Nichtkönnen oder Nichtwollen bestraft.

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Grossbank im Juso-Modus

Sogar der Finanzsektor will neuerdings seinen Teil zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen und kapituliert vor der politischen Korrektheit.

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 05/16 vom 4. Februar 2016, S. 22, publiziert.)

An Propaganda zur Energiewende und zum Klimawandel mangelt es nicht. Interessierte Kreise wie die Plattform Energie Schweiz aus dem Bundesamt für Energie, der Verband Swiss­cleantech, aber auch gewisse ETH-Institute mit grosser Nähe zu WWF und Greenpeace sowie vor allem auch die monopolistischen Stromversorger überschütten uns damit. Dabei steht der Atomausstieg im völligen Widerspruch zum derzeitigen klimapolitischen Paradigma, das die Senkung des CO2-Ausstosses verlangt. Wir haben ja heute bereits eine praktisch CO2-freie Elektrizitätsversorgung, was nach dem Ersatz der Kernkraftwerke durch Strom­importe die CO2-Bilanz zwangsläufig verschlechtert. Dies trifft selbst für den Ersatz des Atomstroms durch Sonne und Wind zu.

Rettung der Welt auf 60 Seiten

Grundsätzlich sinnvoll ist hingegen eine Reduktion des Verbrauchs von fossilen Energieträgern aus Gründen der Luftreinhaltung und des Vorsichtsprinzips. In der Schweiz gilt dies besonders in den Bereichen Wärme und Mobilität, wobei man bei der Wärme übertreibt und bei der Mobilität Angst vor dem Stimmbürger hat.

Nun aber mischt sich auch die Finanzindustrie in die Thematik ein und vermischt die Klima- und Energiepolitik in unverantwortlicher Art und Weise. Man will sich fortschrittlich und politisch korrekt verkaufen, legitimiert aber damit de facto nur die unsägliche Subventionspolitik des Staates. Der Berner Stromkonzern BKW und die Industriellen Werke Basel (IWB) haben zumindest öffentlich zugegeben, dass sie nur noch in subventionierte Anlagen investieren. Aber schön der Reihe nach:

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UBS-Studie: Auf Bild klicken, bitte.

Die UBS hat kürzlich eine 60-seitige Studie veröffentlicht mit dem von vornherein tendenziösen Titel «Climate Change: A Risk to the Global Middle Class». Sämtliche unsicheren Hypothesen über die Ursachen und Folgen des (unstrittigen) Klimawandels werden unkritisch übernommen, während die Opfergruppe Mittelstand ihrerseits den wahren Zweck verrät. Die Milliarden von armen und ärmsten Menschen auf dieser Welt interessieren nicht, vielleicht auch deswegen, weil diese ohne Wachstum und damit ohne Zugang zu günstiger Energie keine Chance auf ein anständiges Leben hätten. Aber konzentrieren wir uns doch darauf, was die UBS selber zur Weltrettung beitragen will.

1 – «Unterstützung von Transaktionen im Bereich erneuerbarer Energien und Cleantech»: Das ist leider einfach ein Aufspringen von hinten auf den Subventionskarren («Bandwagon-Effekt») und dadurch ein Abschieben der Risiken auf den Steuerzahler.

2 – «Unterstützung von Kohlekraftbetreibern nur, wenn sie eine Reduktion des Kohle­verbrauchs aufweisen oder die international empfohlenen strengen Treibhausgas-­Emis­sionsstandards einhalten»: Als Moralapostel für die Einhaltung internationaler Standards hat die UBS nicht die besten Karten. Zudem sind «relativ saubere» neue Kohlekraftwerke als Ersatz für alte durchaus sinnvoll, weil wir noch lange auf Kohle angewiesen sein werden. Hier läuft die UBS einfach ­«politisch korrekt» staatsnahen ­Investoren hinterher.

3 – «Keine Unterstützung bestimmter Bergbauunternehmen und signifikant geringere Darlehen und Kapitalmarktaktivitäten für diesen Sektor»: Damit kommt man verdammt nahe an die Argumentation der Spekulationsstopp-Initiative heran. Auch Bergbau und Ölförderung werden früher oder später wieder bessere Zeiten erleben. Die Annahme, dass der Klimaschutz zu «stranded assets» führen werde, ist ebenso naiv wie die von «peaks».

4 – «Das Ziel, bis 2020 sämtlichen Strom für die UBS aus erneuerbaren Quellen zu beziehen und die eigenen Treibhausgasemissionen um 75 Prozent gegenüber 2004 zu reduzieren»: Damit rechtfertigt die UBS die Lügenpropaganda zahlreicher Stromanbieter, die unlauteren Wettbewerb betreiben, indem sie etwas verkaufen, was sie gar nicht liefern ­können. Solange die UBS am Netz bleibt, ­profitiert sie als Trittbrettfahrerin von der Netzstabilität, die noch auf lange Zeit nur mit Kohle-, Gas- oder Nuklear-Grundlast garantiert werden kann. Und bei der CO2-Vermeidung denkt wohl kaum jemand an einen Dienstleister wie eine Grossbank. Diese schmerzfreie Deklaration ist eine Ohrfeige für den Werkplatz Schweiz, der ohnehin um sein Überleben kämpft.

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Buchbesprechung: Der 2000-Watt-Irrtum

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Laden sie hier die Besprechung des Buchs in der Schweizerischen Gewerbezeitung herunter (PDF)

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von | 5. Februar 2016 · 11:45

Netzstörungen: Der unheilbare Erbdefekt der Energiewende

Der Fluch der bösen Konzeptlosigkeit

Gastbeitrag von Fred F. Mueller

brennendes WindradIm Stromnetz gibt es keine Energiereserven. Bei jedem Nulldurchgang der Spannung – dies erfolgt 100 Mal pro Sekunde – enthält es faktisch keinerlei elektrische Energie. Der gesamte Bedarf der nächsten Halbwelle muss erneut von den Generatoren in den Kraftwerken bereitgestellt werden. Und zwar in ganz exakt der Menge, die für genau diese Halbwelle benötigt wird. Würde das nicht mit höchster Präzision erfolgen, käme das Netz aus dem Takt – mit fatalen Folgen. Denn schon geringe Überschüsse oder Defizite in der Menge der bereitgestellten Energie bringen die exakte Synchronität der vielen Erzeuger aus dem Takt und gefährden das System als Ganzes. Dies gilt ausnahmslos für alle Störgrößen im Netz, auch für die ohne Rücksicht auf den aktuellen Bedarf hineingepressten Strommengen aus Wind- und Solarenergie. Kürzliche Alarmmeldungen der Netzbetreiber zeigen, dass hier inzwischen ein Kipppunkt in bedrohliche Nähe gerückt sein dürfte. 

Lesen Sie bitte hier weiter (Download PDF).

 

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von | 2. Februar 2016 · 22:37

Energiepolitischer Jahrhundertfehler

Die Energiestrategie 2050 führt die Schweiz weg von einem stabilen und nachhaltigen System der Energieversorgung. Der Wechsel zu erneuerbaren Energien muss viel zu teuer erkauft werden.
(Dieser Kommentar ist zuerst auf Seite 3 der „Finanz und Wirtschaft“ Nr. 8 2016 vom 30. Januar 2016 erschienen.)

Die Energiestrategie 2050 dürfte als politischer Jahrhundertfehler in die Geschichte eingehen. Solche zeichnen sich durch ideologische Wurzeln, alarmistische Begleitmusik und eine sich selbst verstärkende Eigendynamik aus. Jahrhundertfehler entstehen nicht in Notsituationen. Die Schweizer Strompolitik grenzte an Wunder: Schon nach dem Ersten Weltkrieg forcierte das Land die Elektrifizierung durch Wasserkraft, um die Abhängigkeit von deutscher Kohle zu reduzieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dies verstärkt, bis in den Sechzigerjahren klar wurde, dass der Ausbau der Wasserkraft an Grenzen stossen würde. Auch Importabhängigkeit und Luftbelastung wurden als Gefahr erkannt und leiteten den Übergang zur Kernenergie ein, msnip_20160131105906it Unterstützung der Linken und der Grünen.

In den Neunzigerjahren ergänzte die Schweiz die prioritäre Versorgungssicherheit vorsichtig mit Sparmassnahmen bei fossilen Energieträgern und der Förderung neuer erneuerbarer Quellen. Die 2009 eingeführte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) war eine ökologische Nische, die auch der politischen Absicherung der Kernkrafterneuerung dienen sollte. Die Schweiz hatte eine sichere und effiziente Stromversorgung mit hohem Anteil an Grundlast aus AKW, planbaren Laufkraftwerken und kurzfristig disponiblen Pumpspeichern.

Das wird mit der Energiestrategie 2050 leichtfertig aufs Spiel gesetzt – ohne wissenschaftliche Fundierung, ohne verfassungsmässige Legitimation und ohne realistische Abschätzung der gesamtwirtschaftlichen Folgen. Letzteres hat unsere Studie (Borner et al., «Energiestrategie 2050: Eine institutionelle und ökonomische Analyse») an die Hand genommen. Die Ergebnisse sind, wie auch die Berechnungen von Eduard Kiener, früherer Direktor des Bundesamts für Energie, negativ. Gerade deswegen wohl sind sie von den offiziellen Stellen über die Medien bis zur Elektrizitätsbranche negiert worden.

Radikale Massnahmen

Die Energiestrategie 2050 will nicht nur die Kernenergie abschaffen, sondern auch eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen herbeiführen. Zum Erreichen dieser widersprüchlichen Ziele ist ein Strauss radikaler Massnahmen vorgesehen. Dazu gehören technische Vorschriften zur Verbesserung der Energieeffizienz von Motorfahrzeugen, Elektrogeräten und Heizanlagen, Subventionen für die energetische Sanierung von Gebäudehüllen und Gebäudetechnik, Lenkungsabgaben auf Öl, Gas und Strom sowie eine massive Subventionierung der neuen erneuerbaren Energieträger.

Von diesem Wildwuchs an Interventionismus werden Wunderdinge erwartet: ein Beitrag zur Eindämmung der globalen Erwärmung, eine Vorbildfunktion, ein Innovationsvorsprung und eine geringere Importabhängigkeit. Manche erhoffen sich gar mehr neue Arbeitsplätze, als bestehende durch Produktionsverlagerungen verloren gehen. Zudem soll das Wachstum bis 2050 kaum beeinträchtigt werden. Bei objektiver Betrachtung entpuppen sich diese Visionen als Illusion.

Zur Erreichung der Reduktionsziele für CO2 und Stromverbrauch müssten sehr hohe Lenkungsabgaben eingeführt werden. Sie würden bei einem schweizerischen Alleingang – Rückerstattung hin oder her –  für die Wettbewerbsfähigkeit existenzbedrohend. Lenkungsabgaben haben zudem unerwünschte Verteilungswirkungen. Die Vorbildfunktion würde wegen der extrem hohen Kosten zu einem abschreckenden Beispiel.

Dies umso mehr, als technische Normen die heutigen oder bereits veralteten Technologien in die Zukunft übertragen, was den marktgetriebenen Innovationsprozess bremst. Profitable Effizienzverbesserungen werden auch ohne staatliche Massnahmen vorgenommen. Darüber hinausgehende Sparziele sind nichts anderes als  Rationierung oder paternalistisches «Wegschubsen» von angeblich unmoralischem «Luxus- oder Sündenkonsum». Nur ist der Stromverbrauch weder ein Luxus noch eine schädigende Handlung, sondern zentrale Grundlage für den Werkplatz Schweiz.

Die Substitution der von Kernkraftwerken gelieferten Bandenergie durch Flatterstrom aus witterungsabhängigen Anlagen führt zu zusätzlichen Systemkosten und gefährdet die Versorgungssicherheit. Wind und Sonne schicken keine Rechnungen. Aber ihre Umwandlung in Strom bedingt enorme Zusatzkosten für sonst unnötige Reserve- und  Speicherkapazitäten sowie für die Integration ins Netz. Diese Systemzusatzkosten müssten der Solar- und Windenergie belastet werden.

Die Erneuerbaren erweisen sich insofern als Selbsttäuschung, als auch Fotozellen, Windräder oder Batterien nicht erneuerbare Ressourcen benötigen. Selbst wenn die direkten Produktionskosten von heute schon weniger als 40% des Endpreises weiter sinken, werden die Speicher-, Reserve- und Netzkosten mit steigendem Flatteranteil wachsen. Sie lassen sich nicht beseitigen. Vieles ist im Bereich Speicherung oder Smart Grid im Labor möglich, aber nicht auf die erforderliche Grössenordnung skalierbar und wirtschaftlich unrentabel.

Ohne KEV können die neuen erneuerbaren Energien nicht überleben. Scheint die Sonne und weht der Wind, entsteht in der Regel ein Überschussangebot, und die Grosshandelspreise sinken. Die Einspeiser von Flatterstrom sind nicht bloss verwöhnte Subventionsempfänger, sondern auch unsolidarische Trittbrettfahrer im Netz. In Deutschland wurden 2015 Wind und Sonne mit 25 Mrd. € subventioniert. Der Börsenwert der Produktion beträgt gerade knapp 2 Mrd. €. Da ist die ökonomisch relevante Netzparität noch in weiter Ferne.

Negativ-Vision

Nach Fukushima rückte die Politik mit dem Entscheid, aus der Kernenergie auszusteigen, eine unreflektierte Negativ-Vision in den Vordergrund. Ohne die bevorstehenden Wahlen hätten die damals vier Bundesrätinnen kaum so entschieden. Die Verwaltung entwickelte danach in Rekordzeit die Energiestrategie 2050. Sie wurde nicht wissenschaftlich fundiert hergeleitet. Eine strategische Planung darf keine Optionen ausschliessen und keine Forschungsergebnisse vorgeben. Das Verbot nuklearer Technologie ist deshalb eine Riesendummheit.

Eine Umkehr verhindern auch skrupellose Partikularinteressen, die stets neue oder grössere Subventionstöpfe fordern. Die Energiepolitik wird von Funktionären, Ideologen und Profiteuren dominiert, die keine Verantwortung für Fehlinvestitionen übernehmen müssen. Und für die Politiker ist allein der lange Planungshorizont Grund genug, die langfristigen Konsequenzen auszublenden. Selbst wenn Politiker zu zweifeln beginnen, machen sie weiter, weil nach der millionenschweren Propaganda das Volk nun das glaubt, was sie selbst schon nicht mehr so ganz glauben.

Gemäss Verfassung hat sich der Staat «für eine ausreichende, breit gefächerte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung sowie für einen sparsamen und rationellen Energieverbrauch» einzusetzen. Neue Erneuerbare erfüllen das nicht. Weil die Wende technisch und erst recht wirtschaftlich nicht möglich ist, soll mit harter Regulierung erzwungen werden, dass sich die Stromnachfrage dem künstlich verknappten und schwankenden Angebot anpassen muss: via Gebote und Verbote sowie hohe «Sündensteuern».

Die Wende wäre auch für kommende Generationen mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten, wissenschaftlich-technologischen Nachteilen und Einschränkungen des Entscheidungsspielraums verbunden. Eine Volksabstimmung auf Verfassungsebene ist deshalb unabdingbar. Weil die Politik im Jahrhundertfehler stecken geblieben ist, die Ideologen mit Untergangsszenarien Ängste schüren, die Subventionsjäger ihre Privilegien verteidigen und die Branche selbst die Verluste auf die Öffentlichkeit abwälzen kann, müssen wir als Kunden, Steuerzahler und Stimmbürger dem Spuk ein Ende bereiten.

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„Hochspannung“ Nr. 8, Januar 2016

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von | 29. Januar 2016 · 11:42

Professor Staatsnah

Dutzende Rechtsprofessoren unterstützen den ­Bundesrat gegen die Durchsetzungsinitiative im ­Schutzmantel des Kollektivs. Wo waren sie bei der verfassungswidrigen Mediensteuer?

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr.04/16 vom 28. Januar 2016, S. 24, publiziert.)

Natürlich machen Professoren Politik. Selbst Naturwissenschaftler und Inge­nieure beeinflussen Regierungen und Parlamente durch ihre Forschungsergebnisse oder in ihren Beraterfunktionen. Das gilt für die Atombombe, den Flug auf den Mond genauso wie für das Internet, die Zulassung von Medikamenten oder die Regulierung von Nahrungsmitteln. Hier stehen naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse im Mittelpunkt, die sich (mit Ausnahme des militärischen Bereichs) der externen und kritischen Überprüfung stellen müssen.

Im Vergleich dazu kommen Sozial- und Geisteswissenschaften in verschiedenen «Härtegraden» daher. Die Philosophie orientiert sich primär an «Werten», muss aber im Unterschied zur Religion möglichst logisch konsistent und nachvollziehbar argumentieren. Ob Theologie eine eigenständige Wissenschaft sein kann, wenn sie von nicht hinterfragbaren Glaubens­axiomen ausgehen muss, ist ­
(k)eine offene Frage. Soziologen und Politologen haben häufig politische Ziele oder Programme im Hinterkopf und verbrämen diese dann mit wissenschaftlichem Jargon. Ökonomen und Psychologen sind da schon ein wenig bis deutlich rigoroser, indem sie mit Experimenten, klinischen Studien, anerkannten Testmethoden und transparenten Modellrechnungen empirische Evidenz präsentieren, die nachgeprüft werden kann. Ziel der Forschung ist nach Popper letztlich die Falsifizierung bisheriger Erkenntnisse, die deshalb immer nur provisorische Geltung beanspruchen dürfen.

Professioneller Konsenszwang

Die Rechtswissenschaft nimmt hier eine Sonderstellung ein, indem sie insbesondere im ­europäischen Kontext (anders als im angelsächsischen Common Law) keine Forschung im engeren Sinne betreibt, sondern die Gesetze systematisch analysiert und konkretisiert. Dabei sind Juristen immer eng mit dem Staat beziehungsweise der Staatsmacht verbunden, weil sie ja die (hoffentlich) rechtsstaatlichen Strukturen mitgestalten und auslegen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass juristische Gutachten in der Politik eine derart dominierende Rolle spielen, dass wir Ökonomen vor Neid – oder vor Wut – erblassen. Ob ein Gesetz oder eine Regulierung zielführend oder gar bezüglich Kosten und Nutzen optimal ist, scheint weniger wichtig, als dass sie juristisch abgesichert sind.

Was aber immer problematisch bleibt, ist professioneller Konsenszwang zum einen und sind professorale Kollektivaktionen zum anderen. Konsens über Ergebnisse ist anders als Konsens über die Methodik gerade nicht charakteristisch für eine offene Wissenschaft und nährt deshalb wie bei der Klimaforschung berechtigterweise Argwohn. Dies umso mehr, als kritische Geister des angeblichen Klimakonsenses persönlich attackiert und diffamiert werden. Mein verehrter Lehrer W. A. Jöhr hatte als junger Wissenschaftler in den 1930er Jahren die «Eingabe der 200» unterschrieben und hat dafür sein Leben lang einen hohen Preis bezahlt. Für die Universität St. Gallen (HSG) war das ein Glücksfall, weil er nur deswegen nie wegberufen wurde. Wenn aber 150 teilweise unbekannte Rechts­professoren ­eine Unterschriften­aktion gegen eine Volks­initiative lancieren und Nichtunterzeichner sich rechtfertigen müssen, dann ist das a priori rein kollektivistisch und sehr wahrscheinlich kontraproduktiv. Früher oder später wird sich dies auch in der Klimaforschung ­ereignen.

Etwas ganz anderes ist es jedoch, wenn sich einzelne Rechtsprofessoren pointiert öffentlich zu politischen Vorstössen äussern, wie dies dieser Kolumnist ja seit Jahrzehnten auch tut, allerdings ohne je auch nur ein ­einziges kollektives Manifest unterzeichnet zu haben. Teamwork ist sicher produktiv, aber eine Co-Autorenschaft beschränkt sich glaubwürdig auf ein paar wenige und aktiv Mitwirkende.

«Aber hier geht es doch um den Schutz der Verfassung – auch und selbst vor dem Volksentscheid!» Das erscheint ein ehrenwertes Ziel, aber ruft sogleich nach der Frage, warum denn all diese Verfassungsretter nicht kollektiv aufgestanden sind, als der Bundesrat ohne Verfassungsgrundlage eine neue Medien­steuer einführte. Man hat, typisch für Juristen, die «Steuer» in «Abgabe» umgetauft, obwohl sie wie eben eine Steuer «voraussetzungslos» geschuldet ist und das fehlende Ständemehr die SRG-Vorlage begraben hätte. Staatsnah zu sein, verleitet offensichtlich dazu, staatsfreundlich zu agieren.

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Energiepolitik Deutschland: Realitätsverweigerung

Gastbeitrag von Fred F. Mueller

Energiewende: Plan- und orientierungslos im Nebel –
Realitätsverweigerung auf Kosten kommender Generationen

Die deutsche „Energiewende“ war von Anfang an eine Totgeburt, doch die dahinter steckenden Ideologen haben es geschickt verstanden, sich in aufeinanderfolgenden Regierungen gegen jede Kritik durchzusetzen. Endgültig zur Katastrophe mauserte sie sich, seit in relativ kurzen Abständen erst die vollständige Abkehr von der Kernkraft beschlossen und jetzt zusätzlich die Dekarbonisierung der Gesellschaft auf die Tagesordnung gesetzt wurden. Die schon von Anfang an ohne Masterplan betriebene Energiepolitik mündet durch diese Prioritätenänderungen endgültig im Chaos. Im dicksten Nebel wird „auf Sicht“ gefahren und gehofft, man könne die Probleme dann einfach „aussitzen“. Motto: Die Raute wird’s schon richten….

Laden Sie hier den interessanten Beitrag von Mueller herunter.

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von | 25. Januar 2016 · 15:38

„Wir bauen Energiezukunft“ – rechtswidrige Kampagne?

Wer viel Zug fährt, wird diese Tage oft auf die Kampagne „Wir bauen Energiezukunft“ stossen. Die Plakate wurden vom staatlichen Programm energieschweiz zusammen mit der Bauwirtschaft in Auftrag gegeben. Die Kampagne steht offensichtlich im Zusammenhang mit einer Reihe von jüngeren energiepolitischen Massnahmen. Die Beteiligung von Privaten an der Kampagne erstaunt nicht, weil die Baubranche ja in ganz erheblichem Ausmass von energiepolitischen Massnahmen profitiert: Mit dem Gebäudeprogramm hat der Bund seit dem Jahr 2010 Gebäudesanierungen mit gut 1 Mia. Franken unterstützt – Geld, das die Bauwirtschaft gerne entgegen nimmt. Die Kampagne ist insgesamt gut gemacht und hat auch Lob von BR Leuthard erhalten.

[…] Es wäre nicht völlig aus der Luft gegriffen, das Plakat als politische Werbung für die Energiestrategie 2050 anzusehen; in diesem Fall wäre die Kampagne rechtswidrig. Doch auch als Imagewerbung ist die Kampagne fragwürdig. Das Energiegesetz erlaubt dem Bund lediglich die Information und Beratung der Öffentlichkeit „über die Sicherstellung einer wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung, die Möglichkeiten einer sparsamen und rationellen Energienutzung sowie über die Nutzung erneuerbarer Energien.“ Nichts davon lässt sich aufgrund des Plakats erahnen und nichts davon deckt sich mit dem deklarierten Ziel der Werbekampagne. Die Rechtsgrundlage der Kampagne ist damit äusserst dünn. Was auch immer sie kostet – das Geld wäre an anderer Stelle besser eingesetzt.

St.Gallen, 22. Januar 2016

Lesen Sie hier den ganzen Blogbeitrag von Prof. Peter Hettich: Wir bauen Energiezukunft? — regulierung.ch

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von | 22. Januar 2016 · 21:45

De Weck im Service-public-Versteck

Borner abgeschnDas Schweizer Fernsehen unterbindet jegliche ­Diskussion über seine Inhalte und Finanzierung mit Hinweis auf 
den Dienst an der Allgemeinheit. Die Argumente überzeugen nicht.

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr.03/16 vom 21. Januar 2016, S. 16, publiziert.)

Die knappe Entscheidung vom letzten Juni über das Radio- und Fernsehgesetz hat ­eine medienpolitische Grundsatzdebatte ausgelöst. Dies hat offensichtlich auch der «No ­Billag»-Initiative zur Abschaffung der Zwangsabgaben zum Erfolg verholfen. Die Zeitungsverleger fordern eine Einschränkung des ­Service public auf ein «demokratierelevantes Medienangebot» und ein Werbeverbot für die SRG. Inzwischen hat eine unkritische Expertenkommission versucht, die hohe Qualität und Unabhängigkeit der SRG und den finanziellen Status quo zu legitimieren.

Grün-rötlich gefärbte Indoktri­nation

Das Quasimonopol der SRG gefährdet ­jedoch nicht nur den Leistungs- und Innova­tions-
wettbewerb, sondern auch die Meinungsvielfalt. Diese Gefahr wächst wegen der rasanten technischen Weiterentwicklung internet­basierter Kommunikation, die ein Verschmelzen früher getrennter Medien (Konvergenz) mit sich bringt. Radio-, TV- und Printmedien sind gezwungen, ihre Einwegkommunikation um interaktive Kommunikationsformen zu erweitern. Die leistungsunabhän­gige und risikobefreite Mediensteuer verschafft der SRG einen unfairen finanziellen Vorteil.


Die SRG hat vom Bund den Auftrag, in allen Sprachregionen der Schweiz eine gesicherte Informa­tionsabdeckung und ein vielfältiges Unterhaltungs-, Bildungs- und Kulturprogramm an­zubieten. Dieser nicht näher definierte Leistungsauftrag wird politisch mit dem Begriff Service public verklärt. 237096-ke20070802_04Deshalb ist es nicht überraschend, dass unterschiedlichste Interpretationen die Runde machen. So argumentiert die SRG, dass nur sie allein Programme anbieten könne, deren Konsum gesellschaftlich besonders erwünscht sei und den sozialen und nationalen Zusammenhalt fördere («idée suisse»).

Solche politischen oder gesellschaftlichen Zusatznutzen des SRG-Medien-Konsums sind jedoch schwer nachzuweisen. Erwiesen ist beispielsweise, dass nur wenige Deutschschweizer sich welsches Fernsehen anschauen. Internationale Vergleiche zeigen, dass es Regulierungs- und Finanzierungsformen gibt, die den neuen Medien Rechnung tragen, ohne die Konsumentensouveränität zu beschneiden.

Die Gebühr für den Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen ist in der Schweiz deutlich höher als in den benachbarten Ländern. In Deutschland müssen vergleichsweise rund 260, in Österreich 334, in Frankreich 155 und in Ita­lien 133 Franken bezahlt werden. Die schweizerische Mediensteuer wird wohl 400 Franken betragen. Der Geldsegen erlaubt es der SRG, neben ihren zahlreichen Radio- und Fernsehprogrammen noch zusätzliche Dienste wie Teletext oder eine internetbasierte Informa­tions-
plattform anzubieten und in naher Zukunft auch ein interaktives Fernsehen zu offerieren.

Die risiko­lose Finanzierung ermöglicht der SRG auch den Aufbau kostspieliger Abteilungen für Wetterprognosen, Verkehrsinformationen, Spezialredaktionen für Wirtschaft oder Wissenschaft, die auf dem Markt qualitativ besser und erst noch günstiger beschafft werden könnten. Überinvestitionen und fehlende Kostendisziplin sind in allen staatlich finanzierten Unternehmen gang und gäbe.

Der Anspruch der SRG geht davon aus, dass ihre Programmleiter genau wissen, wie der aus «gesellschaftlicher Sicht richtige» Konsum von politischer Information und kultureller Berieselung aussehen muss. Objektiv betrachtet, geht es jedoch primär um Werturteile, die eine elitäre oder politische Minderheit der Mehrheit aufzuzwingen versucht. Angesichts der stark veränderten Mediennutzung ist diese grün-­rötlich gefärbte Indoktri­nation nicht länger zu tolerieren. Erst durch ­eine Vielfalt von Sendern mit unterschiedlichen politischen und weltanschaulichen Orientierungen kann sich der mündige Bürger unabhängig informieren und sein ­eigenes Urteil bilden.

Der Versuch, die Mono­polstellung durch «Ausgewogenheit» zu rechtfertigen, endet in Beliebigkeit und Oberflächlichkeit, wie Vergleiche mit ausländischen Diskussions-, Kultur- oder Informations­sendungen offenlegen. Das ­Festhalten an einer Finanzierung aus Zwangsabgaben und Werbeeinnahmen wird deshalb fälschlicherweise mit echter Vielfalt zu begründen versucht. Wenn die SRG ihre Zwangsabgaben durch qualitative Vielfalt rechtfertigen will, muss sie auf Werbeeinnahmen verzichten. In Ländern mit ähnlich hohen Gebühren, wie etwa Dänemark oder Norwegen, sind ­deshalb auch Werbeverbote in Kraft. Entweder müssen die Gebühren weg oder die Werbung. Im ersten Fall löst sich der Service public in Luft auf, im zweiten muss er klar und eng definiert werden.

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Strom und CO2: Europas selbsternannter Musterknabe mutiert zur Witzfigur

beckumIm Treibsand der Illusionen

Gastbeitrag von Fred F. Müller

Europa war eine schöne Idee. Zurzeit ist unsere Bundesregierung jedoch dabei, die geduldige Aufbauarbeit von mehr als sechs Jahrzehnten im Rekordtempo zu zerschlagen. Beispiele sind Euro-„Rettung“, Flüchtlingspolitik, Russlandpolitik oder eben auch die Energiepolitik. Hier dürften die Konsequenzen besonders spürbar werden, denn eine moderne Zivilisation ist nur möglich, wenn die sichere Versorgung mit preiswerter elektrischer Energie gewährleistet ist. Das ist heute eine gesamteuropäische Aufgabe, denn Kraftwerke und Leitungen sind längst über die Grenzen hinweg vernetzt. Getrieben von der fixen Idee, sie müsse zur Rettung des Klimas und des Planeten sowohl Kohle- als auch Kernkraft gleichzeitig ausmerzen, gefährdet die deutsche Regierung die Stromversorgung nicht nur im eigenen Lande, sondern auch in den Nachbarländern. Und scheitert kläglich, denn auch nach anderthalb Jahrzehnten und Kosten von mehr als einer halben Billion € [LIM1] ist man der „Klimarettung“ zumindest im Bereich der Stromerzeugung nicht im Geringsten nähergekommen.

Bitte laden Sie den vollständigen Beitrag hier als PDF runter.

 

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von | 18. Januar 2016 · 16:17

Swissbau: Vision und Wirklichkeit

PortraitMOHHeute ging ich an die Swissbau um mich über die neusten Trends der Bauindustrie zu informieren. Für eine nachhaltige Energiezukunft kommt gemäss der bundesrätlichen Energiestrategie dem Bausektor eine zentrale Rolle zu. Nirgends soll das Einsparpotential so gross sein wie beim Gebäudepark. Deshalb sind auch sämtliche Agenturen für nachhaltiges Bauen, erneuerbare Energien und Energeieffizienz, Minergie etc. prominent vor Ort vertreten. Das Motto, respektive die Frage des diesjährigen Swissbau Focus ist: Rettung durch Technik?

Ohne einen einzigen Vortrag der Veranstalter besucht zu haben war meine Meinung nach einem kurzen Rundgang durch die Hallen der Haustechnik klar: Nein. Was hier an innovativer und komplexer Technik angeboten wird ist phantastisch und faszinierend. Wohnen wird immer schöner, wohliger, perfekter. Technik wird unseren Wohnkomfort noch in ungeahnte Höhen steigern, und das schnöde Verbrennen von Heizöl im Keller wird effektiv abnehmen. Trotzdem werden wir uns von den Zielen der Energiewende weiter den je wegbewegen. Die Abhängigkeiten mit solch komplexer Haustechnik, wird in einem Mass zunehmen, dass wir in keiner Sekunde mehr auf eine gesicherte Energiezufuhr, ich spreche von Strom, verzichten können.

EWelch gigantischer Weg sind wir in den letzten paar hundert Jahren – vor allem im letzten Jahrzehnt – gegangen, vom einfachsten Hausbau, man denke an die funktionalen Alphütten, bis zu den heutigen hightech Wohnmaschinen, vollgepflastert mit Solarpanelen, Isolationen, Steuer- und Regelgeräten, Zwangsentlüftungen, automatischen Beschattungsanlagen und vollautomatisierten Küchen, in welchen nur noch das Essen von Hand geschieht. Über Kabel oder noch besser drahtlos ist alles miteinander verbunden, das internet of things hat in unseren Haushalten definitiv Einzug gehalten.

Alles wunderbar, wenn da nicht der kleine Haken wäre, dass dies ohne Strom alles zusammenbricht. Das war bei der Alphütte nicht der Fall. Mit kleverer Speichertechnik lässt sich das natürlich alles lösen. An wievielen Orten habe ich an der Swissbau das Wort Nachhaltigkeit und Resilienz gehört? Ich weiss es nicht mehr. Ich weiss nur, das was ich gesehen habe, war weder nachhaltig noch resilient. Um letzteres verständlich zu machen: Robust, dauerhaft und anpassungsfähig. Kein Produkt in der Haustechnik, das ich gesehen habe wird eine Lebensdauer von mehr als zehn Jahren haben. Die meisten Gerätchen, Servos, Pümpchen, Steuerungen und Apps werden schon lange vorher veraltet sein und mit Neuentwicklungen nicht mehr kompatibel betrieben werden können, falls sie nicht schon vorher durch einen Funktionsfehler ausgestiegen sind. Das ist das pure Gegenteil von nachhaltigem Bauen. Ich war erschüttert. Alleine die Komplexität der Produkte selbst bedingt hochentwickelte Fertigungsprozesse die ihrerseits energie- und ressourcenintensiv sind. 2000 Watt Gesellschaft ade. Selbstverständlich will niemand mehr zurück, um mit einer Axt eine Holzhütte zu bauen. Die Bauwirtschaft und die gesamte Zulieferindustrie machen einen gesunden Eindruck, das Geschäft läuft gut. Nur den Zielen der Nachhaltigkeit scheint niemand zu folgen. Ich wollte das Wort schizophren eigentlich vermeiden, aber nach zwei Stunden an der Messe schien es das einzig zutreffende zu sein. Die Messe wird übrigens in einer Stadt abgehalten, die sich zum Ziel gesetzt hat, seine Bürger nur noch eine Tonne CO2 pro Jahr generieren zu lassen. Die 0.4 Tonnen, welche man mit der Atmung produziert, müsse man dem Vernehmen nach nicht dazurechnen.

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Diagnose: Wohlstandsschizophren

Die Schweiz steht gut da. Noch. Doch mit 
einer Flut von gutgemeinten Wünschen und Massnahmen greifen wir die Marktwirtschaft und den Privatsektor an.

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr.01/16 vom 7. Januar 2016, S. 22, publiziert.)

Gemäss einem Index des Weltwirtschafts­forums in Genf (WEF) zählen wir zu den wettbewerbsfähigsten Ländern, und laut der Uno sind wir Schweizer die glücklichsten Menschen auf dem Planeten. Trotzdem verspüre ich ein gewisses Unbehagen über unsere Zukunft. Berechtigterweise – oder sind es überspannte Befürchtungen eines Vertreters der «dismal science», als die die Ökonomie bekannt ist?

Die Wahlen 2015 mögen parteipolitisch eine Wende gebracht haben, aber eine bürgernähere und liberalere Gesetzgebung und Regulierung steht noch in den Sternen. Zudem erkenne ich eine weitverbreitete Wohlstandsschizophrenie: Wir haben wirtschaftlich fast alles erreicht und erliegen dem naiven Glauben, das werde immer so bleiben. Wachstum ist nicht mehr prio­­­­­ritär, sondern führt angeblich zu Dichtestress, Ungleichheit und ökologischem Untergang. Technologiefeindlichkeit ersetzt «schöpferische Zerstörung». Verzicht oder Suffizienz treten an die Stelle von Innovation und Effizienz. Aber ­wehe, wenn der Ausbau des Sozialstaates gebremst, der Wohnbau verdichtet oder die Subventionen für Bauern, den ÖV, Sportler oder gar die Kultur gekürzt werden sollen! Dann spricht man von Sozialabbau, Rentenklau, Landschaftszerstörung oder Verlust von Service pu­blic, ja sogar von wachsender Armut. Ein in der Schweiz reich gewordener Elsässer proklamiert in einem Migros-TV-Spot, dass jedes zehnte schweizerische Kind von Armut betroffen sei.

Die Dogmen der Verzichtspropheten

Die Vorschläge für die Alterssicherung sind alles andere als nachhaltig, weil sie weder das Rentenalter antasten noch den Umwandlungssatz angemessen anpassen. Ins Gewicht – aber leider nur negativ – fallen ausschliesslich die 1 bis 1,5 zusätzlichen Prozentpunkte bei der Mehrwertsteuer und die wahnwitzige Renten­erhöhung bei der AHV. Für die Reduktion unseres CO2-Ausstosses um einen Zehntel eines ­Promillepunktes der weltweiten Emission riskieren wir unseren Wohlstand. Viele Städte h­aben einer zahlenmässigen Verkehrsberuhigung zugestimmt. Doch die Zahl der Autos steigt pro Jahr um 60 000 munter weiter, ebenso steigt die Zahl gefahrener Kilometer. Die Innenstädte entleeren sich dank «Autofreiheit», aber die Agglos ersticken im Stau. In Basel wollen Verzichtspropheten den Wohnraum auf 35 Quadratmeter pro Person limitieren, aber gleichzeitig den sozialen Wohnungsbau massiv ausbauen, damit der ständig wachsende Bedarf an Wohnraum «bezahlbar» bleibt. Mit der Formularpflicht will der Bundesrat die Kostenmiete durchsetzen, indem auch beim Mieterwechsel die Marktanpassung unterbunden werden soll. Der Konsumentenschutz entwickelt sich zum grössten Feind der Konsumentensouveränität. Das neue Lebensmittelgesetz verursacht enorme Folgekosten im Gastgewerbe, die Swissness-Vorlage nützt einmal mehr (aber auch nur kurzfristig) nur der Landwirtschaft, vertreibt aber wichtige Hersteller im Food-Sektor.

Der ehedem liberale Arbeitsmarkt wird in Riesenschritten zubetoniert: durch Allgemeinverbindlichkeitserklärungen, durch eine Lohnpolizei gegen Diskriminierung und durch rigorose Kontrollen von Baustellen oder im Gast-
gewerbe. Ein (freisinniger) Bundesrat spricht ­offiziell von den «Scheinselbständigen», aber «Scheininvalide» oder gar «Sozialschmarotzer» sind tabu. Und dies, obwohl eine halbstaat­liche Sozialbürokratie de facto eine «bedingungslose Grundrente» geschaffen hat, die bei einer vierköp­figen Familie einem Bruttoein­kommen aus Erwerbstätigkeit von gegen 100 000 Franken entspricht.Wir schreiben die 2000-Watt-­Gesellschaft in kantonale Verfassungen, aber brauchen munter weiter 6000 Watt. Wir wollen auf effiziente Importe von fossilen Energieträgern verzichten, und die kantonalen Baudirektoren wollen uns vorschreiben, dass wir in zwanzig Jahren ohne Gas und Öl heizen. Linke Mieterverbände sind aus ideologischen Gründen für die Energiewende, aber die Mieten dürfen deswegen natürlich nicht steigen. Wir sollen unseren Konsum aus ökologischen Gründen einschränken, aber die Einkommen dürfen um keinen Rappen sinken. Jeder Landwirt kassiert jährlich etwa 50 000 Franken an staatlichen Beihilfen; davon leben in den ärmsten Ländern hundert Menschen ein ganzes Jahr. Die grösste Beschäftigungszunahme findet im und rund um den öffentlichen Sektor statt.

All das summiert sich und wird sichtbar bei der Arbeitsproduktivität, die – wie das Staats­sekretariat für Wirtschaft kürzlich aufgezeigt hat – im internationalen Vergleich stark abgesackt ist. Die Wohlstandsdämmerung findet nicht nur in den Köpfen liberaler Ökonomen statt.

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Eingeordnet unter Politikversagen

Strom ist nicht gleich Strom

Michael Limburg, Fred F. Mueller: Strom ist nicht gleich Strom, ISBN/EAN: 9783940431547. 237 Seiten, Format 22,5 x 14,5 cm, Hardcover. TvR Medienverlag, Jena, 2015. Preis € 19,90. –

Strom ungleich StromDer Ingenieur Michael Limburg und der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller erklären in einfacher, auch für Laien leicht verständlicher Weise, wie das Stromversorgungssystem funktioniert. Sie zeigen, dass und warum die in Deutschland praktizierte Energiewende von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil sie technisch gar nicht zu Ende gebracht werden kann. Der Strombedarf unserer modernen Zivilisation ist gigantisch. In diesen Mengen kann man Strom nicht sinnvoll speichern, er muss stets sekundengenau in exakt der gerade benötigten Menge produziert und per Leitung bis zum Verbraucher geliefert werden. Anderenfalls bricht das Netz wie ein Kartenhaus zusammen, Bahnen, Fabriken und Heizungen fallen aus und in den Kliniken bleiben lebenserhaltende Geräte stehen.

Speicher wie zum Beispiel Batterien funktionieren nur im Mini-Maßstab, für die riesigen Strommengen, die für uns alle ständig verfügbar sein müssen, reichen sie nicht. Für Batteriespeicher in der erforderlichen Größe gibt es weder genug Geld noch genügend Rohstoffe. Auch andere Speichersysteme wie Power-to-Gas („Windgas“) oder Pressluftspeicher lassen sich weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll realisieren. Der Versuch, die Stromerzeugung flächendeckend von zuverlässig funktionierenden Kraftwerken auf unzuverlässige Wind- und Solartechnologie umzustellen, ist daher von vornherein unsinnig.

Mit einem Geleitwort von Dr. Arnold Vaatz, MdB

–> Holger Douglas, Buchbesprechung (PDF)

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von | 11. Januar 2016 · 13:19

Neues vom BVGer zur Erheblichkeit

Von Adrian Raass/Blog wettbewerbspolitik.org (Reblog)

Am 17. Dezember 2015 hat das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) sein Urteil im Fall Altimum, articles de sport, gefällt und die Verfügung der Weko aufgehoben.

aaeaaqaaaaaaaaumaaaajdq1oda0mtkylwiynmetndkzny1hmtbjlwmxzwfmnmjmzjjmnaDie Weko hatte der Altimum SA eine Busse von 470’000 Franken aufgebrummt, weil sie ihren Wiederverkäufern für Bergsportartikel der Marke Petzl (Stirnlampen, Gurtzeug, Helme, Eispickel, etc.) Mindestverkaufspreise vorgeschrieben hatte und damit der Wettbewerb in der Schweiz bei diesen Artikeln angeblich erheblich beeinträchtigt war.

Laut BVGer liegt allerdings keine erhebliche Wettbewerbsbeeinträchtigung vor. Zwar seien die Preisempfehlungen von Altimum an ihre Wiederverkäufer als Mindestpreisvorschriften und damit Preisbindungen nach Art. 5 Abs. 4 KG zu qualifizieren, aber “dès lors que la concurrence sur les prix intramarque et intermarques n’était pas inefficace sur les marchés pertinents durant la période considérée, il y a lieu d’admettre que l’accord sur les prix litigieux n’a pas notablement affecté la concurrence sur le plan quantitatif sur les marchés (…)”  deshalb und“nonobstant une notabilité qualitative, l’accord en cause n’a pas affecté notablement la concurrence (…)”. (E. 6.4.5 und 6.5).

Lesen Sie hier weiter: Neues vom Bundesverwaltungsgericht zur Erheblichkeit | Wettbewerbspolitik

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Blick in den Meeresspiegel

Haering grünDer Anstieg der Ozeane sei eine der schlimmsten Folgen höherer Temperaturen, hiess es an der ­Klimakonferenz in Paris. Diese Warnungen basieren auf falschen Annahmen: Dort, wo ­tatsächlich Überschwemmungen drohen, hat das wenig mit der Erderwärmung zu tun.

(Publiziert in der Weltwoche vom 17.Dez. 2015, S. 54.)

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Eingeordnet unter Klima

Fein und gemein

Harte Verbote und von oben verordnete 
Planwirtschaft sind aus der Mode gekommen. Der neue, weiche 
Paternalismus ist aber bei näherer Betrachtung ebenso gefährlich.

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 51/15 vom 17. Dezember 2015, S. 30, publiziert.)

In einer Marktwirtschaft gibt es für staatliche Regulierung zwei Rechtfertigungen. Erstens geht es um die Korrektur von Markt­ergebnissen. Klassisches Beispiel sind negative externe Effekte wie Luftverschmutzung bei der Produktion oder Abfall beim Konsum. Zweiter klassischer Grund sind Eingriffe in den Wettbewerb, wenn dieser beispielsweise «unlauter» daherkommt, durch Missbrauch von Marktmacht verfälscht oder gar durch natürliche Monopole überflüssig wird. Neu, aber besonders schlüpfrig sind Regulierungen, die auf die Entscheidungsfreiheit der Konsumenten abzielen, indem durch staatliche Vorschriften die Wahlmöglichkeiten manipuliert oder gar ausgeschaltet werden. Das kennen wir aus autoritären Systemen leider bestens.

Dieser sogenannte liberale Paternalismus ist zumindest auf den ersten Blick viel toleranter und freiheitlicher. Er will nämlich die Wohlfahrt des Einzelnen durch Be­freiung von dessen eigenen kognitiven Limiten und irrationalen Fehlern vergrössern. Dabei sollen die angepeilten Verhaltensweisen nicht durch Zwang, sondern unter Wahrung der Wahlfreiheit erreicht werden. Oder anders gesagt: Diese neue Regulierungsvariante will nur dem Einzelnen von aussen helfen, seine eigenen Ziele besser zu verwirklichen, ohne ihm die Entscheidungsfreiheit (ganz) zu rauben. In Experimenten zeigen Verhaltensökonomen auf, dass wir bei unseren Entscheiden eben viele und erst noch systematische Fehler machen.

Aber machen denn die Moralisten, Ideologen oder Bürokraten beim Staat keine Fehler? Wir können aus unseren eigenen Fehlern – anders als im Experiment – lernen und tragen die Konsequenzen selber. Was aber, wenn sich gesellschaftliche Grossexperimente wie die Energiewende als nicht machbar herausstellen sollten?

Die «Sündensteuer»

Liberale Ökonomen wie John Stuart Mill, Friedrich August von Hayek oder Amartya Sen haben diese «Prozess-Dimension» der Entscheidungsfreiheit stets zu Recht betont. Liberal heisst hier, dass wir autonom und unbeeinflusst von den Präferenzen anderer selber entscheiden dürfen, aber auch selber die Verantwortung tragen müssen. Angeblich will auch der demokratische und liberale Paternalismus dies respektieren. Die Verhaltensziele wie etwa Reduktion des Tabakkonsums, Stromsparen oder Zwangsvorsorge für das Alter sind demokratisch legitimiert. Und unsere Wahlfreiheit bleibt bestehen, nur dass jetzt auf gesundheitsschädlichen Produkten eine «Sündensteuer» erhoben, als Standardprodukt Öko-Strom angeboten oder die berufliche Vorsorge für obligatorisch erklärt wird. Man darf aber weiter ­rauchen und notfalls auch den Öko-Strom «abwählen» oder die zweite Säule partiell vorbeziehen. Doch wehe, wenn wir von diesen verbleibenden Freiheiten zu intensiv Gebrauch machen. Dann meint die Politik halt schärfer und direkter regulieren zu müssen. Drastisches Beispiel dafür ist die Bekämpfung des Rauchens, wo immer mehr Örtlichkeiten oder Werbeformen zu Verbotszonen mutieren. Oder beim Auto: Angefangen hat es mit der Pflicht, Sicherheitsgurten einzubauen, dann kam die Pflicht, diese auch zu tragen und dies alles mit automatischen Warnsignalen oder gar durch Blockierung des Motors durchzusetzen.

Zu Beginn will die Politik damit ja nur dem Einzelnen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, sei das nun bezogen auf die eigene Gesundheit, die finanzielle Sicherheit, die Schonung der Ressourcen oder die Verbesserung der Energieeffizienz. Aber weil die Regulatoren in der Regel noch weniger wissen können, was für uns gut oder schlecht ist, werden wir unser Verhalten meistens nicht im gewünschten Sinne anpassen. Die Regulatoren werden daher leider Gottes die Entscheidungsspielräume durch Erhöhung der Sündensteuern, durch Mengenrationierungen oder Verbote von Vorbezügen der zweiten ­Säule einschränken müssen!

Weil die Franchisen bei der Krankenversicherung angeblich zu Fehlentscheiden der Versicherten oder gar zur Entsolidarisierung führen, will Bundesrat Alain Berset (SP) die Wahlmöglichkeiten einengen. Politische Versuche, Verhaltensmuster gegen die Präferenzen der Menschen zu erzwingen, müssen in ­einer totalen Planwirtschaft enden.

Funktionäre finden immer etwas, was noch zu perfektionieren wäre. Diese Gefahr ist bei der paternalistischen Verhaltensregulierung besonders gross, weil hier eigentlich keine Grenzen bestehen in der Art, wie die paternalistischen Gutmenschen unsere Freiheiten beschneiden müssen – zum Wohle der Menschheit oder zur Rettung vor dem Weltuntergang.

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Eingeordnet unter Regulierung

Kaltduschen mit Doris: Die Welt ist gerettet! -Oder?

Die Klimakonferenz in Paris ging, wie erwartet, in die Verlängerung. Am Ende resultierte ein Abkommen. Darum wird die Konferenz als Erfolg gewertet. Die Umwelt-Aktivisten und Aktivistinnen jubeln. Das Dokument „empfiehlt“ den Staaten, den CO2-Ausstoss bis 2035 drastisch zu senken und „verpflichtet“ sie, die Erderwärmung auf 2°C zu beschränken, wenn möglich auf 1,5°. So weit, so gut gemeint.

Fürst Grigorji A. Potemkin, der seiner Zarin Katharina blühende Dörfer vorgaukelte, indem er leere Fassaden baute, war ein Anfänger verglichen mit den Autoren des Abkommens. Es gaukelt Hoffnung vor, sonst bringt es gar nichts.

Wie können wir da so sicher sein?

Lesen Sie hier die Antwort:
http://kaltduschenmitdoris.ch/themen/energiestrategie-2050/item/166-welt_gerettet

Dabei erfahren Sie auch, weshalb sich auf Long Island die Heizölindustrie im öffentlichen Interesse für die Solarenergie eingesetzt hat.

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Sitzung bei Bundesrätin Doris Leuthard

Fritz SutterGastbeitrag von Fritz Sutter.

Fritz Sutter ist Vorstandsmitglied des Schweizerischen Telekommunikationsverbandes Asut. In seinem Protokoll einer (fiktiven) „Sitzung bei Bundesrätin Doris Leuthard“ äussert er seine persönliche Meinung. Das Protokoll erschien unter der Rubrik „Sutters Bits & Bytes“ in der Dezembernummer (Nr. 12) 2015 des Swiss IT Magazines.

Eingeladen ist eine Expertengruppe mit Marc Furrer, Präsident der Comcom, Philipp Metzger, Direktor des Bakom, und Stefan Meierhans, Preisüberwacher.
Einziges Traktandum: Die Revision des Fernmeldegesetzes FMG.

Sitzung bei DLBR Leuthard: Guten Morgen, meine Herren. Danke für die Vernehmlassungsvorlage. Ich habe dazu einige Fragen und Vorschläge. Grundsätzlich: Ist die Revision des FMG nötig? Oder könnte man es gleich ganz abschaffen?

Bakom-Direktor: Ähm… einerseits ja, anderseits doch nicht.

Comcom-Präsident: Ich kann ein überzeugtes «vielleicht» anfügen.

Preisüberwacher: Auch ich bin da ganz meiner Meinung.

BR Leuthard: Gemäss Zweckbestimmung des FMG sollen, ich zitiere: «der Bevölkerung und der Wirtschaft vielfältige, preiswerte, qualitativ hochstehende sowie national und international konkurrenzfähige Fernmeldedienste angeboten werden». Das haben wir doch schon lange erreicht, oder?

Preisüberwacher: Ja, die Preise purzeln seit Jahren wie in keiner anderen Branche.

Comcom-Präsident: Unsere Netze gehören weltweit zu den Besten. Die Schweiz ist Weltmeister bei den Telekom-Investitionen.

Bakom-Direktor: Schon. Aber in unserem Amt wollen wir weiterhin bei der Fiktion bleiben, den Markt durch staatlich dekretierten Wettbewerb zu gestalten.

BR Leuthard: Aha, Planwirtschaft. Das muss einem endlich mal gesagt werden.

Comcom-Präsident: Sehr hilfreich wären beispielsweise die auf Vorrat einsetzbaren Regulierungsmassnahmen. Wir verschleiern sie mit dem Hüllwort Toolbox, andere nennen sie eher Pandorabüchse. Schon der frühere Preisüberwacher Rudolf Strahm forderte, nach Gefühl in den Markt eingreifen zu können, ohne Parlament und Bundesrat.

Preisüberwacher: Origineller Ansatz. Mehr Gefühl in der Regulierung finde ich cool.

BR Leuthard: Die Klimakatastrophe bringt mich auf eine Idee: Was halten Sie davon, in der Telekommunikation wie beim Strom eine kostendeckende Telekom-Einspeise-Vergütung TEV einzuführen? Für jeden Haushalt ein subventioniertes WLAN. Die Bürger verpflichten sich, über diese Mini-Netze zu telefonieren. Die WLAN-Eigentümer erhalten während zwanzig Jahren garantierte Einspeise-Vergütungen.

Bakom-Direktor: Ausgesprochen kreativer Vorschlag. Und wer soll es finanzieren?

BR Leuthard: Wir machten beim Strom gute Erfahrungen mit dem KEV-Fonds, gespeist von allen Stromkonsumenten. Analog dazu könnte man eine Telekom-Gebühr einführen, eine zwangsbeglückende Steuer für jedes Gespräch, jedes Mail und jede gesurfte Internet-Seite.

Comcom-Präsident: Gefällt mir. Allerdings führten diese Eingriffe beim Strommarkt zu riesigen Verlusten und Abschreibungen bei den grossen Energieanbietern. Auch in der Telekom-Branche würde das rasch zu roten Zahlen bei Salt, Cablecom, Swisscom, Sunrise & Co. führen.

BR Leuthard: Ja mei, machen wir uns nichts vor, so wirkt halt staatliche Marktwirtschaft, mit solchen Kollateralschäden muss man rechnen. In einem nächsten Schritt schwebt mir eine noch weitergehende Lösung vor wie beim Fernsehen: Die Telekom-Zwangsabgabe TZA für alle, also auch für jene, die kein Telefon haben.

Bakom-Direktor: Dann bräuchte es ja das Bakom gar nicht mehr! Ich bitte Sie!

BR Leuthard: Das ist ein schlagendes Argument. Danke, meine Herren. Ich fasse zusammen: Objektive Gründe für eine FMG-Revision liegen nicht vor. Aber wir wollen das Gesetz trotzdem verschärfen mit regulierungstherapeutischen Massnahmen auf Vorrat. Wir behaupten einfach, dass der Markt die Resultate nicht bringe, welche sich die Regulierung vorstellt.

Alle im Chor: So ist es, so sei es!

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Prophet in eigener Sache

Borner abgeschnIn einer Propaganda-Broschüre singt Bertrand Piccard das Hohelied auf die Energiewende. So fragwürdig wie sein Dogmatismus ist auch sein Flaggschiff, die «Solar Impulse».

(Dieser Beitrag wurde zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 49/15 vom 3. Dezember 2015, S. 24, publiziert.)

Der Herbst 2015 hat uns nicht nur mit herrlichem Wetter beglückt, sondern als Gratisbeilage auch eine unsägliche Propaganda-Broschüre «Neue Energie für die Schweiz» beschert, die von öffentlichen Kassen mitfinanziert wird. Der Untertitel ist besonders hane­büchen: «Die Energiewende wird im Kopf ­blockiert». Richtig hätte es heissen müssen: «Die Energiewende findet durch ‹brainwashing› nur in den Köpfen statt».

Diese Kolumne befasst sich aus Platzgründen nur mit dem Editorial des renommierten und respektierten Dr. Bertrand Piccard. Was dieser durchaus physikalisch-technisch versierte Promotor des «Solar Impulse»-Flugzeugs von sich gibt, zeigt in der ganzen Breite und Tiefe auf, wie die Energiewende eine kollektive Ideologie mit quasireligiösem Charakter geworden ist.

Der erste Punkt von Piccard beginnt vielversprechend: «Versorgungssicherheit entsteht durch eine intelligente Kombination von verschiedenen Energiequellen.» Bei näherem Hinsehen verfällt der bekannte Luftfahrttüftler allerdings bereits hier in Dogmatismus, weil er nur die sogenannt erneuerbaren Energien dazurechnet. Diese sind aber alles andere als unbegrenzt, wenn man den Platzbedarf für Sonnen- und Windenergie und den Landverschleiss für Biomasse mitberücksichtigt.

Flaggschiff am Limit des Möglichen

Bei der Speicherung setzt Piccard auf Technologien wie Pumpspeicher, Wasserstoff, Druckluft oder Boiler und Batterien. Pumpspeicher produzieren keinen zusätzlichen Strom, sondern verlieren durch das Pumpen gut 20 Prozent Energie. Wasserstoff und Druckluft sind technisch machbar und funktionieren im ­Labor, allerdings mit so geringen Wirkungsgraden, dass sie eine wirtschaftliche Umsetzung im Mega- oder gar Terawatt-Bereich ausschliessen. Boiler und Batterien mögen dezentral den Tag-Nacht-Ausgleich bewältigen, aber sicher nicht die saisonale Überbrückung auf der Netzebene.

Gemäss Piccard ist die kostendeckende ­Einspeisevergütung (KEV) keine Subvention, sondern «eine intelligente Umlage der Erst­investition auf die Endverbraucher». Piccard gesteht hier unfreiwillig ein, dass die KEV in der Tat eine Umverteilungsmaschine zwischen Solarinvestoren ist, die aber voll zu Lasten der Konsumenten und Mieter geht. Sie ist daher nicht nur ineffizient, sondern auch unsozial. Weiter meint Piccard, dass «bei den erneuerbaren Energien alle externen Kosten im Preis enthalten» seien. Das ist in zweifacher Hinsicht falsch: Erstens machen die Flatterproduktionen von Wind und Sonne zusätzliche – und sonst überflüssige – Investitionen in Reserve- und Netzkapazitäten nötig, die nicht die Produzenten, sondern allein die Konsumenten bezahlen. Diese Systemkosten steigen zudem überproportional an, je grösser die Anteile von Wind und Sonne werden. Zweitens stecken in den Solarzellen und den Windrädern viel graue Energie und Giftstoffe, deren Beseitigung gefährlicher ist als die bereits vorfinanzierte Lagerung des «Atommülls». Dieser ist schon heute eher ein Rohstoff für morgen als ein Abfall von gestern. Weiter schreibt Piccard, dass wir mit LED-Lampen und Wärmepumpen zwei Kernkraftwerke einsparen könnten. Dabei übersieht er, dass fast zwei Drittel des Stromverbrauchs im industriell-gewerblichen Sektor anfallen, wo ganz andere Bedingungen herrschen als in Haushalten.

Am Schluss lesen wir: «Die Energiewende kann nur stattfinden, wenn auch der rechtliche Rahmen stimmt. Der Erfolg hängt deshalb auch vom ­Pioniergeist unserer Behörden ab.» Als ob Behörden ausser im militärisch-strategischen Bereich je produktive Innovationen und technische Fortschritte hervorgebracht hätten! Nein, der wirtschaftliche Rahmen muss stimmen, so dass sich auch in der Energieversorgung die unternehmerischen Investoren und Innovatoren nach den Marktkräften ausrichten.

Piccards eigenes Flaggschiff, das «Solar Impulse»-Projekt, hat bisher ohne Imageschaden 168 Millionen Franken und Unmengen grauer Energie verschlungen. Dafür verdient er unsere Bewunderung, schlägt er doch im Kanalisieren von öffentlichen Geldern auf eigene Mühlen selbst die Agrarlobby. Dank verdient er aber auch dafür, der ganzen Welt demonstriert zu haben, wie eng und unverrückbar die physikalischen Grenzen der Solarenergie für die wirtschaftliche Nutzung gesteckt sind. Im Gegensatz zu den Prototypen der Wright-Brüder wird es hier keinen Fortschritt mehr geben, weil man bereits am Limit des technisch Möglichen ist.

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Für dumm verkauft

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(Publiziert in Basler Zeitung vom 4. Dezember 2015.)

Es wird einem in diesen Tagen nicht einfach gemacht sachlich zu bleiben. Das Trommelfeuer der Berichte über zukünftige Horrorstürme, Dürren, versinkende Inseln und Eisbären auf schmelzenden Eisschollen, hat mit dem Klimagipfel in Paris vermutlich seinen Höhepunkt erreicht. Noch selten wurde ein Thema so professionell emotionalisiert wie der Klimawandel. An sich ein Zeichen, dass es mit der Wissenschaftlichkeit nicht weit her sein kann. Bedenklich ist in der Tat, was einem als vermeintliche Fakten aufgetischt wird.

Es wird ernsthaft vorgerechnet, dass sich das Klima bis Ende des Jahrhundert um 2.6°C erwärmen wird, falls die CO2-Emissionen nur gemäss den Pariser Verpflichtungen reduziert werden sollten. Man muss dem Weltklimarat zu gut halten, dass dieser Unsinn nicht direkt aus seiner Feder kommt. Wer sich mal bemühen würde deren Berichte zu lesen, kommt zu höchst erstaunlichen Einsichten: Selbst wenn die ganze Welt ihre Emissionen in den nächsten 55 Jahren auf Null (!) runterschrauben würde, ergeben die Klimamodelle immer noch eine Erwärmung zwischen 0.9 – 2.3°C.  Die Modelle zeigen eine enorme Variation, unabhängig der weiteren CO2-Emissionen.
Man kann das ganze Kesseltreiben noch auf die Spitze treiben, indem man vorrechnet wieviel CO2 jedes Land noch ausstossen darf, um das 2 Grad Ziel zu erreichen. Wie bereits die fixe Zahl zwei verrät, hat das nichts mehr mit Wissenschaft zu tun. Ein solch mechanistisches Modell wie CO2 sich in der Atomsphäre buchhalterisch aufsummieren soll und damit direkt die Erdtemperaturen steuert, ist eine Beleidigung für jeden Naturwissenschaftler der genau weiss, dass der Kohlenstoffkreislauf chaotischen Abläufen unterliegt, wie in allen natürlichen Systemen. Immer wenn irgendwo ein Ungleichgewicht entsteht, hat das eine Folge für die angrenzenden Systeme, mit welchem das wieder austariert wird. So wird die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht einfach gemäss den Emissionen linear zunehmen. Der Austausch mit den Ozeanen und der Landvegetation verändert sich gleichfalls. Letzteres ist übrigens ein nachgewiesener Effekt: Die Erde ist grüner geworden. Das beweisen Satellitenbilder. Aber weil das ein positiver Effekt ist, darf man nicht darüber sprechen.

Jedermann dürfte sich bewusst sein, dass wir unseren Wohlstand auf dem Gebrauch von Erdöl und Gas, und in andern Ländern hauptsächlich mit Kohle, aufbauen. Dass wir uns so versorgen ist tatsächlich nicht nachhaltig, selbst wenn es diese Ressourcen noch lange geben wird. Da müssen wir unsere Köpfe anstrengen neue, nachhaltige Quellen zu finden. In den hochentwickelten Industriestaaten ist es dank Effizienzsteigerungen bereits gelungen, die Wirtschaftsleistung von zusätzlichem Energiebedarf zu entkoppeln.
Der Wohlstand der Menschheit hat sich immer mit Erfindungen verbessert, das dürfte auch in Zukunft so sein. Erfindungen werden auch in Zukunft alle Prognosen über den Haufen werfen. Angstmacherei und staatliche Zwangsmassnahmen sind dazu höchst ungeeignet.

Empörend ist eigentlich nicht einmal 2000 Wattder Unsinn, der da im Namen des Klimaschutzes verbreitet wird, sondern für wie dumm der denkende Bürger verkauft werden soll.

Lesen Sie hier eine Zusammenfassung meines Buches „Der 2’000-Watt-Irrtum“. (Per Klick auf das Bild gelangen Sie zum Buch.)

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James Hansen on nuclear power

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von | 1. Dezember 2015 · 13:43

Bundesrat plant eine Renaissance von Gosplan


Wie einst in der sowjetischen Zentralverwaltungswirtschaft plant der Bundesrat ein Klima- und ­Energielenkungssystem, ­das zu einer Reduktion der Emission von Treibhausgasen führen Schipssoll. Die gutgemeinten Absichten sind zum Scheitern verurteilt.

Eine gekürzte Fassung dieses Textes ist in der Weltwoche vom 12.11.2015 unter dem Titel „Nichts gelernt“ erschienen.

Anfang und Ende von Gosplan

Das Akronym „Gosplan“ bezeichnete die für die Planung wirtschaftlicher Aktivitäten in der ehemaligen Sowjetunion verantwortliche und in der Regel von einem Mitglied der sowjetischen Regierung geleitete Behörde. Diese Organisation wurde zu Beginn der Zwanzigerjahre im letzten Jahrhundert zunächst nur konzipiert, um eine rasche Umsetzung der geplanten Elektrifizierung des Landes zu ermöglichen und den damit einhergehenden strukturellen Umbaus der sowjetischen Volkswirtschaft zu unterstützen. Bereits kurz danach wurde Gosplan jedoch auch damit beauftragt, detaillierte Mehrjahrespläne zur zentralen Steuerung der gesamten Produktion und Nachfrage auszuarbeiten. Gosplan ging dabei zwar von der doch recht „gewagten“ Annahme aus, dass für einen Zeitraum von gut 20 Jahren die technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen hinreichend bekannt sind, beschränkte sich aber trotzdem überwiegend auf weit weniger realitätsferne Fünfjahrespläne. Weiterlesen

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FACT SHEET: Obama Administration Announces Actions to Ensure that Nuclear Energy Remains a Vibrant Component of the United States’ Clean Energy Strategy | whitehouse.gov

Und hier noch was:

 

Nuklearforscherin Leslie Dewan will die Energie in Atommüll nutzen:

«Den Strombedarf könnten wir für 70 Jahre decken»
(Interview, verfügbar in BaZ, 14. 11. 2015, S. 6.)

„Atommüllvernichter“ (Beitrag im Blog „Kaltduschen mit Doris“

Dewan-Energiesuisse-10 November 2015
(Referatsfolien von Leslie Dewan)

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von | 16. November 2015 · 9:52

Can we Rely on Wind and Solar?

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von | 6. November 2015 · 10:27

Wie konnte es nur je so weit kommen?

al-gore-17408390035_xlarge(Publiziert in Basler Zeitung vom 15. Nov. 2015)

Beim Thema Klimawandel scheint es nur noch zwei Sichtweisen zu geben: Diejenige der Apokalyptiker und diejenige der Klimaleugner. Im angelsäch­sischen Sprachgebrauch werden die einen ­«alarmists», und die andern «deniers» genannt, alles abschätzige Bezeichnungen. Der differenzierte wissenschaftliche Diskurs ist Ideologien gewichen. Der schädlichste aller Sprüche «The science is settled» hat das Seine beigetragen. Er ist Ausdruck eines Dogmatismus, der einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig ist. Ich habe im Internet Diskussionsforen zum Thema Klimaveränderung unter die Lupe genommen. Gefunden habe ich valable Argumente pro und contra, die aber immer wieder durch dümmste Vorwürfe auf peniblem Niveau heruntergerissen werden. Erdölfinanzierte Auftragsforscher oder naive Weltverbesserer sind noch die Anständigen. Ein sachlicher Dialog findet in diesen Foren kaum statt. Leider sind das aber die Quellen, welche Medienschaffenden am ehesten zugänglich sind. Wer sich dieser bedient, trägt das undifferenzierte Bild in die Öffentlichkeit.

Blenden wir zehn Jahre zurück. Der von Al Gore initiierte Film «An Inconvenient Truth» hat der sachlichen Auseinandersetzung zu Klima­fragen ein Ende gesetzt. Dort wurden unhaltbare Horrorszenarien zum Klimawandel in brillanter Hollywood-Manier inszeniert. Sie haben ihre ­Wirkung nicht verfehlt. 2007 erhielt der Film zusammen mit dem Weltklimarat IPCC den ­Friedensnobelpreis. Damit war das Thema ­emotionalisiert und einer politischen Institution wurde die Salbung der Unfehlbarkeit erteilt.

Was Naturwissenschaftler aller Richtungen an Wissen zum Verständnis des Klimageschehens erarbeitet haben ist grossartig. Die wissenschaftlichen Beiträge, die dem IPCC als Basis ihrer Beurteilung dienen, sind von höchster Qualität. Was aber daraus in den «Summaries for Policymakers» zusammengezogen wird, unterliegt keinem Peer- Review mehr. Durch den Segen des Friedens­nobelpreises sind diese Zusammenfassungen zu unanfechtbaren Wahrheiten geworden. Das ist für den wissenschaftlichen Diskurs extrem schädlich. Im politisch vergifteten Milieu gelang es sogar, das Wort Skeptiker zum Schimpfwort zu erheben, obwohl die Skepsis das Qualitätsmerkmal jedes seriösen Wissenschaftler sein sollte.

Es darf doch nicht sein, dass, wenn man ­kritische Fragen zu den Mechanismen und Zusammenhängen zwischen menschengemachtem CO2 und Klimawandel stellt, man immer zuerst erklären muss, dass man die beobachtete ­Klimaerwärmung gar nicht infrage stelle und das übermässige Verfeuern fossiler Rohstoffe auch nicht gut finde. Das Ablegen solcher Gelübde, bevor man angehört wird, mag bei religiösen Ritualen noch angehen, hat aber in einer ­aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen.

Effizienzsteigerung und Entwicklung neuer Energien sind Daueraufgaben unserer Gesellschaft. Das sind Selbstverständlichkeiten, die man nicht mit jedem zweiten Wort mit CO2-Reduktion und Klimawandel in Zusammenhang bringen muss. Dazu braucht es weder Drohszenarien noch postulierte Notsituationen. Das sind normale ­Herausforderungen, die keinen marktverzerrenden Subventionen bedürfen. Im Gegenteil, Subventionen und politische Lenkungsmechanismen schaden nicht nur der Wettbewerbsfähigkeit, ­sondern der Innovation selbst. Das Ausschalten des Marktes fördert nur das Wuchern nicht lebensfähiger Produkte. Ideologien dürfen nicht zur Richtschnur von Forschung und Wissenschaft werden. Das sind pathologische Entwicklungen, die es zu erkennen und zu unterbinden gilt.

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S. Fred Singer: Paris will be a big „nothing-burger“

American ThinkerParis Climate Conference is likely to fail

(S. Fred Singer, Blog „American Thinker“, October 21, 2015)

COP-21, the 21st Conference of the Parties (to the Global Climate Treaty) is convening in Paris (November 30 to December 11, 2015) to try to impose global restrictions on the emission of the greenhouse (GH) gas carbon dioxide. The usual cast of characters will show up — delegates from nearly 200 nations, who have made a lifetime career out of the climate business, plus some 15,000 hangers-on. We think they will fail to reach an effective international agreement — for a variety of reasons: Important developing countries have other priorities; scandals are brewing and may flare up; and the climate itself is not cooperating.   But the media will portray Paris as a huge success, trying to burnish the environmental-climate legacy of President Barack Obama. Paris will be a big “nothing-burger” …

Lesen Sie hier weiter: Paris Climate Conference is likely to fail

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Prof. Föllmi: Geld bleibt hier – aber dafür ist weniger da

Reto Föllmi Professor für Volkswirtschaftslehre, Universität St. Gallen

Reto Föllmi, Professor für Volkswirtschaftslehre, Universität St. Gallen

(Dieser Beitrag erschien unter dem Titel „Kampagne ‚Geld bleibt hier‘ bewirkt das Gegenteil“ in Die Volkswirtschaft, Nr 11/2015)

In der gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Debatte sind verschiedene Ideen im Umlauf, die eine irgendwie geartete Abhängigkeit vom Ausland verhindern möchten. So wird beispielsweise gefordert, den Selbstversorgungsgrad an Nahrungsmitteln zu erhöhen oder auf vermeintlich teure Energieimporte zu verzichten. In einer breiten „Geld bleibt hier“- Kampagne vermittelt ein Komitee den Eindruck, es sei doch besser, einheimische Energien zu fördern statt viel Geld für Öl-, Gas- und andere Energieimporte auszugeben.

Hier geht’s weiter…

Quelle: Geld bleibt hier – aber dafür ist weniger da | Batz

KompVorteile

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Die grüne Hysterie

Dirk Maxeiner und Michael Miersch, DIE WELT (Reblog)

Vor 50 Jahren fingen die Deutschen an, sich Sorgen um die Umwelt zu machen. Heute leben sie in einem Öko-Musterland. Dieser Erfolg wird nun zur Gefahr: Bio ist eine Art Religion – die Widersprüche und Irrsinn erzeugt.

Sind Sparleuchten umweltfreundlich, die giftiges Quecksilber enthalten? Ist Bio-Landwirtschaft wirklich ökologisch, wenn sie für den gleichen Ertrag doppelt so viel Land benötigt? Sind Windkraftwerke umweltfreundlich, die Tausende Vögel und Fledermäuse zerhacken? Welche Folgen hat Biodiesel für die Natur, wenn er aus Palmöl stammt für dessen Anbau Regenwälder abgebrannt werden? Warum interessiert es deutsche Sonnenfreunde nicht, dass chinesische Solarzellen-Fabriken die Umwelt verschmutzen und Menschen vergiften?

Lesen Sie hier weiter: Die grüne Hysterie – Nachrichten – DIE WELT

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Michel de Rougemont: Non, je ne suis pas climato-sceptique, mais climato-hérétique

MdRLe consultant Michel de Rougemont ne doute pas que le climat soit sous pression. Mais doute que l’on puisse incriminer uniquement l’activité humaine. Pour lui, le GIEC, c’est comme la Congrégation pour la doctrine de la foi dans l’Eglise catholique 

(Dieser Text von M. de Rougemont erschien zuerst in „MR’s Blog – on & off the line“ und dann in leicht geänderter Form in Le Temps. Er wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors wiedergegeben.)

Il est dangereux de se faire traiter de climato-sceptique, cela semble être devenu une pathologie à ajouter à la liste officielle des troubles mentaux, ou alors une attitude plus dangereuse que tous les terrorismes réunis. Il faut désormais considérer toute atteinte potentielle au mal-être des générations futures comme un crime contre l’humanité qui mérite, par anticipation, toutes les rigueurs de la loi. Weiterlesen

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Prof. Haucap: Umlage für Ökostrom steigt und steigt und steigt

Lesen Sie im Ökonomen Blog (Klick auf Bild):

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Blasenbildung aller Art

(Publiziert in Basler Zeitung vom 9. Oktober 2015.)

Bubble about to explode by a needleÖl zu Schleuderpreisen, wertlose Kohle, Shell zieht sich aus der Arktis zurück, Glencore stürzt ab. Das sind Schlagzeilen der letzten Wochen. Ist das das viel beschworene Platzen der Carbon ­Bubble?

Umweltaktivisten und Klimaschützer sind davon überzeugt und scheinen recht zu erhalten. Sie haben das Platzen einer solchen Blase schon seit Längerem angekündigt. Dank den Klimaschutzzielen sei die Zeit der Erneuerbaren endgültig angebrochen und die Endzeit der ­fossilen Energieträger eingeläutet. Weiterlesen

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VW-Abgasaffäre: Strategisches Spiel

Die Abgasaffäre um den VW-Konzern hat ein ­aussergewöhnliches Ausmass angenommen. Nüchtern betrachtet, ist der Fall ziemlich alltäglich.
(Dieser Beitrag ist zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 41.15 (8. Oktober 2015, S. 28) erschienen und wird hier mit deren freundlichen Genehmigung wiedergegeben).

Die mediale Empörung ist unüberhörbar, die politische Reaktion übertrieben, der Wertverlust für VW existenzbedrohend. Da sieht man wieder, wie gierig, trickreich und gesetzeswidrig Grosskonzerne handeln! Und dann erst noch ein deutsches halbstaatliches Unternehmen mit hohen Corporate-Social-­Responsibility-Ansprüchen! Aus der nüchternen Sicht der politischen Ökonomie ist der Fall, vom Ausmass her betrachtet, aussergewöhnlich – aber vom Typus her ziemlich alltäglich. Hinzu kommt, dass der Schaden am Klima vernachlässigbar ist und auch die betroffenen Autokäufer anders keinen Schaden erlitten haben. Weiterlesen

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Der Bio-Erdgas-Schwindel

Borner abgeschnDie Industriellen Werke Basel (IWB) täuschen ihre Kunden nicht nur ungestraft, sondern erst noch mit breiter ­politischer Unterstützung.
(Zuerst erschienen in: „Die Weltwoche“, Ausgabe 39/2015, S. 30.)

Der Wettbewerb ist der harte Kern der Marktwirtschaft. Er benötigt einen staat­lichen Schutz durch das Kartellgesetz, das schädliche Wettbewerbsabreden und Missbräuche von Marktmacht verbietet. Daneben gibt es das Bundesgesetz gegen den unlau­teren Wettbewerb (UWG), das im Geschäftsverkehr das Treu-und­-Glauben-Prinzip gewährleisten soll. Geschützt werden dadurch Konkurrenten, Kunden und insbesondere auch Konsumenten. Der Bund kann von sich aus eingreifen, wenn Kollektivinteressen betroffen sind. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Wettbewerb

Alle nennen sich liberal, aber niemand handelt so

Borner abgeschnDer folgende Beitrag ist als Gastkommentar in der NZZ vom 24. September 2015 (S. 12) erschienen. 

Fast alle geben heute vor, «liberal» zu sein, aber antiliberale Fehlregulierungen, Marktverzerrungen und Freiheitsbeschränkungen sind wie nie zuvor auf dem Vormarsch. Es wimmelt nur so von Bindestrich-Liberalen – Grün-Liberalen, Sozial-Liberalen, Links-Liberalen, die sich vor allem durch das Präfix auszeichnen. Und die wenigen verbliebenen echten Liberalen werden als erzliberal, liberalkonservativ oder gar ordo- und neoliberal in eine extremistische Ecke gestellt. Die Politik will die Marktergebnisse sozial korrigieren und den Einzelnen umfassend vor anderen, aber auch vor sich selber schützen. Gut gemeint? Vielleicht, aber sicher schlecht herausgekommen. Weiterlesen

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Borner: Der Jahrhundertfehler ist nahezu perfekt

Aus einem Mail von Silvio Borner zur Debatte der Energie“strategie“ 2050 im Ständerat:

Der Jahrhundertfehler ist nahezu perfekt: Alle notwendigen Elemente wie Ideologie, Propaganda, Eigendynamik und Sonderinteressen haben das rationale und eigenständige Denken ausgeschaltet. Die Wende wird erst kommen, wenn das Volk die Kosten wirklich spürt.

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FuW19. September 2015, S. 3.

HGF

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von | 18. September 2015 · 23:43

Leserbeitrag zur Zahlenakrobatik der grünen Industrie

Blogleser Willy Stucky hat uns ein paar interessante Berechnungen zu Energie- und Leistungsangaben der Proponenten der Energie“strategie“ 2050 zugestellt. Zitate aus seinem Papier:

Nun beabsichtigt die grüne Industrie, den Strom aus AKWs durch Wind- und Sonnenenergie zu ersetzen, was allein schon eine bedenkliche Unklarheit impliziert, denn entscheidend ist nicht die elektrische Energie, sondern die elektrische Leistung, die permanent entweder verbraucht oder gespeichert werden muss.

Nur unter der Bedingung beliebig grosser Speichermöglichkeiten könnte ehrlicherweise von Energie im physikalischen Sinne gesprochen werden, was die grüne Industrie natürlich auch weiss, aber wohlweislich
verschweigt.

Sie verschweigt z.B., dass die 50 MWp Solarstrom (2014) unter Berücksichtigung der Nächte und der Wintermonate, d.h. übers Jahr gerechnet, lediglich 48 GWh Energie ergeben, was 0,09% der in der Schweiz im Jahr 2014 verbrauchten elektrischen Energie (55 TWh) entspricht – 0,09% N. B. und nicht etwa 0,33%, weil ein „ZwölfSonnenstunden-Tag“ keine vernünftige physikalische Grösse ist.

Wer im Zusammenhang mit Solarstrom mittels Energie-Kennzahlen operiert, ohne gleichzeitig die zurzeit jährlich produzierte AKW-Energie in der Grössenordnung von 22 TWh zu erwähnen, argumentiert unredlich.

Historisch betrachtet, sind solche Propagandatricks typisch für Diktaturen.

Laden Sie Stuckys Papier herunter und überzeugen sich selbst, wie er zu diesen und weiteren Folgerungen kommt:
Willy Stucky: Atomausstieg unter Berücksichtigung der Zahlen der grünen Industrie.

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Der Umwelt nützt es nichts

Hoehener(Dieser Text erschien als Leserbrief in der Neuen Zürcher Zeitung vom 16.9.2015, Seite 9.)

Dass der Strom, welcher mit Wasserkraft produziert wird, keine Abnehmer findet, ist nicht ein Problem, sondern die Folge einer verfehlten und skandalösen Energiepolitik. Diese lässt zu, dass Strom aus nichtplanbarer Produktion mit Subventionen gefördert und durch Einspeiseregeln geschützt wird. Nur deswegen gerät die qualitativ beste aller Erneuerbaren ins Abseits! Weiterlesen

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Wetter und Klima: Hand aufs Herz

Haering grünZuerst als Kolumne erschienen in der Basler Zeitung vom 10. 9. 2015, S. 8.

Haben Sie den schönen Sommer nicht auch genossen? Und hat Ihnen die ­Mitteilung, dass dies der heisseste Juli weltweit war, die Laune dabei ­verdorben? Und werden Sie deshalb sofort Ihr Auto verkaufen und nur noch Velo fahren? Wenn Sie die erste Frage mit ja und die beiden andern mit nein beantworten, gehören sie vermutlich zur überwiegenden Mehrheit und ­sollten ein fürchterlich schlechtes Gewissen haben. So zumindest, wenn es nach Sektierern grüner Denkart geht. Weiterlesen

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Perpetuum mobile per Gesetz

Borner abgeschnWie in der Physik, so gibt es auch in der Ökonomie unverrückbare Gesetzmässigkeiten. Wenn Politiker diese zu ignorieren versuchen, wird es teuer.
(Dieser Beitrag erschien zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 37.15, S. 20.)

Jeder Ingenieur oder Physiker kennt Carnot. Jeder Ökonom kennt Cournot. Diese beiden Genies, Carnot als Ingenieur und Cournot als Mathematiker, haben im 19. Jahrhundert in Paris gelebt und Gesetze formuliert, die in ­ihrer Einfachheit und Allgemeingültigkeit ­die technisch-wirtschaftliche Entwicklung entscheidend geprägt haben. Weiterlesen

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Michel de Rougemont: Paradoxe électrique

Peu me chaut que, au cours de son histoire, le secteur électrique suisse ait fait le beurre bien gras et continu des collectivités locales, communes et cantons, et que cette rente tire à sa fin. Peu me chaut que les deux grandes compagnies productrices et vendeuses en gros aient des difficultés pour justifier les énormes immobilisations non rentables qu’elles n’ont pas su ou voulu déprécier dans le passé –il fallait les garder dans les bilans sinon on aurait pu croire que le kWh était déjà vendu trop cher.Peu me chaut que les distributeurs locaux –qui en fin de compte sont les propriétaires de la production mais se sont découplés du transport à haute tension (swissgrid)– se plaignent que les conditions d’antan ne soient plus respectées. Peu me chaut que les opérations de trading qui se font sur le marché européen (donc très majoritairement extérieur à la Suisse) soient d’une rentabilité catastrophique car ce n’est pas vraiment un marché sinon de dupes jouant au poker menteur. Peu me chaut que les Allemands aient biaisé les conditions d’échange en fournissant à prix nul au moment de la journée où l’on avait l’habitude d’avoir des prix de pointe.

Lesen Sie weiter in „MR’s Blog“: Paradoxe électrique

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von | 9. September 2015 · 0:16

FIGARO Magazine: Éoliennes, le scandale

(Par Vincent Nouzille. Publié le 04/09/2015)

snip_20150905230135«Ils vont en mettre partout. C’est un désastre!» Valérie Bernardeau ne cache pas sa colère. Habitante du petit village de Puisieux-et-Clanlieu, niché en plein cœur de la campagne picarde, cette propriétaire d’un château de renom, entouré d’un jardin à la française, redoute l’installation programmée de plusieurs éoliennes autour de chez elle. «Je risque d’en avoir derrière la maison, et aussi devant», se lamente-t-elle. A la défiguration du paysage s’ajoute la baisse attendue de la valeur du château.«Si les éoliennes s’installent, je vais vendre, mais je crains une décote de 30 à 40 %, comme partout dans la région», s’alarme-t-elle.

Lesen Sie das PDF: Éoliennes, le scandale

Und noch dies:

Deutsche Energiewende versagt

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Langsam beginnt es zu dämmern

In der Energiepolitik dominieren eine angeblich bessere Moral und eine schöngeredete Nachhaltigkeit. Die Wissenschaft aber darf sich in der Energiefrage keinen Sonderinteressen und Ideologien unterwerfen.

(Als Gastkommentar des Autors zuerst in der NZZ vom 31. August 2015, S. 8, erschienen und hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion nachgedruckt.)

06orpjl8gvfeht1qfftkdxw4a63dxdioDie geistige Umnachtung durch die Energiewende weicht langsam einer politischen und wissenschaftlichen Morgendämmerung. Das ist weiter nicht verwunderlich, wenn wir bedenken, dass der Entscheid für einen Verzicht auf inländischen Nuklearstrom zum einen rein wahltaktischem Opportunismus entsprang und zum anderen auf unbrauchbaren wissenschaftlichen Grundlagen basierte. Die Studien von Prognos waren ursprünglich nur mögliche Szenarien, die kurzfristig und gefällig dem Entscheid des Bundesrats angepasst wurden. Das Gutachten von drei ETH-Professoren ist als Prognose für 2050 unbrauchbar und wurde von Bundesrätin Doris Leuthard taktisch geschickt als ein offizielles ETH-Urteil umgedeutet.

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Energie: Wo die Chancen für Fortschritt liegen

Rainers Blog

Die physikalischen Gesetze setzen der Freiheit der Forschung natürliche Grenzen, meint Prof. Silvio Borner in seinem Beitrag »Langsam beginnt es zu dämmern« zur Schweizer Energiewende. Der Optimismus vieler energetischer Heilsbotschaften widerspreche dem von Carnot entwickelten thermodynamischen Gesetz.

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Energiestrategie: „Ausser Spesen…“

Von Dominik Feusi (Reblog)

Feusi ZeichnungDie Energiestrategie in der Schweiz will wie die Energiewende in Deutschland gleichzeitig aus der Kernkraft ­aussteigen und die Abhängigkeit von fossilen ­Energieträgern reduzieren, damit weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gerät. Deutschland ist uns um rund fünf Jahre voraus.

Soeben ist bekannt geworden, dass der Anteil der Erneuerbaren am deutschen Primärenergieverbrauch seit 2010 bei rund 10 Prozent stagniert, obwohl jährlich mehr als 20 Milliarden Euro an Subventionen ausgeschüttet werden. Von diesem Zehntel ist der grösste Teil Energie aus Biomasse, Biokraftstoffen und Holz. Die Sonne steuert ein Prozent und die Windkraft 1,5 Prozent bei. Der Energieverbrauch konnte seit dem Jahr 2000 immerhin um 7 Prozent verringert werden. Wegen sinkender Subventionen sinken seit 2011 die Investitionen in Solaranlagen. Das zeigt: Ohne Geld vom Staat steht die deutsche Energiewende vor dem Aus.

Wie in Deutschland ist auch hierzulande der Verkehr der grösste ­Energieverbraucher. Aber an diesem Thema will sich niemand die Finger verbrennen. Damit rücken die Ziele der Energiestrategie in die Ferne. Was bleibt, ist die Umverteilung von Geld. Angesichts der schlechten Nachrichten aus Deutschland ist verständlich, dass die vereinigten Subventions­jäger von einem «Marschhalt» bei der Energiestrategie in der Schweiz nichts wissen ­wollen. Die Kampagne will «dran­bleiben», um das Geld ins Trockene zu bringen, bevor es zu spät ist.

(Veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 29.08.15 sowie in Feusis „Ordnungspolitischer Blog„.)

Energiestrategie: Ausser Spesen… « Ordnungspolitischer Blog

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von | 29. August 2015 · 11:21

Blackout im Kopf

a2assz3xe3pm1swtciabbyenbqgwp3qqAbbrechen oder weiterquälen? Die Politik hadert mit der Energiewende. So wie das Vorhaben jetzt vorliegt, wird es an der Realität zerschellen. Die ökonomischen Gründe.

Staatliche Planvorgaben für den Energie- und Stromverbrauch sowie die Zusammensetzung des «Energie-Mix» für 2035 und 2050 sind schon aus physikalisch-technischen Gründen unrealistisch. Bei Fotovoltaik, Windkraft und Geothermie werden wir Bruchteile des Geplanten erreichen oder gar bei null bleiben. Dies hat kürzlich auch der ehemalige Direktor des Bundesamts für Energie bis ins letzte Detail begründet: Fotovoltaik und Windkraft können ohne Subventionen im Strommarkt nicht überleben und werden mit steigender Verbreitung immer unwirtschaftlicher. Weiterlesen

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„Energiewende“ in China: Die Entwicklung neuer Technologien

Hoehener und pebbles

In China ist zur Zeit der erste, kommerziell zu nutzende Hochtem­peratur-Kugelhaufen Reaktor (Typ HTR-PM) im Bau und soll im Quartal III/ 2017 ans Netz geschaltet werden und damit die Produktion aufnehmen. Damit wird die Inbetriebsetzung des ersten Generation IV Kernkraftwerkes der Welt, Realität. Ein Ereignis, das aufhorchen lässt und das insbesondere durch die Kreise, welche heute die Anwendung der Kernkraft verdammen und deshalb auch ein entsprechendes Technologieverbot herbeiwünschen, zur Kenntnis genommen werden muss: Diese neue Kernkraftwerksgeneration hat technische Eigenschaften, die bisher Gewohntes im positiven Sinne aushebeln, hervorzuheben sind hier Sicherheit und Wirkungsgrad.
In den rund 25 Jahren, in welchen ich mich intensiv mit der Entwicklung von China im allgemeinen und der Industrie und Energiewirtschaft im Besonderen auseinandergesetzt habe, hörte ich immer wieder dieselben Vorurteile wie: Rückständig, Entwicklungsland, können nur kopieren und dergleichen mehr. Die enormen wirtschaftlichen, technischen sowie auch gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre werden gerne übersehen. Dass China mit dem Hochtemperaturreaktor eine Technologie- Führungsrolle übernimmt, erstaunt eigentlich nicht und ist auch ein Schritt, dass diese Nation die ihr zustehende Rolle im Verband der Nationen wieder einnehmen kann und wird.

Laden Sie hier den Beitrag von Emanuel Höhener als PDF herunter.

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von | 27. August 2015 · 10:39

Herzliche Gratulation! Silvio Borner gewinnt den Preis für die Freiheit

Borner Preis für die Freiheit Borner BaZ

Lesen Sie (Klick auf Bild): links NZZ, rechts BaZ.

Und lesen Sie hier die Dankesworte des Preisträgers und sehen Sie sich die Fotos an.

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Hochspannung August 2015

Hochspannung

Laden Sie durch Klick auf Bild die August-Ausgabe von „Hochspannung“ herunter.

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Peter Hettich: Ist der Regierung die Energiestrategie entglitten?

Energiepolitik als Gesellschaftsprojekt

In der Zeitung fand sich Ende letzter Woche ein Gastbeitrag von Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie. Der Beitrag trägt den Titel „Energiepolitik als Gesellschaftprojekt“ und behandelt Aspekte der Energiestrategie 2050. Angesichts der Komplexität dieses Geschäfts, das derzeit in den eidgenössischen Räten behandelt wird, erscheint eine unbefangene Auslegeordnung des Amtsdirektors hochwillkommen. Meine hohen Erwartungen wurden jedoch enttäuscht; vielmehr beschleicht mich das Gefühl, dass der Regierung der Revisionsprozess entglitten ist […]

Lesen Sie weiter in Hettichs Blog „Regulierung.ch“: Energiepolitik als Gesellschaftsprojekt

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Gewitter am Regulierungshorizont

Gewerbeblog

Henrique Schneider, Ressortleiter Schweizerischer Gewerbeverband sgv

Wer zu Berg geht weiss es: Das Wetter ist launisch. Was einmal sonnig und mild aussieht, kann leicht in ein Gewitter umschlagen. Launisch wie das Bergwetter scheint auch der Bundesrat zu sein. Einmal beschwört er die Senkung der Regulierungskosten; dann reguliert er drauf los.

Noch im Juli beschwörte die Regierung den Willen, unnötige Regulierungskosten zu reduzieren. Geortet wurden diese Kosten gerade in Energie- und Umweltrecht. Beispiele dort, wo KMU von der CO2 Abgabenbefreiung ausgeschlossen werden. Oder bei Regulierungen, welche energetische Sanierungen verunmöglichen. Diese wollte der Bundesrat abbauen, wie er sagte. Wie ein Sonnenstrahl im milden Bergsommer wollte die Regierung sogar mit Steueranreizen arbeiten. Biotreibstoffe aus besonders nachhaltiger Produktion sollten von der Mineralölsteuer befreit werden.

Anstatt Regulierungskosten zu senken, verfügt die Exekutive eine Erhöhung der CO2-Abgabe um 40 Prozent und weitet die adminstrativen Belastungen im Bereich der Umweltverträglichkeitsprüfungen aus. Anstatt Regulierungskosten zu senken, verfügt die Exekutive eine Erhöhung der CO2-Abgabe um 40 Prozent und weitet die administrativen Belastungen im Bereich der Umweltverträglichkeitsprüfungen aus.

Und dann kam der Donner. Aus…

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Vreni Spoerry: „Weder notwendig noch vorsichtig“

Lerbrief in NZZ vom 15.08.2015, Seite 20

Keine Änderung des Kernenergiegesetzes

Der Nationalrat will im Kernenergiegesetz ein Verbot von Rahmenbewilligungen für ein neues Kernkraftwerk einführen (NZZ 13. 8. 15). Das ist weder notwendig noch vorsichtig. Zurzeit steht ein Gesuch für eine Rahmenbewilligung mit Garantie nicht zur Debatte. Die Entwicklung der Technik geht aber weiter. Zu einem späteren Zeitpunkt werden Reaktortypen zur Verfügung stehen, die noch sicherer arbeiten und weniger Abfälle produzieren. Sollte dann eine Rahmenbewilligung ausgesprochen werden, untersteht diese nach dem geltenden Kernenergiegesetz dem Referendum. Ohne Zustimmung des Volkes gibt es also kein neues Kernkraftwerk. Die aufgegleiste Energiewende kann ihre Ziele nur erreichen, wenn in einem zweiten Paket Lenkungsabgaben eingeführt werden. Ob diese in der obligatorischen Verfassungsabstimmung genehmigt werden, ist fraglich. Verzögerungen sind die Folge. Es muss noch mehr Strom importiert werden als ohnehin schon geplant. Bis jetzt haben wir aber kein Stromabkommen mit der EU. Ob und zu welchen Bedingungen wir ein solches aushandeln können, ist offen. Damit wird eine sichere Stromversorgung massiv gefährdet. Ein Strommanko ist kürzlich als grösstes Risiko der Schweiz formuliert worden.

Ist es da vorsichtig, eine Technologie gesetzlich aus unserem Land zu verbannen, obwohl die Schranke durch eine Volksabstimmung schon heute besteht?

Vreni Spoerry, Horgen Alt-Ständerätin

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von | 15. August 2015 · 11:46

Kiener: Zielerreichung unwahrscheinlich

Hier können Sie den Beitrag von Eduard Kiener als PDF herunterladen.

Kiener

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von | 14. August 2015 · 19:43

Energiewende muss vors Volk

Studerus_140815

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von | 14. August 2015 · 12:09

„Vision Null“ – globaler Verzicht auf fossile Energieträger

Eines der von den Medien besonders herausgestellten Ergebnisse des letzten Treffens der G-7-Länder war der Beschluss, darauf hinzuwirken, dass bis Ende dieses Jahrhunderts weltweit auf den Einsatz fossiler Energieträger verzichtet wird (Dekarbonisierung der Weltwirtschaft). Weiterlesen

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Unredlich!

(Reblog aus Kaltduschenmitdoris.ch)

Die Energiestrategie 2050 des Bundesrats, die sogenannte Energiewende, hat ein einfaches, klares Ziel: Ersatz der Kernkraftwerke durch erneuerbare Energie. Zu diesen zählen Photovoltaik, Windenergie, Biomasse und Geothermie. Auch ein Ausbau der Wasserkraft wird angestrebt. Sollte das nicht reichen, kann man immer noch importieren und Gaskraftwerke bauen.

Schon kurz nach Bekanntgabe dieses Plans erschienen „wissenschaftliche“ Studien, die belegten: “es geht!“ So von Lucas Bretschger, Göran Andersson und Konstantin Boulouchos von der ETHZ, und von Farid Comaty, Andreas Ulbig und Göran Andersson von der ETHZ zuhanden der Schweizerischen Akademie der technischen Wissenschaften. Die ETH-Leute kümmerten sich allerdings nicht um die Kosten. Schliesslich publizierte eine Gruppe um Silvio Borner eine umfangreiche Studie zu den direkten und indirekten Kosten der Energiewende. Sie wurde kaum zur Kenntnis genommen, obwohl (oder vielleicht weil) sie klar nachwies, dass die Kosten für unsere Volkswirtschaft untragbar sein werden.

Eine Frage wurde erstaunlicherweise bisher nicht gestellt: Wie weit reichen die „Fördergelder“?

Lesen Sie die Antwort im Blog

Kaltduschen

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von | 8. August 2015 · 21:34

Energiestrategie 2050 vors Volk! – offener Brief an den Ständerat

Offener Brief

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von | 7. August 2015 · 11:14

Erdöl ist eine erneuerbare Ressource!?

(Aus Blog „BEWIESEN“.)

Wissenschaftler der KTH, die Königlich Technische Hochschule Stockholm, Schwedens grösste technische Universität, haben bewiesen, dass fossile Tiere und Pflanzen nicht notwendig sind um Rohöl oder Erdgas zu formen. Dieses Ergebnis bedeutet eine radikale Wende in der Auffassung, woher Erdöl stammt. Und es bedeutet, es wird viel leichter sein, diese Energieressourcen zu finden und das Quellen überall auf der Welt anzutreffen sind.

Lesen sie den Bericht hier: Bewiesen – Erdöl ist kein fossiler Brennstoff

Leider scheint diese Meldung eine alte Ente zu sein, wie mir hier mein Namensvetter Dr. Markus O. Häring, Geologe, eben mailt:

Lieber Markus

Sorry, das ist Bullshit.

Diese Behauptung geistert seit über 20 Jahren rum. Die Schweden haben mit ihrer Bohrung im Silian Ring (alter Vulkan) damals sehr viel Geld verloren, um diese Theorie zu prüfen. Das Resultat war niederschmetternd negativ. Trotzdem gibt es immer noch Abenteurer, die diese Idee am Leben halten.

Jedes Erdöl kann man heute chemisch auf seine Herkunft typisieren: Welche Algen, Pflanzen, Organismen die Quelle waren. Alter und Herkunft: Landpflanzen oder Meeresbiologie.

Abiotisches Erdöl gibt es nicht.

Abiotisches Methan hingegen ist in nicht kommerzielen Mengen aus dem Erdinnern nicht auszuschliessen. Schliesslich kommt es auch im Weltall vor. Aber sämtliche kommerziellen Erdgasvorkommen sind biologischen Ursprungs.

Mit besten Grüssen, Markus

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von | 6. August 2015 · 10:44

Greg Mankiw: How Not to Pass a Carbon Tax

How Not to Pass a Carbon Tax

As long-time readers of this blog know, I have long advocated greater use of Pigovian taxes, such as taxes on carbon emissions. Such taxes can correct incentives by aligning private and social costs, and the revenue from such taxes can be used to reduce other, distortionary taxes. Lesen Sie hier weiter: Greg Mankiw’s Blog: How Not to Pass a Carbon Tax.

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von | 5. August 2015 · 23:20

Will das WEKO-Sekretariat Swisscom-TV zur Kooperation statt zum Wettbewerb zwingen?

Wettbewerbspolitik

Swisscom sieht sich erneut Vorwürfen und einer Sanktionsdrohung des Sekretariats der Wettbewerbskommission ausgesetzt. So soll die die Tochtergesellschaft Teleclub von Swisscom bei der Bereitstellung von nationalen Fussball- und Eishockeyübertragungen (=relevante Märkte?!) über eine marktbeherrschende Stellung verfügen und diese in unzulässiger Weise missbraucht haben. Der Missbrauch soll offenbar darin bestehen, dass Swisscom bei der Vermarktung der Sportübertragungen die eigene TV-Plattform (Swisscom TV) gegenüber konkurrierenden TV-Anbietern (z.B. upc cablecom) begünstigt.

Sportübertragungsrechte werden allerdings in der Regel durch die Sportverbände im Bieterwettbewerb versteigert. Der Sieger wird die erworbenen Rechte mittels Eigenleistungen (z.B. Produktion von TV-Bildern und Kommentar) veredeln und nachher als Sendung den Endkunden anbieten. Ohne Details zu kennen, kann man sich leicht vorstellen, dass diese Eigenleistungen nicht nur erhebliche Kosten verursachen, sondern im Moment des Investitionsentscheids auch keineswegs sicher ist, dass später eine erfolgreiche Vermarktung möglich sein wird. In den Augen des Sekretariats verfügt der Gewinner des Bieterwettbewerbs jedoch offenbar fast automatisch über eine marktbeherrschende Stellung und…

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Adieu, Suppenknorrli

Das Parlament will den Wettbewerb stärken, ­ indem es die Importpreise senkt und die Swissness schützt. Mit ­beiden Vorschlägen schiesst sich die Schweiz in den eigenen Fuss.

KnorrliWirtschaftspolitische Fehler werden häufig in Kauf genommen, weil es angeblich um höhere Werte und hehrere Ziele geht als um schnöde Effizienz durch Wettbewerb. Motto: Für mehr Gerechtigkeit, Solidarität, Nichtdiskriminierung und heutzutage vor ­allem zur Vermeidung des klimabedingten Weltuntergangs nehmen wir halt ein paar ökonomische Nachteile in Kauf. Leider treten diese Nachteile mit Sicherheit auf, während die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass die anvisierten Ziele verfehlt werden.

Derzeit liegen zwei Vorlagen auf den Pulten unserer Parlamentarier, die den Wettbewerb stärken sollen. Zum einen geht es um die Swissness-Vorlage, welche die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Produkten verbessern will. Zum andern ist es die In­itia­tive von Ständerat Hans Altherr (FDP), welche das Kartellgesetz verschärfen möchte, um insbesondere die Importpreise wettbewerbsrechtlich in den Griff zu kriegen. Gut gemeint genügt aber nicht; denn in beiden Fällen würden die nicht beabsichtigten Folgen dem Standort Schweiz unterm Strich klar schaden.

Das ist beim Kartellgesetz leicht aufzuzeigen, weil vertikale Abreden – also beispielsweise Abreden zwischen Hersteller und Detailhandel – in aller Regel den Wettbewerb zwischen den Marken stärken. Und weil der dem Vorstoss zugrundeliegende Begriff der «relativen Marktmacht» in einen bürokratischen Dschungel führen müsste. Wenn ausgerechnet Coop oder Migros Markenartiklern «relative Marktmacht» unterstellen, grenzt das ans Lächerliche. Zudem ist unvorstellbar, wie ausländische Lieferanten oder Händler gezwungen werden könnten, den schweizerischen Handel zu europäischen Tiefstpreisen zu beliefern, wie dies Altherr offenbar vorschwebt. Opfer würden primär die heimischen Markenartikelproduzenten.

Nur die Bauern profitieren

Zurzeit versucht Rivella, im grenznahen Ausland Fuss zu fassen, was nur mit Preiszugeständnissen funktionieren kann. Aber wie könnte Rivella im Ausland neue Absatzmärkte erschliessen, wenn das Unternehmen dann die Grosshandelspreise im gefestigten Inland auf das europäische Niveau senken müsste? Zudem wird übersehen, dass für Schweizer Kunden die Detailhandelspreise relevant sind und nicht die Einkaufspreise. Hier könnte die Wettbewerbskommission (Weko) ruhig mal die Marktmacht des Duopols Migros und Coop anschauen, statt auf Nivea, Jura oder BMW herumzuhacken.

Swissness will sicherstellen, dass «drin ist, was draufsteht». Im Zug der Globalisierung sind die Wertschöpfungsketten von Industriegütern so lang und komplex geworden, dass das nationale Markenimage wichtiger ist als der nationale Anteil. Mercedes oder Audi sind und bleiben deutsche Qualitätsautos, auch wenn sie ganz woanders hergestellt werden.

Heikel für die Schweiz wird es bei indus­triell verarbeiteten Lebensmitteln. Hier sollen gemäss Gesetzesvorlage 80 Prozent aller Rohstoffe aus der Schweiz stammen. Das führt zu einer heillosen Bürokratie, um Nachweise zu erbringen und Ausnahmebewilligungen einzuholen. Wer profitiert, ist einmal mehr die Landwirtschaft, weil das 80-Prozent-Kriterium protektionistisch und monopolisierend wirkt und die Agrarpreise abermals erhöht.

Völlig daneben wäre es, diejenigen Markenhersteller ins Ausland zu vertreiben, die ausschliesslich importierte Rohstoffe wie Kakao, Rohrzucker oder Kaffee verarbeiten. Swissness besteht hier vor ­allem in der Sorgfalt, Präzision und Qualität der Verarbeitung zu Schokolade, Bonbons, Biskuits oder Getränken. Zentral ist, dass ein Schweizer Unternehmen den ganzen Produktionsprozess integral steuert und für die Qualitätskontrolle der vorge­lagerten und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen die volle Verantwortung übernimmt.

Wenn ich Pommes-Chips vergleiche, ist die Herkunft der Kartoffeln Nebensache. Die Grundstoffe der weltberühmten Schweizer Schokolade oder von Nespresso wachsen ja auch nicht im Inland. Aber gerade global operierende Konzerne, die bei Suppen oder Schokolade auf Schweizer Qualität in Verarbeitung und Vermarktung setzen – zum Beispiel Knorr –, würden als Erste aus der rohstoffmässig überregulierten Schweiz abhauen. Kleinere und mittlere und rein schweizerische KMU wie Maestrani, Kambly oder Rivella hätten wohl am meisten zu leiden. Lachhaft ist, dass die Schweizer Herkunft auch das grenznahe Ausland einschliesst, wenn Schweizer Bauern dort ihre Kühe weiden oder ihre Rüben pflanzen. Hier wird schon heute über den Hag gefressen.

(Dieser Beitrag erschien zuerst als Kolume in der „Weltwoche“ Nr. 30.15 vom 23. Juli 2015, S. 22.)

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Antitrust versus Market Dynamism

Wettbewerbspolitik

by John O. McGinnis

Library of law and libertyAntitrust regulation of monopolies and mergers is largely a second-best policy. In a nation open to trade with well functioning capital markets and without regulations that burden incumbents and exclude entrants, monopoly prices are hard to sustain. Like a dinner bell, they are instead a signal to others to come and get some juicy profits. These profits not only encourage existing firms to expand their operations but also entice entrepreneurial individuals to enter these markets. But if regulations make markets less dynamic, the price mechanism won’t work nearly as well. Regulations can make it harder for new firms to enter and for incumbent firms to expand.

Lesen Sie hier weiter.

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Coop: Einmal für mich und einmal für dich

Coop macht sich stark gegen die internationale Preisdifferenzierung auf Grosshandelsstufe und verlangt eine Art gesetzliche „Meistbegünstigung“ in dem Sinne, dass Coop zum tiefsten EU-Preis beliefert werden muss. Also geografische Preisdifferenzierungen und vertikale Bindungen sollen abgeschafft werden.

Für Dich und michGleichzeitig will Coop vorerst mal im online Handel eine Preisdifferenzierung nach Kundensegmenten bzw. Zahlungsbereitschaften einführen. Aber dies jetzt auf der Stufe der Konsumentenpreise. Also uns Konsumenten gegenüber versucht Coop genau das zu machen, was dieselbe Coop den Markenartiklern ankreidet und verbieten will. Endlich verstehe ich den Slogan: FÜR MICH UND DICH! Was FÜR MICH gut ist, ist halt FÜR DICH schlecht.

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Ausstieg aus der Kernenergie und Nuklearverbot / Abandon de l’atome et interdiction du nucléaire

Also ich beginne mit einem persönlichen Geständnis: Ich habe beschlossen, aus meinem Weinkeller auszusteigen und keine Bewilligungen für Neuanschaffungen mehr zuzulassen. Ich werde dieses «Coming Out» beim Anwalt deponieren und auch für meine Enkel bis ins Jahr 2050 verbindlich erklären lassen. Die Risiken des Weinkonsums sind nach japanischen Erfahrungen schlicht zu gross. Ich werde mich in Zukunft einfach mit Sonnenbaden und frischem Wind erholen. Aber auf gepasst: Der Keller ist noch prall gefüllt und wird solange genutzt werden, als der gelagerte Wein noch einen Genuss verspricht. Das ist bei den besten Tropfen noch für Jahrzehnte der Fall, sodass ich noch lange von neuen Alternativen träumen und schwafeln kann, ohne die sichere und angenehme Versorgung mit den edlen Tropfen von gestern und heute zu gefährden. Also solange ich noch im Amt bleibe, bleibt alles beim Alten.

Meine rein persönliche Weinwende ist somit einfach lächerlich und unglaubwürdig. Das gilt natürlich für die Energiewende und den sie dominierenden Ausstieg aus der Kernenergie ebenso. Nur handelt es sich hier um einen kollektiven Entscheid, der eher zum Weinen als zum Lachen ist, weil wir die Versorgungssicherheit mit Elektrizität von uns allen aufs Spiel und gewaltige Fehlinvestitionen in die Welt setzen.

Lesen Sie hier weiter:

Ein Facebook-Leser kommentierte zum Beitrag Folgendes:

Reto Mueller

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Versorgungssicherheit

Von Irene und Simon Aegerter

In der Kaffeepause einer Tagung steht eine Gruppe, darunter das Kaltduschenmitdoris-Team, um ein Tischchen herum. Da sagt einer, gestern sei sein Notstromdiesel eingetroffen. Er habe diesen gleich am Geburtstag seiner Frau eingeweiht und die Nachbarn hätten gefragt: „Was soll das? Was weisst du, was wir nicht wissen?“ Eine Dame ist nicht verblüfft: „Ich habe mir von meinem Mann einen zum Geburtstag gewünscht; wir evaluieren noch zwei Offerten.“ Eine dritte Stimme: „Meiner läuft schon seit zwei Jahren.“ Da meint der Pressesprecher, der daneben steht: „Ist das nicht eine schöne Schlagzeile: Strom-Insider kaufen Notstromdiesel!?“

Lesen Sie weiter auf Kaltduschenmitdoris.ch

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von | 18. Juli 2015 · 16:33

Selbstkasteiung soll uns retten

Wetter und Klima:
Selbstkasteiung soll uns retten

Klimaberater des Bundesrates fordern, dass man die CO2-Emissionen bis 2050 nicht nur um 80 Prozent, sondern sogar um ganze 95 Prozent senken müsste, und meinen, nur so sei eine ­Klimaerwärmung von weniger als zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts überhaupt noch möglich. Solchen Blödsinn höherer Potenz muss man sich einmal zu Gemüte führen.

Zunächst mal die Fakten. Erstens: Der weltweit zunehmende Verbrauch von Kohle, Öl und Gas ist besorgniserregend. Die immer noch stark wachsende Weltbevölkerung ist abhängig von ­diesen Ressourcen. Sie könnte ohne den Gebrauch fossiler Energie nicht einmal ihre Lebensmittel­versorgung aufrechterhalten.

Zweitens: Das Klima erwärmt sich seit dem vorletzten Jahrhundert. Am stärksten zwischen 1900 und 1940, als die globalen CO2-Emissionen fünfmal geringer waren und die Weltbevölkerung ein Drittel betrug. Und jetzt macht der Klima­wandel bei den viel höheren und rasant ­steigenden CO2-Emissionen seit 18 Jahren Pause. Der Glaube, dass das Klima mit dem CO2- Ausstoss direkt steuerbar sei, existiert nur in den Köpfen von Klima-Modellierern, nicht ­Klima-Beobachtern.

Drittens: Die Schweiz hat den tiefsten CO2-pro-Kopf-Ausstoss aller industrialisierten Staaten. Die Emissionen mit subventionierter Wind- und Solartechnologie noch weiter zu verringern, ­funktioniert nicht, wie uns Deutschland mit ­seinen doppelt so hohen Emissionen bildhaft demonstriert.

Viertens: Fünf Tonnen CO2 verursacht eine Person in der Schweiz jährlich. Fünf Prozent gestehen uns die Klimasektierer noch zu. Das ­entspricht ziemlich genau der Grössenordnung, was ein Mensch pro Jahr über die Atmung ausstösst. Andere Entgasungen nicht eingerechnet.

Fünftens: Wenn wir die 45 Millionen Tonnen, welche wir jährlich produzieren, statt auf neun neu auf zwei Millionen Tonnen reduzieren, wären ganze sieben Millionen Tonnen gespart. China darf laut den Klimazielen seinen Ausstoss von 8000 Millionen Tonnen bis 2030 noch jedes Jahr um mindestens weitere 100 Millionen Tonnen erhöhen. Man rechne.

Sechstens: Woher kommt eigentlich die ­Vorstellung, dass die Temperaturen der vor­industriellen Zeit ideal gewesen sein sollen? Dem Planeten und seiner Natur ging es sowohl in Kalt- und Warmzeiten immer prächtig. Nur der Menschheit ging es in Warmzeiten besser als in Kaltzeiten. Die ersten grossen Kulturen entstanden vor 5000 Jahren, als es wärmer war als heute. Seuchen und Hungersnöte begleiteten die Kälteperioden des 14. und des 17. Jahrhunderts.

Die absurde Fokussierung auf das CO2 blendet alle anderen Umweltprobleme, die eine wachsende Weltbevölkerung mit stetig wachsenden Ansprüchen verursacht, völlig aus. Sie verhindert die pragmatische Lösungsfindung. Leider wird sich dieses dumme CO2-Sperrfeuer bis zum Klimagipfel im Dezember in Paris noch erhöhen. Ge­scheiter werden die Forderungen deshalb kaum.

Und die Option, die den Verzehr an fossilen Brennstoffen vermutlich echt verringern könnte, die Entwicklung moderner Kernkrafttechnologie, darf man schon gar nicht diskutieren. Wind und Sonne sollen den kommenden zehn Milliarden Menschen reichen.

Der Aufruf zur Selbstkasteiung gegen den Welt­untergang war noch nie wirklich hilfreich. Dem Bundesrat wären besonnene und konstruktive Berater mehr zu gönnen als ein Haufen ­abgehobener Apokalyptiker.

Dr. Markus Häring ist Geologe, Experte für Energieträger aus dem Erdreich und selbstständiger Unternehmer sowie Mitglied der Eidgenössischen Geologischen ­Kommission (EGK). Diese Kolumne erschien in der Basler Zeitung vom 17. Juli 2015, Seite 9.

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Kurzanalyse von Prof. Peter Hettich in seinem Blog regulierung.ch.

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von | 9. Juli 2015 · 14:28

Erheblichkeit als Wieselwort

Wettbewerbspolitik

„Wieselworte saugen die Bedeutung aus den Sätzen, wie Wiesel Eier aussaugen – nur die leere Schale bleibt, scheinbar intakt, zurück.“ (http://de.wikimannia.org/Wieselwort; abgerufen am 3. Juli 2015).

„Der Nationalökonom Friedrich August von Hayek pflegte in seinen Vorträgen den Begriff „sozial“ ironisch als „Wieselwort“ zu bezeichnen. Je näher man ihm zu kommen scheint, umso schneller entzieht er sich der zugreifenden Hand.“ (zitiert aus der oben angegebenen Quelle und da zitiert nach  Bodo Rollka, Friederike Schultz: Kommunikationsinstrument Menschenbild: Zur Verwendung von Menschenbildern in gesellschaftlichen Diskursen, VS-Verlag 2010, ISBN 3-53117297-2, S. 42).

Heinemann will in einem eben erschienenen Aufsatz den Begriff „sozial“ zwecks Interpretation des Begriffs der „erheblichen Wettbewerbsbeeinträchtigung“ wiederentdeckt haben (S. 13, Rz. 47): „Abreden, die schon ihrer Natur nach schädlich für das gute Funktionieren des normalen Wettbewerbs sind, schaffen ein soziales Klima der Wettbewerbsfeindlichkeit, das schädlich i.S. des Kartellartikels der Bundesverfassung und des Zweckartikels des Kartellgesetzes ist…

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Flatterstrom überfordert Netze und Konsumenten

Calamitous Planning: German Wind Parks Overload Power Grid …”At Its Limits” …Record 50,000 Grid Interventions In May!

Online German NDR public radio here wrote last week how northern Germany’s power grid had suffered a major bottleneck that led to the overload of the Flensburg-Niebüll power transmission line in Schleswig Holstein last week.

Transformer

North German transformer stations constantly overloaded by wind power. Photo image cropped here (not a German station, for illustration only). 

Lesen Sie hier weiter…

NoTricksZone (Blog)

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Lesen Sie den Beitrag von Dr. Daniel Emch auf dem Blog

Wettbewerbspolitik

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von | 2. Juli 2015 · 0:28

Kraftwerke – Gewaltige Energie

etwasanderekritik

©Die Weltwoche; 25.06.2015; Ausgabe-Nr. 26; Seite 50

Warum kam es in Fukushima überhaupt zur Kernschmelze? Von Simon 22ab858Aegerter

Selbst nach dem Abschalten produziert ein Kernkraftwerk Wärme, die Nachzerfallswärme. Eine Stunde nach der Abschaltung sind es zwar nur noch 1,5 Prozent der vollen Leistung. Doch in Anbetracht der gewaltigen Energie, die in einem Kernreaktor steckt, ist dies immer noch viel Wärme. Der Reaktor muss also weiter gekühlt werden, sonst schmelzen die Brennstäbe und zerstören dabei den Reaktor.

Zwar ist es möglich, die Notkühlsysteme bei einem Stromausfall allein mit der Nachzerfallswärme zu betreiben. Leider hatte ein Operateur diese Kühlung in Fukushima Daiichi beim Block 1 kurz ausgeschaltet, weil sie zu stark wirkte. Nach dem Stromausfall konnte er sie nicht wieder in Betrieb nehmen.

Das Wasser, in das die Brennstäbe eingetaucht waren, begann zu verdampfen. Der Druck im Reaktordruckgefäss stieg, die Sicherheitsventile öffneten sich, und der Dampf entwich in den Sicherheitsbehälter (Containment). Die…

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Die Lehren aus Fukushima

etwasanderekritik

©Die Weltwoche; 25.06.2015; Ausgabe-Nr. 26; Seite 50

Im Rückblick ist die Panikmache nach dem Reaktorunglück unverständlich, jadr_irene_aegerter beschämend. Japanische AKW sind sicherer geworden. Der Atomausstieg wäre vor allem eine Katrastrophe für die Umwelt. Von Irene Aegerter *

Der 11. März 2011 gehört zu jenen Daten, die vielen in Erinnerung geblieben sind. Ich weilte damals mit meinem Mann in Florida. Beim Aufstehen las ich, noch halb verschlafen, auf meinem Handy die Meldung einer Schweizer Kollegin: Nach einem schweren Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami seien Probleme in einem japanischen Atomkraftwerk (AKW) aufgetreten. Wir schalteten sofort CNN ein, und dann schauten wir auch die Schweizer News via Internet.
Obwohl ich natürlich ein grosses berufliches Interesse an den gemeldeten Störungen im Kernkraftwerk von Fukushima Daiichi hatte, standen für mich vorerst die schrecklichen Bilder des Tsunami im Vordergrund. Was denkt ein Kind, das mit seiner Mutter den Berg hochrennt und dann die ganze Wucht der…

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Politisierte Klimaerwärmung

 

Von Markus Häring publiziert in Basler Zeitung vom 19. 6. 2015

Das Klima erwärmt sich. Seit 135 Jahren wird der Rückgang der Gletscher systematisch aufgezeichnet. Wie der globale Trend aber zeigt, erfolgt die Erwärmung nicht gleichmässig, sondern ­schubweise. Eine deutliche Erwärmung fand ­zwischen 1910 bis 1940 statt, danach folgte über dreissig Jahre ein Stillstand. Zwischen 1970 bis kurz vor der Jahrtausendwende stieg die globale Erwärmung wiederum gleich schnell an wie in der ersten Phase des 20. Jahrhunderts. Seit 1998 hat die Klimaerwärmung eine Pause eingelegt.

Die Phasen der Erwärmung und des Stillstands korrelieren nicht mit den stetig steigenden CO2-­Emissionen. Das beschäftigt auch den ­Weltklimarat (IPCC). Der hat nämlich die simple Formel in die Welt gesetzt: CO2-Zunahme gleich Klimaerwärmung und CO2-Stopp gleich Klimarettung. Auch wenn die Forderung nach einer Abkehr von fossilen Ressourcen berechtigt ist, solche ­Verkürzungen sind dumm und in der Sache schon gar nicht ­zielführend. Im Gegenteil, solche Forderungen sind politische Monster und untergraben die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft nachhaltig.

Billiger als Kohle

Der Missbrauch der Wissenschaft zu ­politischen Zwecken treibt immer keckere ­Blüten: Statistiker der amerikanischen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) wollen jetzt herausgefunden haben, dass der Unterbruch der ­Klimaerwärmung gar nie stattgefunden habe, sondern nur auf einer falschen Korrektur älterer Daten beruhe (Science Express, Karl et al. 2015). Die neuste Datenanpassung wird von unabhängigen Wissenschaftlern zu Recht infrage gestellt. Man kann schliesslich nicht gleichzeitig behaupten, die wissenschaftlichen Schlüsse zur Klimaerwärmung seien unumstösslich, und dann gleich heftig an den Zahlen zu schrauben beginnen, sobald die Realität von den Modellen abweicht.

Die USA waren bis vor wenigen Jahren das Feindbild des Weltklimarates, weil sie sich ­weigerten, das Kyoto-Protokoll anzuerkennen. Bis zum Schiefergasboom. Seither ist Erdgas dort ­billiger als Kohle. Da es nun billiger ist, mit Erdgas Strom zu erzeugen, sind die USA die Einzigen, ­welche die ambitiösen CO2-Reduktionsziele ­erfüllen. Und das mit einem Geschäft und nicht etwa mit wirtschaftsfeindlichen Methoden wie in Deutschland und bald auch in der Schweiz. ­Seither sind die USA ein Treiber der Klima­diskussion. Am kommenden Klimagipfel in Paris wollen sich die USA und China als Musterknaben im Kampf gegen den Klimawandel feiern lassen.

Das will man sich nicht durch unliebsame Klimadaten verderben lassen. China investiert massiv in den Kraftwerkbau, vor allem Kernenergie, Wind und Sonne. Bis 2040 will China seine Produktion mit Sonne und Wind je verdreifachen, mit ­Kernenergie aber vervierzehnfachen. China hat sich verpflichtet, damit seine CO2-Emissionen ab 2030 nicht mehr weiter zu erhöhen. Der Solaranteil an der Produktion soll 2040 dann ein Prozent betragen, der Windanteil 2,5 Prozent und der Kernenergieanteil neun Prozent. China wird zum wichtigsten und grössten Hersteller von ­Kernanlagen. Ein Riesengeschäft, wie der ­kürzliche Börsengang der China National Nuclear Power Corporation beweist. Innert kürzester Zeit war das Angebot von zwei Milliarden Dollar um mehr als das Hundertfache überzeichnet.

Es ist schon erstaunlich, wie man mit ­unterschiedlichsten Interessen zum Klimaretter werden kann. Der Spagat wird in Paris mit grosser Wahrscheinlichkeit gelingen und von der ganzen Welt gefeiert werden.

Dr. Markus Häring ist Geologe, Experte für Energieträger aus dem Erdreich und selbstständiger Unternehmer sowie Mitglied der Eidgenössischen Geologischen ­Kommission (EGK).
(Dieser Beitrag erschien zuerst als Kolumne in der Basler Zeitung vom 19. Juni 2015, Seite 9.)

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Die grosse Kakofonie

von Silvio Borner

Die Befürworter der Energiestrategie rennen alle in unterschiedliche Richtungen los. Dies offenbart ungewollt eine offizielle Publikation des Bundes.

Mit riesigem Aufwand bewerben Bundesämter und Interessenorganisationen die Energiestrategie des Bundesrats. Mehr und mehr stimmen auch Wissenschaftler in das einsei­tige Propagandakonzert ein, allen voran die ETH und der Nationalfonds mit seinem Forschungsprogramm 70/71. Der Energieverbrauch pro Person und Jahr solle zwischen 2000 und 2035 um 35 Prozent sinken, der Stromverbrauch ab 2020 stabilisiert werden. So weit das hehre Ziel. Doch darüber, auf welchem Weg es zu erreichen sei, herrscht auch drei Jahre nach Start des leuthardschen Mammutprojekts unter den Befürwortern nicht einmal ansatzweise Einigkeit.

Ein erschütterndes Zeugnis der Zerstrittenheit legt die neueste Ausgabe der Zeitschrift Die Volkswirtschaft ab. Diese wird vom Staats­sekretariat für Wirtschaft (Seco) herausgegeben und ist somit ein quasioffizielles Sprachrohr. Die letzte Nummer befasst sich mit dem ­Thema «Energie- und Klimapolitik» unter dem Motto «Lenken statt subventionieren». Im ersten Beitrag setzt das Seco die Agenda: «Eine isolierte und ehrgeizige Umweltpolitik», schreibt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Staatssekretariats, «hätte kaum einen Einfluss auf das Klima, sondern wäre [. . .] schädlich für die Volkswirtschaft». So ist es. Was immer wir klimapolitisch in der Schweiz machen – unser Anteil am weltweiten CO2-Ausstoss wird unter ein Promille sinken.

Es folgt das Gegenteil

Diese zentralen Einsichten werden in allen folgenden Beiträgen ausgeblendet oder übertüncht, ohne dass die offenkundigen Differenzen offen ausgetragen werden. Im anschlies- senden Beitrag, den das Bundesamt für Energie (BfE) und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) zusammen geschrieben haben, wird das genaue Gegenteil behauptet: Mit der Energie- wende würde «ein wichtiger Beitrag geleistet, um die klimapolitischen Ziele» auf inter­- na­tionaler Ebene zu erreichen.

Diametral unterschiedliche Vorstellungen auch beim vom Bundesrat angekündigten Übergang von einem Subventions- zu einem Lenkungssystem. Eine Lenkungsabgabe soll konventionelle Energien verteuern und staatsquotenneutral an die Bevölkerung zurück­gegeben werden. Das schliesst eine weitere Subventionierung der erneuerbaren Energien eigentlich aus. BfE und Bafu schreiben, die Einnahmen der Lenkungsabgabe würden «erst nach einer Übergangsphase vollständig an die Wirtschaft und Bevölkerung zurückverteilt». So solle die bestehende CO2-Abgabe ab 2021 schrittweise abgebaut werden und 2025 auslaufen. Die über den Netzzuschlag finanzierte Förderung der erneuerbaren Energien werde bis 2045 beschränkt. Ein ziemlich langer Übergang! Weitere Bafu-Autoren gestehen dagegen offen ein, dass der Bundesrat «auch in Zukunft auf einen breiten Mix an klimapoli­tischen Massnahmen setzt».

Kurt Lanz von Economiesuisse vertritt die typische «Ja, aber»-Haltung des Verbandes: «Die CO2-Abgabe und die KEV [kostendeckende Einspeisevergütung] müssen gleichzeitig mit der Einführung des Lenkungssystems ausser Kraft gesetzt werden.» Also ohne Übergangsphase! Um die Kakofonie komplett zu machen, fordern zwei Professoren des EPFL (ETH-Lausanne), die (nach bundesrät­licher Strategie eigentlich abzuschaffende) CO2-Abgabe müsse «rasch ansteigen und 2030 bei 257 Franken pro Tonne CO2 liegen». Danach sei sie weiter zu erhöhen, «bis sie den Benzinpreis um den Faktor 2,4 und den Heizölpreis um den Faktor 4,4» verteuere.

Was soll mit dem Geld passieren, das der Bund ab 2021 als «Lenkungs­abgabe» kassiert? Wie schon erwähnt, sollen die Einnahmen während einer Übergangs­phase von bis zu 25 Jahren weiterhin für Subventionen teilverwendet werden. Fast schon lustig sind die Positionen zur Verwendung des tatsächlich wieder ausgeschütteten Anteils. Economiesuisse will diesen «gezielt nach Wirtschaftssektoren zurückverteilen». ­Also sollen «die Abgaben einer bestimmten Branche auch wieder an die Unternehmen dieser Branche zurückverteilt werden». Travail Suisse sieht das genau umgekehrt: «Der Ertrag muss nach so­zialen Kriterien an die Bevölkerung zurückerstattet werden.» Für den Mieterverband sind «Pro-Kopf-Rückerstattungen zentral».

Von einer Strategie, die diesen Namen verdient, sind wir noch meilenweit entfernt. Die Bundesbroschüre deckt das ungewollt, aber schonungslos auf. Eine Volksabstimmung würde die Interessenkonflikte an die Oberfläche spülen. Aus dem derzeit mäandernden «Ja, aber» würde vor dem Volk rasch ein «So nicht!».

(Dieser Beitrag ist zuerst als Kolumne in der Weltwoche Nr. 24.15, S. 30 erschienen.)

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AUS für Kernenergie?

Rainers Blog

Steht Australien vor dem Atomeinstieg und der Lösung des weltweiten Atommüllproblems? In Südaustralien analysiert eine Royal Commission die Möglichkeiten. Ein Senator präsentiert die Vision eines nuklearen, atommüllfinanzierten Wirtschaftsaufschwungs.

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Wetter und Klima: Das Jahr ohne Sommer

Von Markus Häring

Vor genau 200 Jahren ist in Indonesien der ­ Vulkan Tambora explodiert. Es war der grösste je geschichtlich dokumentierte Vulkanausbruch. Die freigesetzte Menge an ausgestossenem ­Material war rund hundertmal grösser als beim Ausbruch des Mount St. Helens 1980 in den USA. Während einer Woche spie der Vulkan 160 ­Kubikkilometer Asche über 40 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Feine Aschepartikel verbreiteten sich weit über dem Wettergeschehen rasch um den Globus und verharrten dort über lange Zeit, was weltweit zu einem Jahr ohne Sommer führte. Die deutliche globale Abkühlung führte auch in der Schweiz zu einer Hungersnot. Zum Glück sind Vulkanausbrüche, die das Klima derart beeinflussen, selten.

Wenig bekannt ist, dass über 90 Prozent aller Vulkanausbrüche unter Wasser im Meer stattfinden. Sie werden in der Regel gar nicht beachtet. Die Mengen ausgestossener Gase wie CO2, ­Schwefelwasserstoff, Heisswasser und ­Schwebstoffe sind kaum untersucht und ­quantifiziert. Aber verglichen mit der Vulkan­aktivität an Land, muss es sich um gigantische Mengen handeln, die einen Einfluss auf die ­Meeresbiologie, Meereschemie und sogar die Meerestemperatur haben. Welchen Einfluss mag das auf das Klima haben? Wir wissen es nicht. Genauso wenig wie wir viele Phänomene der Natur noch nicht in ihrer ganzen Wirkung ­begriffen haben.

Trotzdem gibt es Klimawissenschaftler, die behaupten, man habe alles verstanden. Laufend unterschlagen wird, dass unser Klima in erster Linie durch Wasserdampf, dem wichtigsten ­Treibhausgas, bestimmt wird. Und unsere Erde ist ein Wasser- und kein Gasplanet. Wassertemperaturen haben einen direkten Einfluss auf das Klima. Wer an einer Meeresküste oder an einem See wohnt, weiss um den mildernden Einfluss grosser ­Wasserflächen. Die Wärmespeicherkapazität der Weltmeere ist um Grössenordnungen grösser als jene der Atmosphäre. CO2 ist ein Treibhausgas, aber gegenüber Wasserdampf ein untergeordnetes. Wäre CO2 der massgebliche Klimatreiber, müssten die Folgen der Anreicherung wesentlich direkter spürbar sein, ähnlich wie beim Ausbruch des Tambora. Das Klimasystem reagiert jedoch sehr träge.

Um die Klimaerwärmung zu begreifen, muss man auf jeden Fall die Dynamik der Ozeane besser verstehen. Der weltweite Gletscherschwund und parallel dazu ein Anstieg der ­Meeresspiegel hat bereits im 18. Jahrhundert ­eingesetzt, lange bevor CO2 von Menschen in bedeutenden Mengen in die Luft geblasen wurde. Und ausgerechnet in den letzten achtzehn Jahren, in welchen die ­allergrössten Mengen von Kohle und Erdöl verbrannt wurden, hat die Klima­erwärmung haltgemacht.

So einfach und direkt, wie es uns der ­Weltklimarat weismachen will, sind die Zusammenhänge halt eben nicht. So werden wir eine Klimaerwärmung mit dem Verzicht auf das Autofahren und Heizen mit Öl mit Garantie nicht stoppen. Was auf keinen Fall heisst, dass wir nicht Wege für eine nachhaltige Zukunft suchen ­müssen. Dass man das auch nüchtern und ohne Katastrophenszenarien angehen könnte, ist ­natürlich ein wenig langweilig und verkauft sich nie so gut wie Geschichten mit verzweifelten ­Eisbären auf schmelzenden Eisschollen. ­Allerdings dürften die Lösungen dann ein ­bisschen durchdachter und realistischer ­rauskommen. Angstmacherei ist ein übles ­politisches Instrument.

Dr. Markus Häring ist Geologe, Experte für Energieträger aus dem Erdreich und selbstständiger Unternehmer sowie Mitglied der Eidgenössischen Geologischen ­Kommission (EGK). Dieser Beitrag ist als Kolumne in der Basler Zeitung vom 21. Mai 2015 erschienen.

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von | 22. Mai 2015 · 1:01

«Wir können nicht einfach den Stecker aus der Atomkraft ziehen und davonlaufen»

Der ETH-Wirtschaftsphysiker Didier Sornette schlägt statt eines Endlagers die Renaissance der Nuklearforschung vor.

Radioaktive Abfälle lassen sich sicher im Untergrund versorgen. Das behauptet die Nationale Genossenschaft für die Lagerung Radioaktiver Abfälle (Nagra). Didier Sornette, Physiker und Professor für unternehmerische Risiken an der ETH Zürich, widerspricht. Bei der Risikoabschätzung werde die Instabilität der Gesellschaft ausser Acht gelassen.

>> Lesen Sie weiter in der Sonntagszeitung.

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Planwirtschaft statt Strommarkt

In den Schweizer Elektrizitätsunternehmen geben Politiker und Beamte den Ton an. Ihr Versuch, auf Kosten der Stromverbraucher und Steuerzahler die Welt zu retten, ist aber zum Scheitern verurteilt. Ein Kommentar von Markus Saurer.
Vor kurzem hat der frühere SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm die Elektrizität in seiner «Tages-Anzeiger»-Kolumne als «Krückenbranche» betitelt. Die grossen Stromkonzerne würden immer mehr Verluste einfahren, ihren mehrheitlich staatlichen Eignern massive Abschreibungen auf früheren Investitionen in Pumpspeicherwerke und Kernkraftwerke zumuten und jetzt noch nach Subventionen rufen. Diese Bestandsaufnahme ist lückenhaft und tendenziös. Was die Akzeptanz der Energiestrategie 2050 in der Öffentlichkeit unterminieren könnte, wird unterschlagen.
Natürlich sind nicht nur die Kernkraftwerke und die Pumpspeicherwerke der grossen Stromkonzerne, sondern vielmehr die Wasserkraftwerke aller Produzenten von Wertverlusten betroffen. Auch grosse und kleine Speicherkraftwerke und Laufwasserkraftwerke, die in der Energiestrategie 2050 eine wichtige Rolle spielen sollten, werden durch sinkende Preise im europäischen Stromhandel entwertet. Und die Stromhandelspreise sinken, weil der europäische Markt vor allem durch deutsche Milliardensubventionen an Wind- und Solaranlagen verzerrt ist.
Strahm macht die früheren Geschäftsleiter (CEO) der Konzerne Axpo, Alpiq und BKW für die Wertverluste ihrer Werke verantwortlich. Sie hätten die seit Mitte der Neunzigerjahre vor allem in Deutschland vorangetriebenen Investitionen in Solar- und Windkraftanlagen ignoriert, die technologische Entwicklung verschlafen und die erneuerbaren Energien verhöhnt.
Dabei hätten die Förderung erneuerbarer Energien und der Preiszerfall bei Solarpanels die mittäglichen und abendlichen Strompreisspitzen in Europa gebrochen. Die Rechnung der schweizerischen Stromkonzerne, mit Spitzenstromlieferungen in Europa gute Geschäfte zu machen, sei nicht mehr aufgegangen. Aber statt ihre Fehler zu korrigieren, hätten die Manager auf ihren politischen Einfluss in den Kantonen und in Bern sowie auf ihre Durchsetzungsmacht gegenüber Preisüberwachung und Elektrizitätsbehörde vertraut.
Duplizierung der Infrastruktur
Diese Kapuzinerpredigt kann die politisch immer stärker wankende Energiestrategie 2050 nicht stützen, da sie wenig bis nichts mit den tatsächlichen Verhältnissen und Zusammenhängen zu tun hat. Bis Fukushima war der schweizerischen Elektrizitätswirtschaft von der Politik verbindlich vorgegeben, auf Wasser- und Nuklearstrom zu setzen und die bestehenden Kernkraftwerke zu gegebener Zeit mit Nukleartechnologie neuerer Generationen zu ersetzen. Ergänzend wurde eine moderate – oder sagen wir: vernünftige – staatliche Förderung neuer erneuerbarer Energien in die Wege geleitet.
Aber jeder CEO, der seinem Verwaltungsrat darüber hinausreichende Engagements in Wind- und Solarstrom vorgeschlagen hätte, wäre zu Recht sofort entlassen worden. Denn solange ihre stark schwankende Erzeugung nicht zu marktfähigen Kosten gespeichert werden kann, lassen sich Wind- und Solarstromanlagen nicht kostendeckend betreiben. Für jedes Kilowatt an Wind- und Solarleistung muss im Netz mindestens ein Kilowatt Leistung in Nuklear-, Gas- oder Kohlekraftwerken bereitgehalten werden, um die Stromversorgung auch dann zu gewährleisten, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.
Die Manager haben also vor Fukushima nichts im Sinne von Strahm ignoriert, verschlafen oder verhöhnt. Sie haben ihre Unternehmen und die schweizerische Volkswirtschaft im Gegenteil vor einer betriebs- und volkswirtschaftlich schädlichen Duplizierung der Infrastrukturen verschont.
Genau diese schädliche Duplizierung muten aber der Schweiz seit Fukushima die Politiker und Beamten zu. Sie haben nach Fukushima die Führung in der Energiewirtschaft an sich gerissen und wollen mit der Energiestrategie 2050 die Nuklearenergie durch Erneuerbare  sowie durch rigorose Sparmassnahmen ersetzen; die Schweiz soll endlich von der Gefahr einer Nuklearkatastrophe befreit werden. Gleichzeitig sollen wir immer «ambitiösere» CO2-Reduktionsziele erfüllen und damit einen wesentlichen Beitrag zur der Rettung der Welt vor einer Klimakatastrophe leisten.
In dieser Zeitung wurde schon erörtert, aus welchen technischen, ökonomischen und institutionellen Gründen diese Politik das Etikett «Strategie» zu Unrecht trägt, ihre Ziele nicht erreichen kann und stattdessen mit einem Scherbenhaufen von Fehlinvestitionen enden wird (nebenbei: Je später diese Politik gestoppt wird, desto grösser wird der Scherbenhaufen sein). Auch die populistischen und opportunistischen Motive dieses politischen Jahrhundertfehlers wurden schon diskutiert.
Im Griff der öffentlichen Hand
Warum aber – kann man sich auch fragen – konnten sich die Elektrizitätsmanager offenbar nicht mit Erfolg gegen diesen politischen Irrweg und die Entwertung ihrer Unternehmen wehren? Gemäss der ökonomischen Theorie der Politik (Public Choice) gelingt es einer zu regulierenden Branche dank ihres Wissensvorsprungs auf Politiker und Regulierungsfunktionäre normalerweise, die Regulierung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die wahre Fehlleistung der Elektrizitätsmanager besteht deshalb wohl darin, politisch zu wenig Einfluss genommen zu haben.
Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass es in der Schweiz durchaus Elektrizitätsmanager mit Wissensvorsprung auf Politiker und Beamte, jedoch gar keine eigentliche Elektrizitätswirtschaft gibt. Die über 700 Elektrizitätsversorgungsunternehmen – darunter finden sich am häufigsten lokale oder regionale Stromverteilungsmonopolisten, die oft auch über kleinere Kraftwerke verfügen – sind gesamthaft zu rund 80% im Besitz von Städten, Gemeinden und Kantonen. Auch die grossen Konzerne stehen mit klarer Kapitalmehrheit (BKW und Alpiq) oder sogar fast vollständig (Axpo) unter Kontrolle öffentlicher Gebietskörperschaften. Politiker und Beamte sitzen in ihren Verwaltungsräten und bestimmen damit nicht nur die Elektrizitätspolitik und die Rahmenbedingungen oder die Spielregeln der Branche, sondern auch die Geschäftsstrategien der Unternehmen.
Konsumenten werden geknebelt
Die Verbraucher stehen einem durch und durch «verpolitisierten» und «monopolisierten» staatlichen Stromangebot gegenüber – nicht nur für den Netzanschluss, der ein unbestreitbares natürliches Monopol darstellt, sondern auch für die Stromlieferung, die im Wettbewerb stehen könnte. Die Verbraucher haben mit Ausnahme von wenigen Grosskunden, die sich im politischen Prozess einige Optionen erwirken konnten, keine freie Wahl des Stromlieferanten. Ihr lokaler Versorger wählt für sie.
Heute können die Verbraucher wenigstens ihre Verbrauchsmenge noch frei bestimmen. Die staatlichen Versorgungsmonopolisten müssen jede nachgefragte Strommenge noch ohne Wenn und Aber liefern. Mit der Energiestrategie 2050 soll dem Verbraucher dagegen faktisch immer mehr auch eine Menge vorgeschrieben werden – zunächst mit Verboten und Geboten, später mit finanziellen Lenkungsmassnahmen in geradezu absurder, prohibitiv wirkender Grössenordnung.
So will die «Strategie» den Stromverbrauch auf eine massiv reduzierte Produktion herunterfahren. Das wäre nach ökonomischem Lehrbuch eine Optionsfixierung, die unfreiwilligen Tausch im Sinne von «Geld oder Leben!» voraussetzt. Zu dieser totalitären Staatswirtschaftsform wird es in unserer Demokratie nie kommen, wie die Abstimmung zur Energiesteuer belegt. Die Energiestrategie 2050 ist somit am Ende.

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